Mehrhundehaltung – worauf es im Alltag ankommt

Mehrhundehaltung kann ganz entspannt sein, wenn Regeln beachtet werden

Mit mehreren Hunden zusammenzuleben, kann eine wunderbare Sache sein – wenn alles funktioniert. Wenn nicht, kann der Alltag mit mehreren Hunden durchaus zum Chaos ausarten. Indem du dir Zeit nimmst, den passenden Zweithund zu finden, kannst du möglichen Problemen schon im Vorfeld vorbeugen. Auch für die Zusammenführung benötigst du Fingerspitzengefühl, damit sich die Hunde in Ruhe aneinander gewöhnen können.

Im gemeinsamen Alltag kommt es dann auf ein paar wesentliche Punkte an, um bei der Mehrhundehaltung Probleme zu vermeiden.

Tipps zur Mehrhundehaltung

Damit mehrere Hunde harmonisch miteinander auskommen, brauchen sie einen Rahmen, in dem sie sich sicher fühlen und der ihnen Orientierung bietet. Diese Orientierung bekommen sie durch Regeln, die für das Verhalten untereinander gelten, aber auch für den Kontakt mit anderen Personen oder Tieren. Welche Regeln für euer Zusammenleben sinnvoll sind, das entscheidest du. Wenn du einsam auf dem Land lebst, sieht dein Alltag mit den Hunden schließlich anders aus als wenn du mitten in einer Stadt wohnst.

Eines ist aber immer wichtig: Die von dir aufgestellten Regeln gelten für alle Hunde gleichermaßen, ohne Bevorzugungen.

Drei Jack Russel Terrier stehen an einer geöffneten Tür
Regeln sind wichtig, unabhängig von der Größe der Hunde

Tipps zum Aufstellen von Regeln

  1. Jeder Hund hat das Recht auf seinen Freiraum.
    Achte darauf, dass kein Hund den anderen dauerhaft bedrängt oder einschränkt. Dazu gehört zum Beispiel, dass alle Hunde in Ruhe fressen können, ohne, dass ihnen das Futter vom anderen geklaut wird.
    Ein weiteres Beispiel: Mein Hund Merle möchte mit Jule spielen und bedrängt sie heftig. Jule will aber ihre Ruhe und wird von Merle in ihrer Kommunikation nicht ernstgenommen.
    In solchen Momenten greife ich ein und sorge dafür, dass Jule ihre Ruhe bekommt, indem ich mit Merle spiele.
    Neben diesen beiden Punkten ist es ebenfalls wichtig, dass jeder Hund seine eigene Rückzugsmöglichkeit hat. Wenn er diese freiwillig mit seinem vierbeinigen Mitbewohner teilt, ist das natürlich in Ordnung.
  2. Es ist genug für alle da
    Deine Hunde brauchen sich nicht wegen Ressourcen wie Spielzeug, Futter oder Streicheleinheiten zu streiten. Du bist die Person, die all das verwaltet und gerecht verteilt.
    Eine Übung, die ich gerne mache, ist diese: Ich lasse meine drei Hunde vor mir sitzen und gebe jedem nacheinander ein Leckerlie. Dabei sage ich immer zuerst den Namen des Hundes, dem ich als nächstes das Futter gebe, während die anderen warten.
    Bei dieser Übung lernen die Hunde, dass jeder etwas bekommt und sich das Warten lohnt – ohne sich vorzudrängeln.

    Ruhiges Warten sollte unbedingt belohnt werden
  3. Kommunikation ist erwünscht
    Auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht seltsam klingt, aber knurren ist super!
    Wenn einer deiner Hunde nämlich knurrt, teilt er mit, dass für ihn etwas nicht stimmt. Das bietet dir die Gelegenheit, ihn bei der Lösung des Problems zu unterstützen.
    Ein Beispiel: Meine Hündin Luna liegt in ihrem Körbchen, Merle möchte sich dazulegen. Luna knurrt, weil es ihr zu eng ist und sie Distanz haben möchte.
    Durch das Knurren werde ich auf den Konflikt aufmerksam und kann helfend eingreifen, indem ich Merle an einem anderen Platz liegen lasse. So lernt Luna, dass ich ihre Kommunikation verstehe und ihr helfe, den Konflikt zu lösen.

Warum Hunde Probleme nicht unter sich regeln sollten

Diese Einstellung „die regeln das schon unter sich“ trägt dazu bei, dass bei der Mehrhundehaltung Probleme entstehen. Hunde wissen nämlich nicht automatisch, welches Verhalten das richtige ist, damit sie harmonisch zusammenleben können. Sie sind erst einmal Egoisten, die ihre Bedürfnisse befriedigen wollen. Das kann aber – je nach Charakter der Hunde – zu Konflikten führen und genau die willst du ja vermeiden. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass du erwünschtes und deeskalierendes Verhalten erkennst und bestärkst.

Zwei Mischlingshunde tragen zusammen einen Stock am Strand
Mehrhundehaltung bedeutet auch, dass die Hunde zusammen spielen können

Welche Probleme können bei der Mehrhundehaltung entstehen?

Ein mögliches Problem kann sein, dass die Hunde unter ständigem Stress stehen, weil sie nicht mehr entspannen können. Entweder haben sie Angst vor dem anderen Hund oder werden von ihm nicht in Ruhe gelassen. Stress kann aber auch dadurch entstehen, dass sie ständig ihre Sachen vor dem anderen beschützen wollen.
Umso wichtiger ist es, dass sie sich auf ihre Menschen verlassen können und du einen guten Blick auf deine Vierbeiner hast.

Ein weiteres Problem kann sein, dass einer der Hunde deutlich bevorzugt wird. Hunde sind äußerst soziale Lebewesen, die so eine Ungerechtigkeit spüren.
Genauso solltest du darauf achten, dich mit jedem Hund individuell zu beschäftigen, um seinen Bedürfnissen gerecht zu werden. Sonst kann es passieren, dass dein Hund unausgelastet ist und verhaltensauffällig wird.

Auch die Erziehung von mehreren Hunden kann zu Schwierigkeiten führen.
Fängt ein Hund mit dem Bellen an, macht der andere wahrscheinlich schnell mit. Jagt der eine, rennt der andere vermutlich hinterher. Die Erziehung von mehreren Hunden ist deshalb meistens mehr Arbeit, als wenn du nur einen Vierbeiner hast.

Mehrhundehaltung und Erziehung

Einen Hund zu erziehen, ist mit viel Zeit verbunden. Wie ist es, wenn ein zweiter oder dritter dazukommen?
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr von der individuellen Konstellation abhängt, wie es mit der Erziehung klappt.

Drei Mischlingshunde sitzen nebeneinander auf einer Parkbank
Jeder Hund braucht individuelle Aufmerksamkeit

Hast du zum Beispiel einen Hund, der leinenaggressiv ist und holst dir einen zweiten dazu, der das gleiche Verhalten zeigt, dann hast du alle Hände voll zu tun. In solche Fällen kann es sinnvoll sein, die Spaziergänge getrennt durchzuführen und mit jedem einzeln zu üben.

Aber auch, wenn du zwei Hunde hast, die beide die Grundsignale noch nicht beherrschen, können getrennte Übungseinheiten notwendig sein. Bei mehreren Hunden leidet nämlich nicht nur deine eigene Konzentration, sondern auch die deiner Hunde.
Ebenfalls schwierig ist es, mit mehreren Hunden gleichzeitig Anti-Jagdtraining zu machen. Hier sind nicht nur gute Nerven, sondern auch viel Zeit und Übung notwendig, am besten mit jedem Hund einzeln.

Anders sieht es aus, wenn du zu einem alten, gut erzogenen Hund einen jungen holst. Hier kann es passieren, dass sich der jüngere Hund das gute Verhalten vom erwachsenen abschaut. Wenn du ihn nun darin bestärkst, wird er schnell lernen, was er tun soll.

Ob bei der Mehrhundehaltung die Erziehung doppelt so viel Arbeit macht oder nicht, hängt also von vielen Faktoren ab. Deine Hunde können sich sowohl das gute als auch das schlechte Verhalten vom anderen abschauen. Je besser du also im Vorfeld auf die passende Zusammenstellung deines Hunderudels achtest, umso leichter klappt es auch mit der Erziehung.

Mehrhundehaltung – die Mischung macht’s

Ich habe zu meinen zwei Seniorenhunden kürzlich einen jungen Hund dazu genommen. Merle orientiert sich bestens an den beiden alten Hunden und bringt sich alles wie von alleine bei. Ich bestärke sie darin und bin dankbar , dass diese drei Hunde innerhalb kürzester Zeit zu einem Team geworden sind.

Aber ich weiß auch, dass mich die Mehrhundehaltung früher schon an die Grenzen meiner Belastbarkeit geführt hat. Ich bin mit meinen Hunden gewachsen und habe gelernt worauf es ankommt, damit der Alltag funktioniert.

Im Grunde sind es drei Dinge: Respekt vor den Bedürfnissen jedes einzelnen Hundes, Fairness und eine gute Beobachtungsgabe. Damit schaffst du eine gute Grundlage, damit auch dein Hunderudel zu einem Spitzenteam wird.

Bildcredit: (c) Nima Ashoff

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Über Nima Ashoff 21 Artikel
Ich bin Nima und lebe zusammen mit drei liebenswerten Hunde-Mädels. Als ausgebildete Hundetrainerin liegt mir ein respektvoller Umgang mit unseren Vierbeinern sehr am Herzen.

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