Kaninchen kaufen

Kaninchen kaufen - Ein Ratgeber,
Kaninchen sind Gruppentiere und sollten nie allein gehalten werden.

Ein beliebtes Haustier in deutschen Kinderzimmern ist das Kaninchen – kein Wunder, die flauschigen Langohren erobern jedes Kinderherz im Sturm. Dabei gibt es aber viel zu beachten, denn Kaninchen sind keine Kuscheltiere und der Kauf sollte gut überlegt sein. Was
du vor dem Kauf beachten musst, woher du Kaninchen bekommst und wie teuer die Anschaffung wird, erfährst du hier:

Was du vor der Anschaffung eines Kaninchens bedenken musst

Die Entscheidung, sich Kaninchen zuzulegen, sollte nicht spontan fallen. Kaninchen, wie alle anderen Haustiere auch, bedeuten eine große Verantwortung! Denn auch kleine Lebewesen brauchen täglich Futter, Wasser und Aufmerksamkeit.

Und damit ist es bei Kaninchen noch nicht getan: Auch wenn du einen großen Stall hast, brauchen die Nager Auslauf. Kaninchen haben einen besonders hohen Bewegungsdrang, der sich in alle Richtungen ausbreitet: Sie wollen hüpfen, Hacken schlagen und umher rennen, wenn ihnen danach ist. Hast du die Zeit und den Raum, deinen Kaninchen täglich einige Stunden Auslauf zu gewähren?

Kaninchen werden zwischen 8 und 12 Jahre alt. Wie sehen deine nächsten Jahre aus? Passen Kaninchen in dein Leben? Auch in 8 Jahren noch? Und was passiert, wenn du mal verreisen möchtest? Sind sie in guten Händen, wenn du dich mal einige Tage nicht um sie kümmern kannst?

All das sind Fragen, die du dir vor der Anschaffung stellen musst. Denn wenn du dir Kaninchen zulegst, gewinnst du zwar neue Freunde, aber auch viel Verantwortung.

Die Wahl des Kaninchens

Hast du dich fest Entschlossen, dir Kaninchen ins Haus (oder den Garten) zu holen, musst du dich nun damit auseinandersetzen, welche Konstellation du dir zulegen willst, welche Rasse es sein soll und woher du die Kaninchen holst.

Die Kaninchen-Konstellation

Kaninchen leben in Kolonien und sind soziale Tiere. Wenn du dich also entscheidest, dir Kaninchen zuzulegen, solltest du mindestens zwei halten. Ideal ist es aber, Kaninchen in kleine Gruppen von drei bis sechs Tieren zuhalten. Folgende Konstellationen vertragen sich meist gut:

  • ein kastriertes Böckchen und ein bis vier Weibchen
  • zwei kastrierte Böckchen und zwei bis vier Weibchen
  • oder eine reine Männergruppe, die aus kastrierten Böcken besteht
Zwei Kaninchen, eines weiß und eines braun, beschnuppern sich auf einer Wiese
Überlege dir vorher, welche Kaninchen-Konstellation für dich die beste ist

In einer reinen Weibchen-Gruppe kann es schnell zu Problemen kommen. Diese Konstellation sollte von zukünftigen Kaninchenbesitzern ohne Erfahrung gemieden werden.


Mehr Informationen zur Kaninchenhaltung findest du hier in unserem Ratgeber

Die richtige Haltung und Pflege von Kaninchen


Welche Kaninchen-Rassen gibt es

Seit Kaninchen domestiziert wurden, haben sich verschiedene Rassen entwickelt. In den heutigen Haushalten leben meist Zwergkaninchen. Die heute gängigsten stelle ich dir im folgenden Abschnitt kurz vor:

Der Zwergwidder wiegt im ausgewachsenen Zustand zwischen 1,2 und 2 Kilogramm und ist eine sehr ruhige und zutrauliche Kaninchenrasse. Das Besondere an seinem Erscheinungsbild sind seine Ohren: Wie ein Widder fallen seine Ohren an den Seiten des Kopfes herunter und stehen nicht, wie bei den meisten anderen Kaninchenarten. Leider bringt dies auch Nachteile mit sich: Zwergwidder hören oft schlechter und ihre Sicht nach hinten ist beeinträchtigt.

Braunes Kaninchen mit laden, hängenden Ohren auf frischer, grüner Wiese
Beim Zwergwidder sind die Ohren umgeknickt

Die Löwenköpfchen, oder auch Löwenkopf-Kaninchen, sind sehr aktive Kaninchen, die in der Regel zwischen 1,4 und 1,8 Kilogramm wiegen. Das Besondere an ihrem Erscheinungsbild ist ihre Mähne. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt sind die Köpfe der Löwenköpfchen stärker behaart. Dies führt bei besonders behaarten Löwenköpfchen leider oftmals zu Problemen: Die Haare können die Sicht behindern oder sogar zu Augenentzündungen führen.

Das Hermelin-Kaninchen fällt durch sein besonders kleines Erscheinungsbild auf. Mit einem Körpergewicht zwischen 1 und 1,5 Kilogramm zählt es zu den kleinsten Rassen. Dies mag niedlich aussehen, ist aber äußerst kritisch zu betrachten: In der Zucht kommt es danke dem „ Zwergenfaktor“ häufig zu der Geburt von behinderten oder nicht überlebensfähigen Kaninchen. Auch ist die Lebenserwartung besonders kleiner Kaninchen oft nicht so hoch.

Ebenso problematisch verhält es sich bei der Zucht der Farbzwerge. Die kleine Kaninchenart bringt ebenfalls zwischen 1 und 1,5 Kilogramm auf die Wage und hat eine ähnlich problematische Zucht.

Das Teddykaninchen wiegt zwischen 800 und 1700 Gramm und hat ein besonders flauschiges Fell. Mit dem Fell ist aber auch ein höherer Pflegeaufwand verbunden. Dies muss regelmäßig gekämmt und entfilzt werden. Ebenso gibt es die Teddywidder: Das sind quasi Teddykaninchen mit hängenden Ohre und wiegt mit einem Körpergewicht zwischen 1300 und 2000 Gramm etwas mehr als das Teddykaninchen.

Kleines, hellbraunes Teddi Kaninchen zwischen Blumen
Teddykaninchen haben besonders flauschiges Fell

Eine recht große Kaninchenrasse ist der Deutsche Riese. Er kann ein stolzes Gewicht von bis zu 12 Kilogramm auf die Waage bringen, in der Regel wiegt er aber zwischen 6 und 10 Kilogramm. Der Deutsche Riese hat ein bräunliches Fell und ein sehr entspanntes, zutrauliches Wesen. Auch wenn er nicht zu den aktivsten Kaninchen zählt, braucht er aufgrund seiner Größe auch einen besonders großen Stall.

Vom Deutschen Riesen unterscheidet sich der Deutsche Riesenschecke nur in der Fellfärbung: Wie der Name schon verrät, sind die Kaninchen gescheckt.

Zwergschecken wiegen dagegen nur zwischen 1 und 1,5 Kilogramm und haben ein scheckiges Fell. Da sie sehr aktiv, vorsichtig und schreckhaft sind, sind sie nicht sehr leicht zu zähmen. Wie die meisten Zwergkaninchen-Arten enthält die Rasse den „Zwergenfaktor“, der zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Der Kauf des Kaninchens

Tierheim, Züchter, Fachhandel oder von privat? Nach der Wahl der Rasse, geht es an die Wahl des richtigen Verkäufers. Die folgenden Abschnitte zeigen dir die Vor- und Nachteile auf:

Das Tierheim

Im Tierheim warten neben Hunden und Katzen auch immer einige Kaninchen auf ein neues Zuhause. Oftmals landen hier Haustiere, für die ihre Besitzer keine Zeit mehr hatten oder die aus sehr schlimmen Bedingungen stammen und verwahrlost sind. Im Tierheim wird sich fachgemäß um die Tiere gekümmert, bis sie fit genug sind, um in ein neues Zuhause zu kommen. Tierheime sind nicht profitorientiert. In erster Linie geht es darum, ein neues und vor allem artgerechtes Zuhause für die kleinen Nager zu finden, weshalb du bei einer Beratung davon ausgehen kannst, dass das Beste für das Tier im Fokus steht.

Kleines, schwarzes, junges Kaninchen in raue Decke eingekuschelt
In Tierheimen und Nothilfen werden die Tiere gepflegt, bis sie fit sind.

Neben einer fachkundigen und ehrlich gemeinten Beratung hat ein Tierheim einen weiteren Vorteil: Oftmals landen hier mehrere Kaninchen aus einem Haushalt. Die Tiere kennen sich also schon und du weißt, dass die beiden (oder die drei/vier/fünf) gut miteinander auskommen.

Die Kaninchen-Nothilfe

Ähnlich wie im Tierheim gibt es auch Kaninchen-Nothilfen, wie die Kaninchenhilfe Deutschland e.V oder den Tierschutzverein BunnyHilfe E. V. Hier haben es sich Tierliebhaber zu Aufgabe gemacht, verwahrloste oder sogar schwer kranke Tiere aufzunehmen und sie wieder aufzupäppeln, um sie dann an liebevolle Besitzer weiter zu vermitteln. Da es den Vermittlern der Nothilfe, ebenso wie im Tierheim, in erster Linie darum geht, ein artgerechtes und liebevolles Zuhause für die Nager zu finden, kannst du davon ausgehen, eine ehrliche und gut gemeinte Beratung zu bekommen.
Auch wer ein junges Kaninchen will, ist bei Tierheimen und Nothilfen gut beraten. Denn oft werden auch Jungtiere abgegeben oder eben schwangere Tiere, die dann im Tierheim/der Notunterkunft gebären. Hier warten alte und junge Tiere auf ein neues Zuhause.

Der Züchter

Wer seine Kaninchen von einem Züchter kaufen möchte, sollte sich davor darüber bewusst sein, dass nicht alle Züchter Tierliebhaber sind und ihre Tiere artgerecht halten. Oftmals stecken zwielichtige und profitorientierte Menschen hinter der Zucht, denen es in erster Linie darum geht, ihre Kaninchen für möglichst viel Geld zu verkaufen. Das Wohl der Kaninchen spielt dort nur eine untergeordnete Rolle und die Haltungs- und Zuchtbedingungen sind dementsprechend schlecht. Oftmals haben Kaninchen solcher Züchter Verhaltensauffälligkeiten und gesundheitliche Probleme. Kaninchenbabys sollten übrigens erst zwischen der 8. und 10. Woche von ihrer Mutter getrennt werden. Verkauft der Züchter sie früher, ist dies ein schlechtes Zeichen.

Natürlich gibt es neben den schwarzen Schafen auch Tierliebhaber unter den Züchtern, denen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt und die ihre Tiere unter den besten Bedingungen halten. Solltest du dir unbedingt ein Kaninchen von einem Züchter zulegen wollen, solltest du dich vergewissern, dass es sich um einen Tierliebhaber handelt. Nur wenn du dir seine anderen Tiere, inklusive der Zuchttiere, ansehen darfst und siehst, dass es den Tieren gut geht, solltest du dem Züchter auch vertrauen.

Fünf kleine Kaninchen mümmeln an trockenen Ästen und Heu
Immer in Gesellschaft: Wenn dir ein Züchter sagt, dass du dein Kaninchen auch allein halten kannst, ist Obacht geboten

Der Zoofachhandel

Vom Kauf eines Kaninchens aus dem Zoofachhandel möchte ich abraten. Die Tiere sind im Fachhandeln großem Stress ausgesetzt und der Verkauf hat in erster Linie profitable Gründe, weshalb man sich auf die Beratung nur teilweise verlassen kann. So kann es dazu kommen, dass einem zum Beispiel zu einer gemeinsamen Haltung von einem Meerschweinchen und einem Kaninchen geraten wird, nur um die Tiere zu verkaufen. Natürlich gibt es auch sehr tierliebe Verkäufer im Zoofachhandel, die einen gut beraten. Doch gerade als Kaninchen- Anfänger ist der Unterschied nur schwer auszumachen.

Ein weiterer Nachteil des Zoofachhandels: Die mangelnde Transparenz! Woher kommt dein Kaninchen? Wie hat es zuvor gelebt? Stammt es von einem seriösen Züchter? Oder unterstütze ich womöglich einen zwielichtigen Züchter mit meinem Kauf?

Die Privatperson

Eine weitere Option: Die Privatperson! Auf Webseiten wie Ebay Kleinanzeigen findest du oftmals Tiere, die von ihrem Besitzer schweren Herzens abgegeben werden müssen. Oftmals ist dies ein guter Weg, um das Tier vor der Zwischenstation „Tierheim“ zu bewahren und du kannst hier auch herausfinden, wie das Tier zuvor gelebt hat und dir vom Besitzer so manchen Rat mit auf den Weg geben lassen. Dennoch ist Vorsicht geboten: Auch zwielichtige Züchter versuchen ihre Tiere auf diesem Wege an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Wenn du deine Kaninchen also von einer Privatperson übernimmst, sei dir sicher, dass es sich tatsächlich um eine Privatperson handelt, die nur das beste für ihre Tiere im Kopf hat.

So erkennst du ein gesundes Kaninchen

Auch wenn das Kaninchen auf den ersten Blick einen gesunden Eindruck macht, lohnt es sich immer, dass du dir das Tier genauer ansiehst.

Ich habe dir eine Checkliste ausgearbeitet, auf was du alles achten solltest.

Kleines, braunes Kaninchen knabbert an einer Möhre
Das Kaninchen sollte neugierig sein und dichtes Fell und klare Augen haben.

Achte auf folgende Merkmale:

  • Das Fell ist glänzend, dicht und ohne kahle oder schuppige Stellen.
  • Die Augen sind klar und glänzend.
  • Ohren, Augen und Nase sind nicht verklebt, die Nase ist zudem trocken.
  • Der Po ist nicht verschmutzt, das Fell im Afterbereich nicht verklebt.
  • Die Beine sind nicht verdickt und die Unterseite der Läufe sind sauber.
  • Das Wesen der Tiere sollte aufgeweckt und neugierig sein. Auf Futter reagieren sie mit Appetit.

Der erste Check ersetzt natürlich keine Untersuchung bei einem Tierarzt. Wenn du sicher gehen möchtest, dass das Kaninchen auch gesund ist, solltest du es in der Klinik deines Vertrauens untersuchen lassen.

Die Erstausstattung für deine neuen Kaninchen

Ein Kaninchen kostet in der Regel um die 30–40 Euro. Je nachdem, wie viele Kaninchen du kaufst und wie viele Böckchen unter ihnen sind, solltest du noch ca. 60 Euro für jede Kastration berechnen.
Wie teuer der Stall wird, ist schwer einzuschätzen, da artgerechte Ställe in der Regel selbst gebaut werden müssen. Der Preis für das Material kann, je nach Bauplan, um die 100 Euro kosten oder eben in die hunderte gehen. Wie luxuriös und komplex es am Ende wird, liegt allein bei dir.

Kleines hellbraunes Kaninchen versteckt sich unter einer kleinen Spielzeug Brücke
Tunnel, Brücken und Häuschen sollten vor dem Kaninchen-Einzug gekauft werden

Für Tunnel, Häuschen und andere Einrichtung sollte man ca. 50 Euro berechnen. Näpfe und Trinkflasche kosten nochmal um die 20 Euro. Für Pflegeprodukte, wie eine Nagelschere, kommen erneut 10 Euro hinzu, sodass man zusammen bei ca. 80 Euro für das erste Zubehör liegt. Für die ersten Kosten (Kauf, Erstausstattung) solltest du also mit 260 – 400 Euro rechnen.


Die monatlichen Kosten und viele weitere nützliche Tipps, findest du in unseren anderen Kaninchenratgebern:

Artgerechte Ernährung für Kaninchen

Haltung und Pflege von Kaninchen

Kaninchenkrankheiten


Kaninchen kaufen – ja oder nein?

Nun weißt du, worauf du beim Kaninchen-Kauf alles achten solltest. Bist du immer noch sicher, dass Kaninchen die richtigen tierischen Familienmitglieder für dich sind? Sie können witzige kleine Mitbewohner sein und dir viel Freude machen.

Wenn der Entschluss gefasst ist und du dich neben den Kaninchen auch auf die Arbeit mit ihnen freust, brauchst du dich nur noch zu entscheiden, welche Kaninchen du in welcher Konstellation halten willst. Oder dich im Tierheim davon überraschen lassen, was für tolle Tiere dort auf dich warten. Mit etwas Arbeit und Geld ist auch ein schöner schnell Stall gebaut, damit deine neuen Mitbewohner sich auch gleich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen können.

Ich wünsche dir viel Spaß mit deinen nagenden tierischen Familienmitgliedern.

Was hast du für Erfahrungen mit Kaninchen-Käufen gemacht?

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Über Louisa 33 Artikel
Ich bin als freie Journalistin tätig und freue mich sehr darüber hier über Themen rund ums Tier schreiben zu können. Seit ich denken kann beschäftige ich mich mit Tieren und hatte schon einige als Mitbewohner. Meine Leidenschaft für Tiere habe ich auch in meinem Philosophie-Studium verfolgt und mich umfassend mit dem Thema Tierethik beschäftigt.

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