Schicksal oder Chance? Das Tierheim

Mischlingshund an Kette hinter Zaun
Im Tierheim verhalten sich Hunde anders als im häuslichen Umfeld.

Sicherlich sind die meisten Tierfreunde in ihrem Leben schon einmal mit einem Tierheim in Berührung gekommen. Sei es durch Aufrufe im Internet oder Fernsehen oder durch den Besuch auf der Suche nach einem neuen tierischen Familienmitglied. Manch einer stellt vielleicht auch fest, dass ein eigenes Tier aus welchen Gründen auch immer nicht in Frage kommt und entscheidet sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit in einem Tierheim.

Schauen wir uns in diesem Ratgeber also einmal an, wie ein Tierheim arbeitet, was an Kosten auf dich zukommen, wenn du ein Tier aufnehmen möchtest und wie sich der Ablauf der Vermittlung gestaltet.

Was ist ein Tierheim?

Tierheime gibt es sicherlich in nahezu jeder Stadt. Laut Definition ist es eine

Einrichtung zur Unterbringung kleinerer [herrenloser] Haustiere, besonders von Hunden und Katzen.

Tierheime nehmen all die Tiere auf, die ihr Heim aus den unterschiedlichsten Gründen (Allergien, Krankheit, Scheidung, Tod des Besitzers) verloren haben, die aus schlechter Haltung gerettet worden sind oder die als Streuner nie ein Zuhause kennen gelernt haben. Dabei werden alle aufgenommenen Tiere nicht nur untergebracht und gefüttert sondern auch medizinisch versorgt und nach Möglichkeit trainiert. Die Möglichkeiten werden hierbei maßgeblich durch die finanziellen Mittel, die dem Tierheim zur Verfügung stehen, beeinflusst. Je mehr Geld vorhanden ist, desto mehr Mitarbeiter können eingestellt werden und desto besser können die Tiere versorgt und auf ihr neues Zuhause vorbereitet werden.

Eine junge Frau füttert in einem Tierheim zwei Hunde.
Die Arbeit in einem Tierheim umfasst mehr als nur Streicheleinheiten.

Tierheime werden entweder von Gemeinden oder gemeinnützigen Tierschutzvereinen betrieben. In beiden Fällen ist es in der Regel so, dass die laufenden Kosten deutlich höher sind als die Einnahmen. Daher sind im Grunde genommen alle Tierheime auf Spenden und/oder ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen.

Vielen Tierheimen ist außerdem eine Tierpension angeschlossen, in der du dein Haustier für die Zeit deines Urlaubs unterbringen kannst.

Die Kosten

Wenn du dein Tier, aus welchen Gründen auch immer, abgeben musst, erhebt das Tierheim eine Abgabegebühr. Diese richtet sich nach Art und Größe deines Tieres. Schließlich muss es ja auch weiterhin gefüttert und betreut werden. Die Abgabegebühr ist in der Regel so lange zu bezahlen, bis ein neues Zuhause gefunden worden ist.

Was ist eine Schutzgebühr?

Für diejenigen, die einem Tier aus einem Tierheim eine neues Zuhause geben wollen, wird eine sogenannte Schutzgebühr fällig. Diese variiert je nach Tierart. (Eine exemplarische Preisliste findest du hier.) Viele Menschen sind im ersten Moment abgeschreckt, weil sie meinen, dass sie eh schon ein gutes Werk tun, in dem sie einem heimatlosen Tier ein neues Heim bieten. Das stimmt natürlich grundsätzlich auch. Allerdings solltest du dir bewusst machen, warum die Schutzgebühr erhoben wird.

Eine Schutzgebühr ist kein Kaufpreis. Stattdessen wird mit ihr ein Teil der Kosten abgedeckt. Weil nicht jedes Tier abgegeben worden ist sondern zahlreiche Tierheimtiere Fundtiere sind, für die allenfalls die Kommunen oder Städte ein geringe Unterbringungsgebühr bezahlen. Allerdings kostet die Betreuung der Tiere in der Regel mehr Geld, als durch Schutzgebühren wieder hereinkommt. Du solltest dir bewusst machen, dass die Tiere in Tierheimen gründlich medizinisch untersucht, regelmäßig geimpft und entwurmt werden, sowie kastriert sind und täglich gut betreut und versorgt werden müssen. Alleine die Kastration einer Hündin kostet ab 250 Euro. Kommt eine Fundtier mit einer Verletzung in ein Tierheim, dann werden die Kosten leicht vierstellig. Für all diese Leistungen ist die Schutzgebühr nur eine geringe Entlohnung.

Eine Tierärztin hält einen Welpen im Arm daneben sitzen ein anderer Welpe und eine kleine Katze.
Die Kosten für tierärztliche Behandlungen können sehr schnell sehr hoch werden.

Eine Schutzgebühr verhindert unüberlegte Haustieranschaffungen. Zumindest funktioniert das in einem gewissen Rahmen. Denn wie schnell hat man sich in ein niedliches Kätzchen oder die treuen Hundeaugen verliebt, die einen von den Webseiten, in den sozialen Netzwerken oder im Fernsehen ansehen? Würde nun keine Schutzgebühr erhoben, würden solche spontanen Entschlüsse sicherlich oft schief gehen und das arme Tier erneut im Tierheim landen. Um dies zu verhindern und den zukünftigen Tierhaltern ein Gefühl zu vermitteln, dass Tiere Kosten verursachen, wird diese Schutzgebühr erhoben.

Das tierische Familienmitglied aus dem Tierheim

Wenn du dich entschieden hast, einem Tier aus einem Tierheim eine neues Zuhause zu schenken, dann solltest du wissen, dass es in der Regel nicht damit getan ist, hinzufahren und sich eines auszusuchen. Die Tierheime haben ein berechtigtes Interesse daran, dass es sich dieses Mal um ein endgültiges Zuhause handelt.

Der Ablauf

Daher werden bei einem ersten Besuch oder Telefonat eine Menge Fragen gestellt. Obligatorisch sind Fragen nach Erfahrungen mit dem jeweiligen Tier und nach gesundheitlichen Einschränkungen der Familienmitglieder. Denn nichts ist schlimmer für dich oder das Heimtier, als wenn es aufgrund einer Allergie nach kurzer Zeit wieder zurück ins Heim muss.

Zusätzlich wird bei Hunden in der Regel nach den Wohnbedingungen (Treppen? Aufzug? Garten? Umgebung?) und der Alltagsgestaltung (Wie lange muss der Hund alleine bleiben? Was unternimmt die Familie so? Wohin geht es im Urlaub?) gefragt.

Bei Katzen wird darauf geachtet, ob ein katzensicherer Balkon vorhanden ist oder ob die Umgebung für einen Freigänger geeignet ist.

Vielleicht mag dir das im ersten Moment überzogen vorkommen. Aber die Mitarbeiter im Tierheim tun dies nicht, um dich zu ärgern. Vielmehr ist ihr Ziel, dass sie ein Zuhause finden, das so gut geeignet ist, dass das Tier bis an sein Lebensende dort bleiben kann. Und sicherlich mag der eine oder andere Tierheimmitarbeiter dabei über das Ziel hinaus schießen oder unfreundlich wirken. Bitte halte dir aber vor Augen, dass nicht alle Interessenten die Tragweite überblicken, die eine Entscheidung für ein Tier mit sich bringt. Denn Haustiere zu halten, kostet eine Menge Zeit und Geld.

Ein Welpe schaut mit großen Knopfaugen aus einem Käfig in einem Tierheim
So bemitleidenswert und niedlich so ein Tierheimtier auch aussieht: es ist eine große Verantwortung, derer du dir bewusst sein solltest.

In einem guten Tierheim kannst du dir aber sicher sein, dass das vermittelte Tier auch wirklich zu dir passt. Genau dazu dienen die Fragen, die Selbstauskunft, die du in der Regel ausfüllen musst und der Termin zur Vorkontrolle. Bei diesem wird das zukünftige Heim angesehen und auch etwaige Tipps gegeben für eine stressfreie Eingewöhnung.

Wenn all dies passt und die Tierheimmitarbeiter auf Grund ihrer Erfahrungen sicher sind, dass alles gutgehen wird, dann kann ein Schutzvertrag aufgesetzt werden und das Tier abgeholt werden. In der Regel wird in dem Schutzvertrag der Hinweis auf einen möglichen „Nachsorge“-Besuch bei dir zu Hause vermerkt. Ob dies tatsächlich durchgeführt wird, liegt an der Größe und Mitarbeiterzahl des Tierheimes.

Verständlicherweise werden die Fragen, Vor- und Nachkontrollen umso umfangreicher sein, desto schwieriger das zu vermittelnde Tier ist. Das bedeutet im Klartext, dass es einfacher sein wird, einer kleinen Gruppe von Kaninchen ein neues Zuhause zu geben als einem als gefährlich eingestuften großen Hund.

Halte dir immer vor Augen: Nicht nur du möchtest dem Tier etwas Gutes tun sondern auch die Tierheimmitarbeiter haben das Wohl der Tiere im Auge.

Wahre Liebe zwischen Hund und Frauchen
Auch die Tierheimmitarbeiter möchten, dass dein neues tierisches Familienmitglied zu Dir passt.

Sind Tierheim-Tiere dankbar?

Das kommt vermutlich sehr stark darauf an, was sie im Vorfeld erlebt haben und wie du ihr zukünftiges Leben gestaltest. Sicherlich freuen sich Katzen, wenn sie nicht mehr in einem Raum mit vielen anderen Katzen gehalten werden und Hunde, wenn sie nicht mehr im Zwinger gehalten werden.

Dennoch ist es definitiv nicht wahr, dass Hunde aus einem Tierheim so dankbar sind, dass sie dir auf’s Wort gehorchen. Und auch Katzen können durchaus durch den Stress, den ein neues Zuhause mit sich bringt, unsauber werden. Du brauchst neben dem guten Willen also auch Kenntnisse rund um die Bedürfnisse deines neuen tierischen Familienmitgliedes damit euer Zusammenleben harmonisch verläuft.

Wie sind deine Erfahrungen mit Tierheimen?

Hast du deinen Liebling vielleicht sogar aus einem Tierheim geholt?

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Bildcredit: (c) Nima Ashoff


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Über Steffi 125 Artikel
Ich bin Steffi, bekennende Tiernärrin, Dosenöffner für ehemals drei Kater und aktuell einen Junghund. Ich möchte mit meinen Beiträgen allen Tierbesitzern helfen, ihre Lieblinge noch besser zu verstehen.

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