Herausforderungen beim Hundetraining

Schwarzer Mischlingshund sitzt auf einem Feldweg vor einer Kuhwiese
Einen Hund zu erziehen, ist eine Herausforderung

Hundetraining ist eine herausfordernde Aufgabe, für Anfänger genauso wie für erfahrene Hundehalter. Es erfordert Zeit, Geduld und Wissen über die geeigneten Trainingsmethoden. Viele Ersthundebesitzer fühlen sich dabei nach kurzer Zeit überfordert. Sie haben es sich so schön vorgestellt, endlich einen Hund zu haben, aber dann tauchen immer mehr Herausforderungen auf. Ungefragte Ratschläge anderer Hundebesitzer oder der fehlende Überblick durch all die Informationen sind nur zwei davon.

Welche Dinge das Hundetraining bei Anfängern oft unnötig erschweren und wie du lernst, gelassen zu bleiben, das erfährst du in diesem Beitrag.

Der Hund – das unbekannte Wesen

Da ist er nun, dein neuer Weggefährte, und schaut dich mit seinen treuen Augen an. Aber was will er dir sagen? Hat er Hunger oder will er rausgehen? Und wieso bellt er den anderen Hund an? Möchte er mit ihm spielen oder ihn auffressen?

Als Ersthundebesitzer taucht eine Frage nach der nächsten auf. Alles ist neu und du weißt gar nicht, was dir dein Vierbeiner mitteilen will. Schließlich kann er dir nicht in Worten ausdrücken, was er er möchte. Bis du seine Körpersprache wirklich gut kennst und deuten kannst, braucht es einige Zeit.

Jagdhundmischling reckt bellend den Kopf nach oben
Nicht immer ist es leicht zu verstehen, was ein Hund ausdrücken will

Gerade am Anfang fühlen sich Ersthundebesitzer mit der Kommunikation ihres tierischen Neuzugangs überfordert. Das ist vollkommen normal und wird mit der Zeit besser.


Mein Tipp: Nimm deinen Hund mit Video auf und schaue dir die Filme in Ruhe an. Beobachte, wie er in unterschiedlichen Momenten seinen Schwanz hält, wie seine Mimik aussieht, ob er sich duckt oder groß macht, ob seine Bewegungen locker oder verkrampft aussehen. All das hilft dir, seine unterschiedlichen Gefühlszustände zu erkennen, zu verstehen und damit umgehen zu können.


Hündische Bedürfnisse

Wichtig ist es auch zu verstehen, wieso dein Hund auf dich hört oder wieso er es nicht tut. Oft wird behauptet, Hunde zeigen ein Verhalten, um uns zu gefallen oder weil sie dankbar sind. Das stimmt so jedoch nicht, sondern wird von uns Menschen lediglich so gedeutet.
Hinter jedem Verhalten deines Hundes steht ein Bedürfnis, zum Beispiel das Bedürfnis nach Schutz, nach Aufmerksamkeit oder nach Körperkontakt, aber auch nach Futter oder Ruhe. Um deinen Hund richtig zu verstehen, musst du nicht nur seine Körpersprache deuten lernen, sondern sich auch mit seinen Bedürfnissen befassen. Je genauer du verstehst, welches hinter seinem aktuellen Verhalten steckt, umso besser kannst du damit umgehen.

Blonder Mischlingshund schleckt sich über den Mundwinkel
Es ist schwer, so einem Blick zu widerstehen

Ein ängstlicher Hund benötigt Schutz und Sicherheit, keinen zusätzlichen Stress durch dich als Bezugsperson. Das gleiche gilt auch für einen aggressiven Hund, der sich durch etwas bedroht fühlt. Und ein Vierbeiner, der gestresst durch zu viele Eindrücke ist, benötigt Ruhe und nicht noch mehr Action.

Herausforderungen als Ersthundebesitzer

Zu den größten Herausforderungen, mit denen Anfänger zu kämpfen haben, zählen die zu hohen Ansprüche und selbst gemachter Druck. Vielleicht hast auch du das Idealbild eines Hundes vor Augen, der jederzeit abrufbar ist und fast so gut hört wie Lassie. Ja, das Zusammenleben mit so einem gut erzogenen Hund ist bestimmt sehr angenehm und unkompliziert. Um an diesen Punkt zu kommen, sind jedoch unzählige Trainingsstunden notwendig. Ohne intensive Arbeit kannst du dieses Ergebnis nicht erzielen. (Und vielleicht musst du das auch gar nicht, sondern denkst nur, du solltest es tun?)
Ich gehe jedoch davon aus, dass du noch andere Dinge um die Ohren hast und dir nicht täglich viele Stunden zum Trainieren deines Vierbeiners zur Verfügung stehen.

Mischlingshund trägt Ball im Maul auf einer Wiese
Hunde wollen nicht nur trainieren, sondern auch spielen

Deshalb ist es wichtig, dass du realistische Ansprüche an dich und deinen Hund stellst.

  • Bis sich ein Hund wirklich eingelebt hat, dauert es zwischen sechs und acht Wochen, teilweise auch länger.
    Während für dich der Alltag schon wieder normalisiert hat, ist für deinen Hund noch immer alles neu. Dein Hund braucht somit erst einmal genug Zeit, um sich an die neuen Abläufe und das Umfeld zu gewöhnen. Natürlich kannst du schon mit ihm trainieren, solltest es dabei aber langsam angehen lassen.
  • Dein Hund kann all die Signale nur lernen, indem du sie ausgiebig mit ihm übst.
    Bis die wichtigsten Signale wirklich gut funktionieren, vergehen mindestens einige Monate – manches braucht sogar Jahre!
  • Jeder Hund bringt andere Voraussetzungen mit sich.
    Der eine lernt schnell, der andere braucht länger. Ein Hund hat große Angst, die sein Lernverhalten beeinflusst, der andere ist extrem hormongesteuert und kann sich nicht konzentrieren. All das beeinflusst euer Training.

Wenn du also erwartest, dass dein Hund nach drei Monaten schon total viel können muss, ist dieser Anspruch zu hoch. Du wirst zwangsläufig enttäuscht sein und dich fragen, wieso es so lange braucht.

Golden Retriever macht Platz auf einer Wiese
Dein Hund lernt die Signale nur, indem du sie mit ihm übst

Mein Tipp: Lass dir Zeit. Du und dein Vierbeiner habt alle Zeit der Welt, um zu trainieren. Setz dir möglichst kleine Ziele, denn dadurch sammelst du Erfolgserlebnisse. Und nimm dir nicht zu viel auf einmal vor, stattdessen lieber nur ein oder zwei Signale.
Erinnere dich daran, wie lange du benötigt hast, um bestimmte Dinge zu lernen. Dein Hund ist ein Lebewesen, keine Maschine. Das heißt, er darf Fehler machen und schlechte Tage haben, genau wie du und ich.
Je größer der Druck ist, umso verkrampfter wird das Training. Achte darauf, dass dir das Üben Spaß macht, denn dann lernt auch dein Hund am besten.


Was andere von dir erwarten

Neben den eigenen hohen Ansprüchen kommen häufig noch die Erwartungen anderer hinzu. Wie oft habe ich bei Spaziergängen schon gesagt bekommen „das muss der aber können“ oder „das darf ein Hund aber nicht machen“.

Als Ersthundebesitzer bist du gefundenes Fressen für Leute, die – angeblich – viel Erfahrung auf diesem Gebiet haben. Sie überschütten dich mit Tipps und Ratschlägen, um die du sie gar nicht gebeten hast. All das führt jedoch dazu, dass du dich immer unsicherer fühlst und Angst hast, etwas verkehrt zu machen.

Weißer Labradormischling und Schäferhundmischling beschnuppern sich im Gesicht
Auch die Begegnungen mit anderen Hundebesitzern wollen gelernt werden

Mein Tipp: Lass die Leute reden. Es ist dein Hund und wie bei kleinen Kindern auch, steht es anderen nicht zu, dir einfach reinzureden. Am besten ist es, sich nicht auf Diskussionen einzulassen.


Ein dichter Informations-Dschungel

Die hohen eigenen und fremden Erwartungen sind ein Faktor, der das Hundetraining für Anfänger erschwert. Dazu kommt die Frage, wie du deinen Vierbeiner denn überhaupt richtig erziehst? Vielleicht bekommst du Bücher geschenkt oder empfohlen. Vielleicht suchst du auch selber im Internet nach Informationen. Je mehr du dich mit dem Thema Hundeerziehung beschäftigst, umso größer wird deine Verunsicherung. Die Ansichten hierzu gehen so weit auseinander, dass du als Anfänger wahrscheinlich nicht mehr weißt, was oder wem du glauben sollst. Alles hört sich irgendwie logisch oder nachvollziehbar an, selbst wenn sich die Methoden komplett unterscheiden.
Wie sollst du da den Überblick behalten und beurteilen, welches die richtige Trainingsform für dich und deinen Hund ist?
Ich weiß wie schwer es ist, seinen eigenen Weg zu finden. Ich selber habe einige Zeit gebraucht, bis ich damals mit meiner Luna zum Clickertraining gefunden habe. (Wie du mit dem Clicker trainierst, dazu findest du viele Beispiele auf unserer Übersichtsseite zur Hundeerziehung.)

Frau füttert Zwerpudel Welpen
Mit dem Clickertraining kannst Du auch schon in jungem Alter anfangen

So viele Hundebesitzer meinten, mir in die Erziehung reinreden zu müssen. Einige dieser Tipps waren längst überholt und haben nicht dem entsprochen, wie ich mit meinem Hund umgehen möchte. Trotzdem habe ich mich verunsichern lassen, weil ich es zu diesem Zeitpunkt nicht besser wusste.


Mein Tipp: Höre auf dein Bauchgefühl. Wenn du dich mit einer Trainingsmethode schlecht fühlst und/oder sie nicht richtig verstehst, dann wende sie nicht an oder hinterfrage sie. Das gilt auch für Hundeschulen. Ein guter Trainer nimmt sich die Zeit, dir die Methoden so zu erklären, dass du sie verstehst. Möchte er etwas machen, womit du dich unwohl fühlst, dann darfst du das sagen!


Die Balance finden

Du möchtest bestimmt, dass es deinem Hund gut geht und gibst dir deshalb große Mühe, ihm und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ausreichend Futter, Auslauf, Spieleinheiten und geistige Auslastung, Pflegeeinheiten und und und … da kommt eine Menge zusammen!

Wie sieht es aber mit dir und deinen Bedürfnissen aus?
Nur weil du jetzt einen Hund hast, solltest du diese nicht außen vor lassen. Es gibt Tage, an denen bist du erschöpft oder genervt. An anderen hast du viel um die Ohren oder fühlst dich kränklich. Das Training deines Vierbeiners klappt jedoch dann am besten, wenn es dir auch gut geht.

High Five aus Pfote und Hand
Hundeerziehung muss nicht schwer sein und sollte Spaß machen!

Mein Tipp: Es ist wichtig, dass du deine eigenen Bedürfnisse nicht außer acht lässt. Hattest du einen anstrengenden Tag oder bist genervt, dann machst du halt an diesem Tag kein Training. Es sei denn, du hast wirklich Lust dazu!

Fazit: Hundetraining soll Spaß machen!

Ob Hundeanfänger oder erfahrener Hundebesitzer – der Weg zu einem gut erzogenen Vierbeiner ist selten ein Sonntagsspaziergang. Als Neuling kommen auf dich meistens noch weitere Herausforderungen hinzu. Es ist vollkommen normal, dass du dich verunsichert oder überfordert fühlst.

Deswegen denk an meine Tipps:

  • Nimm dir Zeit die Körpersprache deines Hundes durch Videos kennenzulernen und achte auf seine Bedürfnisse.
  • Lass dir Zeit beim Training und setze dir kleine, erreichbare Ziele.
  • Lass die Leute reden und lass dich auf keine Erziehungsdiskussionen ein. Es ist dein Hund.
  • Höre beim Training auf dein Bauchgefühl. Du solltest die Trainingsmethoden verstehen und dich gut mit ihnen fühlen.
  • Es ist wichtig, dass du deine eigenen Bedürfnisse nicht außer acht lässt. Nur wenn es dir gut geht, kann es auch deinem Hund gut gehen.

Wenn du dir diese Tipps zu Herzen nimmst und euer Ding machst ohne dich mit anderen zu vergleichen, dann nimmst du dir und deinem vierbeinigen Freund eine Menge Druck. Schließlich soll dein Hunddein Leben bereichern und ihr solltet zusammen Spaß haben.


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Bildcredit: (c) Nima Ashoff

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Über Nima Ashoff 43 Artikel
Ich bin Nima und lebe zusammen mit drei liebenswerten Hunde-Mädels. Als ausgebildete Hundetrainerin liegt mir ein respektvoller Umgang mit unseren Vierbeinern sehr am Herzen.

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