Pferde richtig füttern

Drei Pferde fressen frisches Heu zwischen den Stäben eines Holzzaunes
Bei der Raufutterwahl sollten immer auf hochwertiges Heu zurückgegriffen werden.

Damit es deinem Pferd gut geht, gilt es so einiges zu beachten: Neben einer artgerechten Haltung und guter Pflege spielt hierbei das Füttern eine große Rolle. Eine naturnahe und an dein Pferd angepasste Fütterung hält es gesund, sorgt für ein ausgeglichenes Verhalten und hilft so auch einer guten Pferd-Mensch-Beziehung.

Die Natur des Pferdes

Um zu verstehen, wie du dein Pferd am besten fütterst, ist es wichtig, sich erst einmal das Fressverhalten wild lebender Pferde anzusehen. Denn im Gegensatz zum Menschen isst ein Pferd nicht dreimal am Tag eine große Mahlzeit, sondern verteilt seine Nahrungsaufnahme vielmehr über den ganzen Tag. Es isst quasi eher kleine Portionen, dafür aber deutlich öfter. So kommt es auch, dass Pferde in freier Wildbahn 12 – 16 Stunden mit fressen beschäftigt sind. Der verhältnismäßig kleine Magen des Pferdes und sein Verdauungstrakt sind auf kleine, kontinuierliche Portionen ausgelegt und die Bakterien im Darm sind so entwickelt, dass sie die Nährstoffe auf diese Weise ideal verwerten können.

Da Pferde in der Natur ca. 60 % ihrer Zeit mit fressen verbringen, solltest du nicht außer Acht lassen, dass es neben der notwendigen Energiezufuhr auch zur Beschäftigung dient.

Zwei Pferde fressen an einem Heunetz
Ein Heunetz beschäftigt das Pferd länger, da es das Heu in kleinen Portionen aus dem Netz zupft.

Pferdefutter: Raufutter, Kraftfutter und Saftfutter

Das Ziel einer guten Fütterung ist es also nicht nur dem Pferd genug Energie und Nährstoffe zu liefern, sondern auch dem natürlichen Fressverhalten möglichst nahezukommen. Die Fütterung sollte an den Verdauungstrakt des Pferdes angepasst sein und ihm eine gute Beschäftigung bieten. Gerade wenn dein Pferd oft in der Box steht, kann es sich mit dem Heu einige Stunden die Zeit vertreiben.

Ein Pferd grast auf einer Sommerwiese.
Raufutter ist der Hauptbestandteil der Pferdenahrung.

Das Raufutter ist der Hauptbestandteil des Pferdefutters. Genau genommen sind Raufutter rohfaserreiche Futtermittel, wie z. B. Gras, Silage, Heu, Stroh und Kräuter, die dein Pferd mit Energie, Mineralstoffen und Vitaminen versorgen. Raufutter sollte die meiste Zeit des Tages für das Pferd zugänglich sein, da der Verdauungstrakt an kontinuierliches Essen in kleinen Mengen angepasst ist und die Bakterien im Darm deines Pferdes quasi darauf spezialisiert sind, die Nährstoffe bestmöglich zu verarbeiten. Dabei wird durch das Raufutter auch die Zahngesundheit des Pferdes gefördert, da lange und intensiv gekaut werden muss und sich so Zahnstein und Zahnkrankheiten weniger schnell bilden. Bei Weidepferden, die wenig geritten werden, ist das Raufutter oft schon ausreichend.

Wird dein Pferd aber öfter bewegt, reicht die Energie, die es aus Raufutter gewinnt,
nicht mehr aus und du musst Kraftfutter zufüttern. Kraftfutter besteht entweder aus Hafer, Mais, Gerste oder ist als Mischfutter in Form eines Müslis aus mehreren Bestandteilen zusammengemischt. Gerade bei Sport- oder Arbeitspferden ist das Kraftfutter eine wichtige Ergänzung zum Raufutter, da es einen deutlich höheren Energiegehalt hat. (Eine Übersicht über die verschiedenen Kraftfutter findest du in diesem Artikel. Klick.) Im Gegensatz zum Raufutter solltest du das Kraftfutter aber nicht kontinuierlich, sondern nur zu bestimmten Zeiten und in vorgegebenen Mengen füttern. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass du dein Pferd nicht bewegen solltest, wenn es kurz zuvor Kraftfutter gefressen hat.

Neben Raufutter und Kraftfutter sollte man das Saftfutter nicht vergessen. Als Saftfutter bezeichnet man Futter mit einem hohen Wassergehalt, wie Obst und Gemüse. Karotten, Äpfel und Rote Beete sind auch für Pferde eine willkommene Abwechslung zum täglichen Heu. Jedoch sollte man es mit gewissen Obstsorten nicht übertreiben – durch den hohen Zuckergehalt schmeckt das Obst zwar besonders gut, führt dem Pferdekörper aber auch viel Energie zu, wodurch das Pferd dick werden könnte.

Ein Pferd frisst Äpfel direkt von einem Baum
Äpfel und anderes Saftfutter ist bei Pferden gerne gesehen und auch gesund.

Je nach Bedarf kannst du deinem Pferd auch Futterzusätze zufüttern. Öle oder mit Vitaminen und Nährstoffen angereicherte Flüssigkeiten werden Pferden mit gesundheitlichen Mängeln oder Sportpferden gefüttert.

Und zu guter Letzt: das Wasser. Wasser spielt, wie bei allen Säugetieren, eine wichtige Rolle. Frisches Wasser muss immer für dein Pferd zugänglich sein. Sollte dein Pferd längere Zeit kein Wasserzugang haben, kann sich sein Darminhalt verstopfen, was wiederum zu einer lebensbedrohlichen Kolik führen kann.

Ein dunkler Araber trinkt an einem heißen Sommertag Wasser aus einem Trog
Wasser muss immer bereitstehen.

Nicht alles ist gesund

Wichtig ist, dass du dein Pferd nicht überfütterst. Vor allem Kraftfutter und Obst kann schnell zu Übergewicht und Erkrankungen führen. Auch Grasschnitt, also frisch geschnittenes Gras, kann bei Pferden zu einer Kolik führen. Zu klein geschnittenes Obst und Gemüse sollte auch nicht verfüttert werden, da es zu Schlundverstopfung führen kann.

Giftige Pflanzen lassen Pferde meist links liegen. Da du dir aber nie ganz sicher sein kannst, dass dein Pferd nicht doch mal etwas Giftiges isst, sollte die Weide auf solche Pflanzen untersucht werden.

Solltest du eine Futterumstellung planen, ist es wichtig, dass du die Umstellung Schritt für Schritt machst. Ein spontaner Futterwechsel kann im schlimmsten Fall zu einer Kolik führen.

Jedes Pferd is(s)t individuell

Es liegt nahe, dass ein Sport- und Leistungspferd deutlich mehr Energie verbraucht, und somit auch zu sich nehmen muss, als ein Pony, welches den ganzen Tag auf dem Paddock steht. Es ist also wichtig, den Speiseplan auf das Pferd und seine Leistung anzupassen. Dabei geht es aber nicht nur um ihre tatsächliche Bewegung. Auch trächtige Stuten brauchen mehr Energie, Mineralstoffe und Vitamine, als ein nicht trächtiges Tier. Für ältere Pferde gilt das selbe Prinzip, wie für Jüngere. Sie sollten genug Zugang zu Raufutter haben und zusätzlich Kraftfutter, wie zum Beispiel Hafer, zugefüttert bekommen. Je nach der Zahnverfassung kann man auch gequetschten Hafer verfüttern, um dem Pferd das Kauen zu erleichtern.

galopp am strand
Die Futtermenge muss sich auch daran orientieren, wie viel du dein Pferd bewegst.

Wichtig ist, dass dein Pferd viel Zugang zu Raufutter hat und du es mit dem Kraftfutter und kleinen Leckereien nicht übertreibst. Vergiss aber nicht, auf dein Pferd zu achten, da jedes Lebewesen ein bisschen andere Bedürfnisse hat: Was für das eine Pferd schon zu viel ist, kann dem anderen noch lange nicht reichen. Denn dein Pferd richtig zu füttern bedeutet auch, dass du dich nach seinen individuellen Bedürfnissen richtest.

Wie fütterst du dein Pferd?

Welche Erfahrungen hast du mit Pferdeernährung gemacht?

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Über Louisa Wittek 21 Artikel

Ich bin als freie Journalistin tätig und freue mich sehr darüber hier über Themen rund ums Tier schreiben zu können. Seit ich denken kann beschäftige ich mich mit Tieren und hatte schon einige als Mitbewohner. Meine Leidenschaft für Tiere habe ich auch in meinem Philosophie-Studium verfolgt und mich umfassend mit dem Thema Tierethik beschäftigt.

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