Wie gut ist Barfen tatsächlich?

Wie gut ist warfen wirklich? Zwei junge, helle Labradore futtern frisches Fleisch
Was steckt hinter dem Trend, seinen Hund zu barfen?

Eine gesunde und bewusste Ernährung spielt eine immer wichtigere Rolle im Leben vieler Menschen. Und dieser Trend macht auch vor den Vierbeinern nicht halt – mehr und mehr Menschen wollen auch ihren Hund gesund und bewusst ernähren. Und sehen das Barfen als den richtigen Weg. Aber was genau bedeutet Barfen überhaupt? Und ist es ebenso gesund, wie es verkauft wird? Drei Tierärzte haben mir die wichtigsten Fragen rund ums Barfen beantwortet.

Barfen, was ist das eigentlich? Unter anderem steht das Wort BARF für „Bones and raw Foods“, was auf Deutsch „Knochen und rohes Futter“ bedeutet. Und das beschreibt eine auf Barf basierende Hundeernährung auch recht treffend: Denn wer seinen Hund barft, ernährt ihn mit frischem Fleisch, Innereien, Knochen und rohem Fisch. Zudem wird Obst und Gemüse mit in die Futterration gemischt. „Beim Barfen soll das Beutetier imitiert werden“, verdeutlicht Tierärztin Dr. Irgang die Fütterungsform. Um herauszufinden, wie gesund Barfen tatsächlich ist und welche Vor- und Nachteile diese Form der Hundeernährung hat, habe ich mit drei Expertinnen über das Thema Barf gesprochen. Herausgekommen ist ein Artikel über drei Gespräche mit drei unterschiedlichen Tierärztinnen und ihre drei weniger unterschiedlichen Meinungen.

Die Expertinnen

  • Fachtierärztin für Tierernährung Dr. Susan Kröger

Die Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik Dr. Kröger berät Haustierbesitzer dabei, wie sie ihren Vierbeiner bestmöglich und ausgewogen ernähren. Ihre Webseite findest du hier: http://tierernaehrung-kroeger.de

  • Fachtierärztin für Tierernährung Dr. Julia Fritz

Auch Frau Dr. Fritz, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik, hilft bei Napfcheck Hunde- und Katzenbesitzern dabei, ihr Haustier ideal zu versorgen.

  • Tierärztin Dr. Kathrin Irgang

Dr. Kathrin Irgang, Tierärztin mit Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung Kleintiere, berät Pferde- und Kleintierbesitzer in ihrer Tierärztlichen Beratungspraxis für Ernährung dabei, wie sie ihre Haustiere optimal füttern. Ihre Webseite findest du hier: http://www.tierarzt-ernaehrung.de

Die Vorteile des Barfens

„Der Mensch legt wieder mehr Wert auf Natürlichkeit, sowohl bei der eigenen Ernährung, wie auch bei der seiner Haustiere“,

erklärt Tierärztin Dr. Fritz die zunehmende Begeisterung vieler Hundebesitzer für das Barfen. Der Trend, sich bewusst und natürlich zu ernähren ist in den Futternäpfen unserer Hunde angekommen. Und hier liegen auch die klaren Vorteile des Barfens: Das Fleisch ist frisch, roh und erinnert an die natürliche Ernährung des Wolfes.

Transparenz ist ein weiterer Grund, weshalb viele Menschen auf die Rohfütterung zurückgreifen, so die drei Tierärztinnen. Wer barft weiß, was im Napf seines Hundes landet. Und was eben nicht. Besonders Zusatzstoffe und Konservierungsstoffe werden inzwischen von vielen Hundehaltern kritisch beäugt. Beim Barfen kann man unbekannte Zusatzstoffe umgehen und hat immer einen Überblick darüber, was der Hund zwischen die Zähne bekommt.

Kleiner Jack Russen Terrier leckt an einem frischen, blutigen Knochen
Beim Barfen weiß man, was der Hund frisst.

Ein klarer Vorteil ist auch, dass das Barfen inzwischen gar nicht mehr kompliziert ist, da die Rohfütterung kommerzialisiert wurde. Man muss nicht mehr zum Schlachter fahren, um Reste abzuholen, sondern kann Barf-Futter im Fachhandel kaufen oder ganz einfach im Internet bestellen. Der Schritt, seinen Hund gezielt roh zu füttern, wird so auch Menschen ermöglicht, die in der Stadt leben.

Hinzu kommt, dass durch das Zubereiten des Futters den Besitzern das Gefühl gegeben wird, etwas für ihr Tier zu tun, was den Zusammenhalt stärken kann. Denn im Gegensatz zum Fertigfutter öffnet man nicht nur eine Dose, sondern setzt sich auch mit dem Zubereiten des Futters und den Bedürfnissen des Hundes auseinander.

Ist Barfen gesünder als Fertigfutter? „Das ist schwer zu sagen. Wissenschaftlich gesehen gibt das dafür keine Beweise“, beantwortet Frau Dr. Fritz die Frage. Persönlich sehe sie aber durchaus positive Aspekte: So sind die Knochen, die beim Barfen mit verfüttert werden, gut für die Zähne der Tiere. Hierbei sollte man aber auf die Menge achten, denn zu viele Knochen können unter anderem zu Knochenkot oder Verstopfung führen.

Die Nachteile des Barfens

Wer barfen möchte, sollte sich aber bewusst sein: Barfen ist nicht automatisch gesund und risikolos! Es ist wichtig, aber nicht selbstverständlich, dass alle Nährstoffe in ausreichender Menge im Futter enthalten sind, so die drei Expertinnen.

10 verschiedene Schalen frisches Fleisch als Hundefutter
Inzwischen gibt es auch Geschäfte, die auf Barf spezialisiert sind

„Ein Risiko des Barfens ist, dass oftmals das nötige Know-How fehlt“,

erklärt Frau Dr. Fritz. Hundebesitzer würden sich oftmals nicht ausreichend oder bei den falschen Quellen informieren, wodurch sie ihrem Hund eine falsche Ration füttern würden. Das wiederum führt auf Dauer zu Mangelerscheinungen. Die Mangelernährung zeigt sich oftmals erst nach Jahren, da der Körper des Hundes sie lange kompensieren kann.

„Schwerwiegende Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Skeletterweichung, können die Konsequenz sein“,

erklärt Frau Dr. Irgang die Folgen.

Ein weiteres Problem sehen die drei Tierärztinnen in der Hygiene:

„Es besteht die Gefahr der Aufnahme pathogener Keime“,

erklärt Fachtierärztin Kröger. Die Gefahr einer Infektion würde viel zu selten thematisiert und oftmals unterschätzt werden, meinen die Expertinnen. Denn ein nicht sachgemäßer Umgang mit rohem Fleisch kann für Mensch und Tier zum Problem werden. Besonders Haushalten mit schwangeren Frauen, Kleinkindern und Menschen mit Immunerkrankungen raten die drei Tierärztinnen, ihren Hund aufgrund des Hygienerisikos nicht zu Barfen. Denn das Risiko ist da und darf nicht beiseite gekehrt werden: So könne zum Beispiel eine Infektion mit dem Aujeszky-Virus für den Hund tödlich enden.

Grau-Brauner Wolf steht zwischen Bäumen im Schnee
Kann man die Ernährungsbedürfnisse des Haushundes noch mit dem eines Wolfes vergleichen?

„Eines der Probleme des Barfens ist die ideologische Handhabe, die dahinter steht“,

kritisiert Fachtierärztin Dr. Fritz. Viele Menschen seien so überzeugt vom Barfen, dass wichtige Punkte nicht hinterfragt werden. Denn entgegen der Annahme vieler ist der Hund kein kleiner Wolf. Der Hund habe sich seit der Domestizierung weiterentwickelt und kann zum Beispiel Kohlenhydrate aufspalten, wie eine Studie aus Schweden vor einigen Jahren bewies. Zudem gilt zu bedenken, dass ein Wolf in freier Wildbahn meist nicht älter wird, als sechs Jahre. Unser Haushund kann dieses Alter je nach Größe verdreifachen. Die Ernährung des Wolfes eins zu eins auf die des Hundes zu übertragen, ist also nicht korrekt.

„Der Hund hat sich im Laufe der Domestizierung verändert, auch im Bezug auf die Nährstoffverdauung“,

äußert sich Frau Dr. Kröger diesbezüglich.

Eine weitere wichtige Anmerkung der drei Tierärzte: Wachsende und kranke Hunde sollten nicht ohne weiteres gebarft werden. Sie haben oftmals andere bzw. besondere Ansprüche an die Ernährung und sollten nicht ohne die Unterstützung einer fachkundigen Beratung roh gefüttert werden.

Gehen von einer aufs Barfen basierenden Hundeernährung Gefahren aus?

Eine der größten Gefahren ist die Fehlversorgung bestimmter Mengen- und Spurenelemente sowie Vitamine: Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Jod befinden sich oftmals in zu kleinen Mengen in einer Barf-Ration. Zudem kommt es nicht selten zu einem Mangel an Vitamin D, Phosphor und Calcium, erklären die drei Expertinnen. Auch mangle es den Tieren oftmals an Fetten und Ölen, so Tierärztin Dr. Irgang. Lachsöl, Leinöl, Rapsöl und Walnussöl seien geeignete Öle, um sie dem Futter abwechselnd beizumischen. Pro Kilogramm Hund empfehle es sich, 0,5 bis 1 Milliliter Öl mit in das Futter zu geben.

roßer, schwarzer Hund kaut auf einem Fischkopf herum
Auch roher Fisch kann Teil einer auf Barf basierenden Ernährung sein.

Zudem sind auch die so oft kritisierten Kohlenhydrate nicht so schlecht, wie ihr Ruf: Denn Kohlenhydrate haben durchaus ihre Berechtigung. Viele Hunde würden Fleisch in großen Mengen nicht vertragen und so können Kohlenhydrate als eine Energie-Alternative zu Fleisch dienen, so Expertin Dr. Fritz.

Sollte der Hund erkranken, kann dies auch immer mit der Ernährung zusammenhängen. Einer der Gründe, warum Barfen bei vielen Tierärzten umstritten ist, ist, dass viele Rationen nicht bedarfsgerecht sind. Es ist also ausgesprochen wichtig, sich gut zu informieren und von einem Experten beraten zulassen, bevor man mit der Umstellung beginnt.

Die Umstellung: Darauf musst du achten

Wie die Umstellung verläuft, kommt darauf an, was dem Hund zuvor gefüttert wurde: Eine Umstellung von Trockenfutter auf Barf sollte langsam vonstattengehen. Wer seinen Hund umstellen möchte, sollte sich vier bis sechs Tage Zeit dafür lassen.

„Am ersten Tag füttert man 3/4 des alten Futters und 1/4 des Neuen. Von Tag zu Tag verändert man das Verhältnis, bis man dem Hund nur noch das neue Futter füttert“,

führt Frau Dr. Irgang eine mögliche Umstellung aus.

Verschiedene Hundefutter Sorten und frisches Fleisch umringt von Gemüsesorten
Die Umstellung von Trockenfutter auf Barf braucht etwas Zeit.

Da der Unterschied zwischen Barf und Dosenfutter geringer ist, verläuft die Umstellung hier oft deutlich einfacher: Einige Hunde vertragen einen spontanen Wechsel ohne Probleme, bei anderen ist eine langsame Umstellung ratsam. Sollte der Hund das rohe Futter am Anfang meiden, rät Fachtierärztin Dr. Fritz dazu, es zu kochen oder zu braten:

„Beim Kochen und Braten entfalten sich Aromastoffe, die den Appetit des Hundes anregen. Schritt für Schritt kann man das Fleisch immer weniger erhitzen, bis der Hund es roh annimmt.“

Eine gute Alternative zum Barfen könne auch das bedarfsgerechte Kochen sein.

„Es hat dieselben Vorteile wie das Barfen, hat dabei aber oft eine höhere Akzeptanz bei den Hunden“,

führt Tierärztin Dr. Irgang aus. Entgegen einer Barf-Fütterung werden zudem Kohlenhydrate beim bedarfsgerechten Kochen mit verfüttert.

Wer das Futter nicht selbst zusammenstellen möchte und lieber fertige Barfmischung aus dem Fachhandel kauft, sollte beachten: Ebenso wie es gut rationierte Portionen gibt, gibt es schwarze Schafe im Fachhandel, die nicht bedarfsgerecht sind.

„Besonders wenn keine Knochen enthalten sind, sollte man genauer hinsehen“,

so Expertin Dr. Irgang. Man sollte vor dem Kauf immer sichergehen, dass alles im Futter enthalten ist, was der Hund benötigt, meinen die Expertinnen.

Verschiedene Fleisch Stücke und Mark-Knochen
Knochen sind ein wichtiger Teil einer Barf-Ration.

„Wer seinen Hund mit frischem Rindfleisch füttert, sollte ihn zudem alle sechs Wochen gegen Bandwürmer behandeln lassen“,

merkt die spezialisierte Tierärztin Dr. Irgang an. Ebenso können zu viele Knochen besonders bei älteren Hunden zu Verstopfung führen. Alternativen zu ganzen Knochen sind fleischige Knochen, wie Ochsenschwanz und Hähnchenhals, Knochenmehl oder auch Eierschale. Denn Calcium ist sehr wichtig, wird in der Ration aber oftmals vernachlässigt.

Die Expertinnen raten dazu, vor einer Umstellung eine fachkundige Beratung machen zu lassen, um sicher zugehen, dass der Hund nicht unter den Folgen einer Mangelernährung leiden muss.

Fazit: So gut ist Barfen tatsächlich

„Es ist möglich, einen gesunden ausgewachsenen Hund zu Barfen, allerdings benötigt dies gewisse Kenntnisse sowohl in Bezug auf die Futtermittelhygiene als auch eine bedarfsdeckende Zusammensetzung“,

fasst Expertin Dr. Kröger die Position der drei Tierärztinnen zusammen. Wer seinen Hund den Anforderungen entsprechend barft, tut ihm damit keinesfalls etwas Schlechtes. Ob Barfen aber nun besser oder schlechter ist, als andere Fütterungsmethoden, bleibt dahingestellt und jeder Besitzer sollte individuell entscheiden, wie er seinen Hund füttern möchte. Vorausgesetzt natürlich, er tut dies bedarfsgerecht.

Man könne bei jeder Fütterungsmethode etwas falsch machen, betonen die drei Expertinnen. Wer sich aber gut beraten lässt und offen für eine Rationsberechung durch einen Fachmann ist, kann seinen Hund auch ohne Bedenken barfen.

„Barfen ist eine gute Möglichkeit, seinen Hund zu füttern. Vorausgesetzt natürlich, man macht es richtig“,

meint Tierärztin Dr. Irgang abschließend.

Mann und Hund geben sich die Hand/Pfote
Wer gut informiert ist, kann seinen Hund bedarfsgerecht barfen.

Weitere Informationen rund um die Zusammensetzung und mögliche Gefahren beim Barfen findest du in unseren Ratgebern:

Das Aujeszky-Virus und das Barfen – Gefahr oder Mythos

Barfen – Zusammensetzung der Hundefütterung mit Liebe und Verstand


Was denkst du übers Barfen? Hast du schon Erfahrungen damit gemacht und vielleicht Tipps? Oder Anmerkungen?

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Bildcredit: (c)manushot - Fotolia.com

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Über Louisa Wittek 29 Artikel
Ich bin als freie Journalistin tätig und freue mich sehr darüber hier über Themen rund ums Tier schreiben zu können. Seit ich denken kann beschäftige ich mich mit Tieren und hatte schon einige als Mitbewohner. Meine Leidenschaft für Tiere habe ich auch in meinem Philosophie-Studium verfolgt und mich umfassend mit dem Thema Tierethik beschäftigt.

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