Die Eingewöhnung eines erwachsenen Hundes

Ein erwachsener Hund mit blauem Halsband sitzt im Fußraum eines Autos
Einen erwachsenen Hund bei Dir aufzunehmen kann aufregend sein.

Der erste eigene Hund zieht ein. Das ist eine aufregende Situation, für dich und deinen neuen Begleiter. Bestimmt bist du voller Vorfreude und bereitest die Ankunft deines Vierbeiners vor. Vielleicht überkommt dich zwischendurch aber auch Unsicherheit. Schließlich bist du noch nicht mit den Eigenheiten und dem Charakter deines Hundes vertraut. Bis ihr euch wirklich gut kennt, wird es eine ganze Weile brauchen. Umso wichtiger ist es, die ersten Monate ruhig angehen zu lassen. Dein Hund benötigt Zeit, um sich in seinem neuen Umfeld zu orientieren und all die neuen Eindrücke zu verarbeiten.

Wie kannst du deinem Vierbeiner die Eingewöhnung möglichst leicht machen? Worauf solltest du achten, damit er sich wohlfühlt? Und wie lange dauert es, bis er wirklich bei dir angekommen ist?

Diese und noch andere Fragen beantworte ich dir in diesem Artikel.

Ein erwachsener Hund zieht ein

Vielleicht hast du einen Hund von einer Privatperson übernommen, die dir Informationen zu ihm geben kann. Vielleicht kommt dein Vierbeiner auch von einer Tierschutzorganisation, die ihn eine Weile betreut hat und kennt. Oder du hast ihn selbst aus einem Auslandsurlaub mitgebracht und weißt noch gar nicht viel über ihn.

Gerade für Streuner ist ein richtiges Zuhause eine riesige Umstellung

Die Möglichkeiten, wie du zu einem erwachsenen Hund kommen kannst, sind sehr unterschiedlich. Wenn du im Vorfeld Informationen über deinen neuen Freund erhalten kannst, ist das natürlich hilfreich. Welches Futter mag er? Worauf schläft er gerne? Kann er alleine bleiben? Dieses Wissen kann nützlich sein, um dich auf ihn vorzubereiten und ihm die Umstellung zu erleichtern.

Wenn du all das nicht weißt, wirst du es nach und nach selber herausfinden. Wichtig ist es, dass du dir keinen Druck machst, dass alles perfekt sein muss. In der nächsten Zeit wirst du viel über deinen neuen Begleiter lernen und kannst dich dann darauf einstellen.

Das solltest du zur Eingewöhnung wissen

Woher dein Hund auch immer stammt, eines ist wichtig zu berücksichtigen. Für ihn bedeutet der Einzug bei dir eine große Umstellung. Er verliert seine gewohnte Umgebung und muss sich nun in einer neuen zurechtfinden. Er lernt neue Menschen kennen und muss sich auf sie einstellen. Er wird mit neuen Gerüchen und vielleicht sogar neuen tierischen Mitbewohnern konfrontiert. Sein Tag bekommt einen neuen Rhythmus und auch die Gassi-Strecken sind ihm noch nicht vertraut.

Boxer liegt gemütlich auf dem Sofa
Die vielen neuen Eindrücke bedeuten Stress

Unter Umständen kennt er es noch nicht einmal, überhaupt in einem Haus zu leben oder an der Leine zu laufen. Versetze dich einmal in seine Lage, was all das für ihn bedeutet – Stress!

Es kann durchaus sein, dass dein Hund einen fröhlichen Eindruck macht, er sich freut und vielleicht auch kuscheln möchte. Das bedeutet aber nicht, dass er sich bereits eingewöhnt hast.

Bis dein tierischer Partner wirklich in seinem neuen Zuhause angekommen ist, vergehen ungefähr sechs bis 12 Wochen. In dieser Zeit kann es sein, dass sich sein Verhalten – im Vergleich zum Anfang – noch sehr verändert. Das solltest du vor allem bei einem Hund berücksichtigen, der aus einem Tierheim stammt. Es kann sein, dass sich ein Hund unter diesen Bedingungen ganz anders verhält als in einem häuslichen Umfeld. Er lebt dort unter großem Stress: bellende Artgenossen, wenig Zuwendung, wenig Auslauf und wenig geistige Auslastung. Manche Hunde ziehen sich emotional zurück und wirken sehr ruhig. In einem richtigen Zuhause kann es dann passieren, dass sie auftauen und ganz andere Seiten zum Vorschein kommen, die niemand vorher von ihnen kannte.

Mischlingshund an Kette hinter Zaun
Im Tierheim verhalten sich Hunde anders als im häuslichen Umfeld.

Ähnlich sieht es bei einem Hund aus, der auf der Straße gelebt hat. Auch wenn es toll ist, dass er nun ein richtiges Zuhause hat, muss er sich daran erst einmal gewöhnen.

Wie lange dauert die Eingewöhnungszeit

Es kann bis zu drei Monaten dauern, bis dein Vierbeiner wirklich in seinem neuen Zuhause angekommen ist. Gib ihm, aber auch dir, diese Zeit und überstürze nichts. Für dich kehrt nach kurzer Zeit wieder ein gewohnter Alltag ein. Dein Hund braucht weitaus länger, um den Umzugsstress zu verdauen und sich einzuleben.

Sollte er anfangs nicht spielen wollen, ist dies nicht ungewöhnlich. Im Augenblick hat er wahrscheinlich anderes im Sinn und fühlt sich vielleicht noch nicht sicher genug. Sei deshalb nicht enttäuscht, sondern mache einfach andere schöne Dinge mit ihm.

So gestaltest du die Eingewöhnung

Um deinem Hund die Eingewöhnung leicht zu machen, kannst du einiges machen. Der allerwichtigste Rat ist es, lieber weniger zu machen als zu viel.

Ich weiß wie aufregend es ist, wenn ein Hund einzieht, denn ich habe es selbst schon mehrfach erlebt. Am liebsten würdest du ihn bestimmt allen Freunden und Bekannten vorstellen und direkt schöne Ausflüge mit ihm unternehmen. All das ist verständlich, aber für deinen Hund viel zu viel.

Hund beim Fangen einer Frisbee
Manche Hunde wollen am Anfang noch nicht spielen.

Nimm dir für dein Tag des Einzugs nichts vor. Du solltest selber nicht unter zeitlichem Stress stehen, sondern Zeit für deinen Vierbeiner mitbringen. Gehe mit ihm zusammen von Zimmer zu Zimmer und lasse ihn die Umgebung erkunden. Wenn andere Tiere oder Kinder im Haus leben, solltest du dabei an der Leine führen. Das hat den Vorteil, dass du nicht hektisch nach ihm greifen musst, wenn irgendetwas sein sollte.

Es kann sogar sinnvoll sein, den Hund tagsüber ein Geschirr tragen zu lassen, an dem eine kurze Leine oder Schnur befestigt ist. Indem du die Leine nimmst statt ihn direkt anzufassen, vermeidest du, dass er sich unter Umständen von dir bedroht fühlt.

Genauso spannend wie der erste gemeinsame Tag ist die erste Nacht. Stell dich am besten darauf ein, dass diese etwas unruhig sein wird. Du wirst garantiert mit einem Ohr bei deinem neuen Mitbewohner sein und nicht so tief schlafen. Dein Hund wiederum ist mit den Geräuschen noch nicht vertraut, die er nun in der Stille der Nacht wahrnimmt. Vielleicht weiß er auch noch nicht genau,, wo er schlafen soll oder fühlt sich dort, wo sein Körbchen steht, alleine.

Ein großer Hund liegt neben einem umgeworfenen Blumenkübel
Missgeschicke können passieren, das ist normal.

Es kann daher hilfreich sein, ihn in der ersten Nacht in deiner Nähe schlafen zu lassen und/oder das Licht anzulassen. Auch leise Musik wirkt auf manche Vierbeiner beruhigend. Gut ist es auf jeden Fall, den Abend möglichst entspannend zu gestalten, damit ihr alle rechtzeitig vor dem Schlafengehen zur Ruhe kommt.

Tipp 1: Weniger ist mehr
Gehe es in den ersten drei Wochen bewusst langsam und ruhig an. Lade in den ersten Tagen nach dem Einzug deines Hundes keinen Besuch ein. Lasse ihn erst einmal sein neues Zuhause und seine neuen Mitbewohner kennenlernen, bevor er mit weiteren Personen konfrontiert wird.

Das gilt auch für große Unternehmungen und Ausflüge. In der ersten Zeit ist es vollkommen ausreichend, kleine Runden von ca. 30 Minuten zu drehen und deinen Hund die Umgebung in Ruhe erkunden zu lassen. Dein Ziel sollte nicht sein, ihn durch möglichst viele Aktivitäten platt zu machen, damit er abends gut schläft. Unter Umständen bewirkst du damit das genaue Gegenteil bewirkt und dein Hund dreht total auf, weil er durch die Eindrücke überfordert ist.

Dein Hund braucht in der Eingewöhnung viel Ruhe.

Damit dein Hund seinen Stress möglichst gut abbauen kann, braucht er unbedingt ausreichende Ruhephasen. Du kannst ihm auch Kaugegenstände oder einen Kong geben, denn Kauen beruhigt. Achte jedoch darauf, dass du ihm solche Sachen nicht einfach wegnimmst. Es kann sein, dass er diese verteidigt und das Hergeben erst lernen muss. Nimm so ein Verhalten nicht persönlich. Es zeigt lediglich, dass ihm etwas wichtig ist und du weißt nun, dass ihr hieran üben solltet.

Tipp 2 Gelassenheit
Auch Gelassenheit solltest du mitbringen. Dein Vierbeiner wird Dinge machen, von denen du überrascht bist, die dich ärgern oder verunsichern. Es kann passieren, dass er noch nicht stubenrein ist oder auf die Idee kommt, deine Schuhe anzukauen. Vielleicht kratzt er auch an den Türen oder gräbt deine Topfpflanzen aus.

All das ist nicht ungewöhnlich. Habe Verständnis dafür, dass er neue Seiten von sich zeigt und auch noch nicht mit deinen Vorstellungen von einem harmonischen Zusammenleben vertraut ist. Er muss all die Regeln , die nun für ihn gelten sollen, erst einmal lernen. Das geht nicht von Heute auf Morgen.

Hund mit Zahnpflege Kaustange zwischen den Pfoten
Kauen wirkt beruhigend.

Überfordere euch beide nicht durch zu hoch gesetzte Ansprüche und Erwartungen. Wenn du dich unsicher fühlst, weil du sein Verhalten nicht einschätzen kannst, solltest du dir Unterstützung durch einen Hundetrainer holen oder einen Tierarzt fragen.

Tipp 3 Die Erziehung
Sitz, Platz, Komm, Bleib und noch viele andere Signale soll dein Vierbeiner am besten möglichst schnell lernen. Sie alle sind wichtig, keine Frage. Es ist aber unrealistisch, dass er diese ruckzuck beherrscht. Während der Eingewöhnungszeit solltest du es auch bei der Erziehung langsam angehen lassen. Nimm dir nicht zu viel vor und lege den Schwerpunkt eher darauf, erwünschtest Verhalten deines Hundes zu verstärken. Das gibt ihm nicht nur Orientierung, sondern auch Sicherheit.

Trainingsmethoden, die auf Strafe basieren, sollten grundsätzlich tabu sein. Sie führen lediglich zu Verunsicherung statt dazu, dass dein Hund Vertrauen zu dir aufbaut. Besser ist es, positive Trainingsmethoden zu wählen, denn das macht euch beiden viel mehr Spaß und fördert eine gute Beziehung.

Tipp 4 Sicherheit und Ruhe
Ebenfalls wichtig ist es, deinem Hund einen festen Rückzugsort zu ermöglichen. Hier sollte er nicht gestört werden. Wenn du Kinder hast, sollten auch diese lernen, ihn dort in Ruhe zu lassen.

Ein Labrador ist ein sehr kinderlieber und geduldiger Hund.
Kinder sollten den Hund keinesfalls bedrängen.

Bei euren Spaziergängen solltest du den Hund in den ersten Wochen unbedingt mit einer Leine sichern, zum Beispiel einer Schleppleine. Die Versuchung mag groß sein, ihn einfach mal toben zu lassen. Damit gehst du jedoch ein hohes Risiko ein. Dein Hund kann sich erschrecken oder aggressiv auf etwas reagieren und dann hast du ihn nicht mehr unter Kontrolle. Das kann für andere, aber auch für ihn schlimme Folgen haben.

Zum Thema Sicherheit gehört es auch, dass du deinen neuen Freund nicht unbeaufsichtigt auf deinem Grundstück herumlaufen lässt bzw. deine Terrassentüre schließt, damit er nicht weglaufen kann.

Tipp 5 Gesundheit
In der Eingewöhnungszeit kommt es bei einigen Hunden zu Durchfall. Das ist nicht ungewöhnlich, denn für einen Hund bedeutet diese Umstellungsphase großer Stress. Sollte dein Hund also plötzlich Durchfall haben, ist das kein Grund zur Besorgnis. Behalte ihn ein bis zwei Tage gut ihm Auge und füttere ihm Schonkost. Wenn der Durchfall nicht weggeht und/oder starkes Erbrechen dazukommt, solltest du zu einem Tierarzt gehen. Er kann feststellen, welche Ursache dafür vorliegt und dir – wenn notwendig – die entsprechenden Medikamente mitgeben.

Weißer Hund macht einen Haufen auf eine Wiese
Die Umstellung kann einem Hund auf die Verdauung schlagen.

Fazit

Freude, Aufregung, Unsicherheit und Zweifel sind eine typische Gefühlsmischung, die der Einzug eines Hundes mit sich bringt. Nicht immer läuft alles so glatt, wie du es dir im Vorfeld vielleicht vorgestellt hast. Dein Hund ist ein lebendiges Wesen und bringt somit seine Eigenheiten mit sich. Gehe die Eingewöhnung möglichst entspannt an. Euch bleibt noch so viel gemeinsame Zeit, dass du dir und ihm keinen Stress machen brauchst. Sei neugierig auf ihn. Lerne ihn kennen. Habe Spaß mit ihm. Beschütze ihn und passe gut auf ihn auf. Alles weitere kommt von ganz allein.


Bildcredit: (c) Stefanie Vogt


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Über Nima 201 Artikel
Ich bin Nima und lebe zusammen mit drei liebenswerten Hunde-Mädels. Als ausgebildete Hundetrainerin liegt mir ein respektvoller Umgang mit unseren Vierbeinern sehr am Herzen.

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