Erste Hilfe beim Hund bei Blutungen und Bisswunden

Ein Hund mit einem Trichter und einer blau verbundenen Foto neben einem Menschenbein.
Es kann immer mal wieder passieren, dass du deinen Hund verarzten musst. Schön ist, wenn Du weißt, wie.

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Gerade noch hat meine Hündin Merle munter getobt, auf einmal quietscht sie kurz auf und hält ihre Pfote in die Luft. Ich schaue mir diese direkt an und stelle fest: Merle ist in etwas Scharfes getreten, wahrscheinlich eine Scherbe. Was mache ich denn jetzt? Wie bekomme ich die Blutung gestoppt? Und was darf ich auf gar keinen Fall machen?

In einer Notsituation gehen dir alle möglichen Fragen durch den Kopf. Dazu kommen noch die Aufregung und die Sorge um dein Tier. Das kann es schwer machen, einen kühlen Kopf zu bewahren und dich richtig zu verhalten.

Aber welche Maßnahmen sind die richtigen? In diesem Artikel stelle ich dir die Erste Hilfe bei Blutungen und Bissverletzungen vor.

Erste Hilfe Maßnahmen bei Blutungen

Starke Blutungen entstehen meist durch einen Unfall, eine Beißerei oder einen heftigen Sturz. Wenn ich persönlich Blut sehe, wird es mir meistens ganz anders – geht es dir auch so? Hat dein Hund jedoch eine blutende Wunde, hilft alles nichts: du musst etwas unternehmen! Bei einer kleinen Verletzung weißt du wahrscheinlich, wie du diese versorgen kannst. Anders sieht es aber aus, wenn dein Hund schwer verwundet ist.

Sheltie sitzt auf Badezimmerteppich vor einem Verband und einer Verbandsschere.
Kleine Verletzungen sind meistens kein Grund zur Aufregung.

Wie bei uns Menschen auch, kann ein hoher Blutverlust lebensbedrohlich sein. Deshalb ist es umso wichtiger, eine starke Blutung schnellstmöglich zu stoppen.

So verhältst du dich richtig bei starken Blutungen

Die Symptome bei diesem Notfall sind eindeutig: dein Hund hat eine Wunde, aus der er stark blutet. Ein hoher Blutverlust beeinflusst natürlich das Herz-Kreislaufsystem deines Tieres. Deshalb musst du nicht nur die Blutung stoppen, sondern dabei auch die sogenannten Vitalwerte im Auge behalten.

  • Die Atmung
  • Den Herzschlag
  • Die Körpertemperatur
  • Die Schleimhäute.

In einer solchen Stresssituation wirst du vermutlich kaum wissen, wie du die Schleimhäute überprüfen oder wo du den Puls messen kannst. Für diese Fälle ist das TAPS-Schema eine enorme Hilfe. TAPS steht für Temperatur, Atmung, Puls, Schleimhäute. Auf der Seite Erste Hilfe beim Hund findest du dazu eine ausführliche Beschreibung und eine Checkliste, wie du diese Werte genau ermittelst.

Tipp:
Um zu wissen, ob die Werte deinen Hundes von seinen üblichen abweichen, solltest du seine normalen kennen. Diese können sich nämlich von Tier zu Tier ganz schön unterscheiden, abhängig von seiner Rasse, seiner Größe und/oder seinem Alter.

Ein Hund beim Tierarzt schaut fröhlich in die Kamera, im Hintergrund die Tierärztin
Gut ist es, die Vitalwerte deines gesunden Hundes zu kennen.

Entweder misst du diese Werte einmal bei deinem gesunden Vierbeiner selber oder lässt dies durch einen Tierarzt machen. Hilfreich ist es, wenn du diese dann immer auf einem Zettel bei dir trägst. Bei einem Notfall kannst du die Vitalwerte dadurch wesentlich besser einschätzen und vergleichen.

Wie stoppst du nun aber eine starke Blutung?
Wenn möglich, solltest du umgehend Druck auf die Arterie bringen, zum Beispiel mit deinem Finger. Und dann heißt es, einen Druckverband anzulegen und zwar so stark, dass die Wunde aufhört zu bluten. Wie du ganz genau einen solchen Verband anlegst, lernst du in einem Erste-Hilfe-Kurs für Hunde. Dort wird es dir nicht nur gezeigt, sondern du kannst es selber auch üben. Zuhause solltest du dir eine Hundeapotheke mit verschiedenen Verbandsmaterialien anlegen.

Hier sind die einzelnen Schritte kurz erklärt:

  1. Du legst ein steriles Vlies auf die Wunde.
  2. Auf dieses Vlies drückst du einen zusammengerollte Mullbinde.
  3. Dies fixierst du nun möglichst fest mit einer Mullbinde.

Wenn dein Hund an einem Bein verletzt ist, solltest du dieses beim Transport zum Tierarzt hoch lagern. So fließt weniger Blut durch das Bein.

Wichtig:
Ein Druckverband ist keine Dauerlösung, sondern wirklich nur als Erstversorgung für den Notfall gedacht. Im schlechtesten Fall kann er eine Vene oder Arterie komplett abdrücken und somit den gesamten Blutfluss unterbrechen.

Hund mit mehreren Verbänden.
Das Anlegen von Verbänden wird in einem Erste Hilfe Kurs geübt.

Hast du den Druckverband an einer Gliedmaße angebracht und wird diese dick, solltest du den Verband leicht lockern.

Manchmal kann es auch nötig sein, die verletzte Stelle abzubinden. Dies solltest du aber wirklich nur dann machen, wenn kein Druckverband möglich ist oder die Blutung durch diesen nicht gestoppt werden kann. Das Abbinden ist nur durchführbar, wenn sich die Wunde am Bein oder dem Schwanz befindet.

  • Zum Abbinden kannst du alles verwenden, was sich dazu eignet, zum Beispiel eine Kordel, einen Gürtel, einen Socken, einen Schnürsenkel oder auch eine Mullbinde.
  • Damit bindest du die Gliedmaße – also das Bein – oberhalb der Blutung ab, jedoch nicht direkt auf einem Gelenk. Befindet sich die Blutung am Schwanz, dann bindest du direkt am Schwanzansatz ab. Befestige das, was du zum Abbinden verwendest, mit einer Schleife, nicht mit einem Knoten. Nur so kannst du es leicht wieder öffnen.
  • Du darfst maximal 10 Minuten abbinden, sonst kann der betroffene Körperteil durch die mangelnde Sauerstoffversorgung absterben.
  • Nach diesen zehn Minuten musst du die Kordel/den Gürtel/etc. kurz lockern, damit der Körperteil wieder mir Sauerstoff versorgt wird. Anschließend kannst du, wenn es nötig ist, erneut für maximal 10 Minuten abbinden.
Schaubild zu Bissverletzung beim Hund
Quelle: www.erste-hilfe-beim-hund.de

Nachdem du deinen Hund mit einer dieser Maßnahmen versorgt hast, musst du nun auf dem schnellsten Weg zu einem Tierarzt fahren. Die Maßnahmen für den Transport dorthin habe ich in unserem Übersichtsartikel zur Ersten-Hilfe beim Hund beschrieben.

Erste Hilfe Maßnahmen bei Bisswunden

Raufereien zwischen Hunden sehen meistens ganz schön gefährlich aus. Zum Glück sind viele von ihnen harmloser als es dir vorkommen mag. Trotzdem kann es zwischen manchen Vierbeinern richtig krachen und zu einer Bissverletzung kommen. Nicht immer ist aber eine Rauferei der Grund für eine solche Verletzung. Manchmal hat auch nur ein Hund ein Problem mit Artgenossen und beißt diesen ohne große Vorwarnung. In meinem Artikel zur Eskalationsleiter beim Hund findest du zu diesem Thema mehr Informationen.

Bei jeder Bissverletzung gilt, dass du diese gründlich reinigen musst, damit sie sich nicht infiziert.

So verhältst du dich richtig bei einer Bisswunde

Mal ist nach einem Biss nur ein wenig die Haut verletzt, mal sind die Folgen wesentlich schlimmer. Manche kannst du von außen gar nicht wahrnehmen, zum Beispiel verletzte Muskeln oder Sehnen, aber auch innere Blutungen. Wurde dein Vierbeiner gebissen und dabei seine Haut verletzt, können Keime in die Wunde gelangen. Noch Wochen später können diese zu üblen Entzündungen führen. Nimm deshalb jede noch so kleine Bissverletzung ernst und säubere sie gut.

Hunde in Action beim wilden Spiel auf einer Wiese
Bei einer Rauferei kann es schon mal zu einer Verletzung kommen.

Das kannst du bei einer Bisswunde machen:

  • Zuerst solltest du deinen Vierbeiner anleinen, um ihn zu sichern. Es kann sein, dass er durch den Vorfall in Panik ist und weglaufen möchte.
  • Untersuche ihn ganz genau auf Bisswunden. Dazu kann es sinnvoll sein, das Fell an den Stellen weg zu schneiden, damit du mögliche Verletzungen besser sehen und versorgen kannst.
  • Denke daran, dass dein Tier vielleicht noch an einer anderen Stelle Bissspuren hat. Schließlich hat der andere Hund sowohl im Ober-, als auch im Unterkiefer Fangzähne. Somit kann ein Biss gleich zu mehreren Wunden führen.
  • Je nachdem, wie schlimm die Folgen der Beißerei sind, musst du auch noch andere Verletzungen behandeln, zum Beispiel eine starke Blutung stoppen.

Hast du einen recht kleinen Hund, der von einem großen im Nacken gepackt und geschüttelt wurde? Dann solltest du wissen, dass dies zu schweren inneren Verletzungen und/oder einer Verletzung der Wirbelsäule führen kann. Nach einem solchen Vorfall musst du deshalb unbedingt zu einem Tierarzt fahren.

Tierarzttraining: Kleiner heller Mischling sitzt auf der Untersuchungsliege beim Tierarzt
Bei kleinen Hunden können Beißereien zu inneren Verletzungen führen.

Wichtig:
So eine Beißerei kann bei einem Hund zu einem Schock, also einem Kreislaufversagen, führen. Behalte ihn deshalb gut im Auge und kontrolliere seine Vitalwerte. Anzeichen für einen Schock können unter anderem apathisches Verhalten, ein unsicherer Gang, starkes Zittern und/oder ein geschwächter Eindruck sein. Hier erfährst du mehr über einen Schock beim Hund.

Fazit

Ich selber habe in meinen 15 Jahren als Hundehalter erst zwei wirkliche Notfälle erlebt und darüber bin ich sehr froh. Dennoch ist mir bewusst, dass es jederzeit zu einer Verletzung meiner Hunde kommen kann. Am liebsten wäre es dir bestimmt wie mir, diesen Gedanken einfach zu verdrängen. Bei einem Notfall stehst du dann aber unter doppeltem Stress, weil du nicht vorbereitet bist. Du kannst als normaler Hundebesitzer nicht alle Maßnahmen für jede denkbare Verletzung kennen. Über die Versorgung von Bisswunden oder starken Blutungen solltest du jedoch informiert sein und am besten auch einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. So weißt du genau, was zu tun ist, um deinem Tier richtig zu helfen.

Hast du schon einmal einen solchen Notfall erlebt?
Was hast du gemacht, um Ruhe zu bewahren?
Teile deine Erfahrungen gerne mit uns in den Kommentaren.


Bildcredit: (c) eigene


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Über Nima 179 Artikel
Ich bin Nima und lebe zusammen mit drei liebenswerten Hunde-Mädels. Als ausgebildete Hundetrainerin liegt mir ein respektvoller Umgang mit unseren Vierbeinern sehr am Herzen.

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