Mein Hund trinkt viel – mögliche Ursachen

Hund trinkt viel Wasser während eines Spazierganges aus einem Bach
Trinkt dein Hund plötzlich ungewöhnlich viel, könnte eine Erkrankung dahinterstecken

Wie viel Wasser ein gesunder Hund benötigt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Ich habe mit Tierärztin Stephanie Stenschke-Großmann von der Kleintierpraxis  Kleintiermedizin Am Lützowufer in Berlin, über das veränderte Trinkverhalten bei Hunden und seinen Ursachen gesprochen. Woran du erkennst, dass dein Hund zu viel trinkt und welche Auslöser dies haben kann, erfährst du in diesem Artikel.

Wie viel Wasser braucht ein gesunder Hund?

Die tatsächliche Trinkmenge ist bei jedem Hund unterschiedlich und hängt unter anderem von seiner Größe ab.

„Ein Hund sollte am Tag nicht mehr als 100 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht trinken“,

erklärt Tierärztin Stenschke-Großmann. Ist dein Hund also zum Beispiel 30 Kilogramm schwer, sollte er am Tag nicht mehr als drei Liter trinken. Frisches Wasser muss deinem Hund rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Neben der Größe und dem Gewicht deines Hundes gibt es natürlich noch andere Faktoren, die sein Trinkverhalten beeinflussen. Einer dieser Faktoren ist das Wetter: An heißen Tagen wird dein Hund vermutlich mehr trinken als an milden oder kalten Tagen. Auch ist entscheidend, wie sportlich aktiv dein Hund ist: An Tagen, an denen du mit deinem Hund Rad fährst oder mit ihm Agility machst, wird dein Hund vermutlich mehr trinken, als an verregneten Tagen, die sich mehr in den eigenen vier Wänden abspielen. Zudem beeinflusst das Futter das Trinkverhalten deines Vierbeiners. Bekommt er als Hauptmahlzeit Trockenfutter, ist sein Flüssigkeitsbedarf höher, als wenn er Nassfutter frisst. Bestimmt kennst du das von dir selber auch: An warmen Tagen trinkst du mehr und manche Lebensmittel verursachen großen Durst. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass das Trinkverhalten deines Hundes schwankt.

Sportliche Hunde benötigen viel Wasser
Machst du viel Sport mit deinem Hund, wird er vermutlich mehr Wasser brauchen, als ein ruhigerer Artgenosse

Um herauszufinden, wie viel dein Hund trinkt, kannst du seine tatsächliche Wasseraufnahme messen, indem du das Wasser mit einem Messbecher im Idealfall über 24 Stunden misst. Dies kannst du regelmäßig, zum Beispiel jeden Sonntag, wiederholen und die Ergebnisse vergleichen. Dabei müssen die Voraussetzungen für die Messungen möglichst gleich sein, denn sonst kannst du keine zuverlässigen Ergebnisse erzielen. 

Ursachen für eine vermehrte Wasseraufnahme

Neben den physiologischen Ursachen, wie trockenes Futter oder viel Sport, gibt es auch pathologische Gründe.

„Pathologische Ursachen sind vielfältig und können organischen Ursprungs sein, wie bei Leber- und Nierenerkrankungen, Harnwegserkrankungen, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Magen- und Darmerkrankungen oder Erkrankungen des Blutbildvenensystems. Eine große Rolle spielen außerdem infektiöse Ursachen, die zum Beispiel aufgrund von Zyklusschwankungen entstehende eitrige Gebärmutterentzündung der älteren Hündin oder hormonelle Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes Mellitus und Morbus Cushing“,

erklärt Tierärztin Stenschke-Großmann. Die häufigsten Differenzialdiagnosen seien aber sicherlich Diabetes Mellitus, Morbus Cushing, Pyometra und Niereninsuffizienz, verdeutlicht die Expertin.

Die pathologischen Auslöser 

Sind die physiologischen Ursachen ausgeschlossen, kommst du nicht drum herum, dich mit den pathologischen Auslösern für das vermehrte Trinken auseinanderzusetzen und einen Tierarzt aufzusuchen. Die gängigen Erkrankungen, die dazu führen, dass dein Hund mehr Wasser trinkt, erkläre ich dir hier:

Nierenerkrankungen 

Die Hauptaufgabe der Niere ist es, den Körper zu entgiften. Schädliche Stoffe werden aus dem Blut gefiltert und über den Urin ausgeschieden. Auch ist die Niere ein wichtiger Faktor für einen gesunden Blutdruck und die Blutbildung. Liegt eine Erkrankung der Nieren vor, kann dies schwerwiegende Folgen für deinen Hund haben.

Eine Nierenerkrankung, die durch Vererbung übertragen wird, ist die Krankheit Juvenile Renal Disease, auch Nierendysplasie genannt. Die Nieren des Welpen werden hierbei nicht richtig ausgebildet, was zu einer krankhaften Fehlbildung führt. Um an JRD zu erkranken, müssen beide Elternteile deines Welpen das rezessive Gen in sich tragen. Je nachdem, wie stark die Niere von der Fehlbildung betroffen ist, können die Lebenserwartungen variieren. Während der Hund bei einer schweren Erkrankung schon innerhalb des ersten Jahres verstirbt, kann die richtige Behandlung die Qualität und Länge des Lebens eines leicht erkrankten Hundes deutlich verbessern, sofern sie früh erkannt wird. Die ersten Symptome der Erkrankung sind übermäßiges Trinken und Wasserlassen, wobei der Urin sehr hell ist.

Hunde Welpe trinkt Wasser aus der Hand seines Frauchens während eines Spaziergangs
Ist dein Hund schon als Welpe immer durstig, solltest du einen Tierarzt aufsuchen.

Eine weitere Erkrankung, die zur vermehrten Wasseraufnahme führt, ist die Niereninsuffizienz, also eine Nierenschwäche. Die Nieren können nicht mehr richtig arbeiten, weshalb Giftstoffe nicht mehr ausreichend aus dem Körper geschwemmt werden. Bleibt die Niereninsuffizienz unbehandelt, entwickelt sich eine Harnvergiftung. Die Erkrankung teilt sich in eine akute und eine chronische Niereninsuffizienz.

Eine akute Niereninsuffizienz kann zum Beispiel durch einen Schock, die Verstopfung der Harnwege, eine Blutentzündung, ein gestörtes Herz-Kreislauf-System oder durch nierenschädliche Gifte verursacht werden. Ein typisches Symptom der Erkrankung ist, dass dein Hund sich übergibt oder unter Durchfall leidet. Weiter hat er vermutlich wenig Appetit und uriniert kaum noch. Eine akute Niereninsuffizienz kann unbehandelt in eine chronische Erkrankung übergehen.

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz verlieren die Nieren zunehmend ihre Fähigkeit, den Körper von Giftstoffen zu befreien. Dies kann verschiedene Ursachen haben: Unter anderem vererbte Erkrankungen, Tumore, Entzündungen oder Immunerkankungen können für eine chronische Nierenschwäche verantwortlich sein. Besonders bei älteren Hunden sind die Ursachen oft aber unbekannt. Typisch für eine chronische Schwäche der Nieren ist Gewichtsverlust, erhöhter Wasserbedarf und damit verbundenes Wasserlassen, Übelkeit bis hin zum Erbrechen und härterer Kot. Auch Krampfanfälle können im späteren Verlauf auftreten. Im Endstadium führt eine chronische Niereninsuffizienz zum Tod des Hundes.

Morbus Cushing, auch als Cushing-Syndrom bekannt, ist eine hormonelle Erkrankung der Nebennieren. Diese produzieren zu viel Kortisol, ein Hormon, das für viele lebenswichtige Stoffwechselfunktionen zuständig ist. Produziert der Körper hingegen zu wenig Kortisol, nennt man die Erkrankung Morbus Addison. Ausgelöst wird Morbus Cushing einerseits von gut- oder bösartigen Tumoren in der Hirnanhangsdrüse oder den Nebennieren. Andererseits kann eine übermäßige Vergabe von dem Medikament Kortison zu dem gestörten Hormonhaushalt führen. Eines der häufigsten Symptome des Cushing-Syndroms ist vermehrtes Trinken und eine erhöhte Urinproduktion. Weiter können Heißhunger, Gewichtszunahme, dünner werdendes Haar, Muskelschwund und eine dünne Haut Anzeichen der Erkrankung sein. Da die Symptome nicht eindeutig nur auf das Cushing-Syndrom hinweisen, wird dein Tierarzt die Krankheit anhand von Blut- und Urinuntersuchungen nachweisen.

Diabetes Mellitus

Eine weitere Erkrankung, die durch vermehrtes Trinken deutlich wird, ist Diabetes Mellitus, die Stoffwechselstörung unterscheidet sich in Diabetes Typ 1 und Typ 2. Der erste Typ wird durch genetische Veranlagung, Störung des Immunsystems oder durch Infektionskrankheiten verursacht – auch kann ein Zusammenspiel der Faktoren zu der Erkrankung führen. Bei Diabetes Typ 2 – beim Hund deutlich seltener – produziert der Körper deines Hundes zwar Insulin, jedoch nicht in ausreichendem Maße. Die Ursachen des Typ 2 sind nicht abschließend geklärt. Übergewicht soll jedoch eine tragende Rolle spielen. Auch hormonelle Störungen, wie das Cushing-Syndrom oder eine Schilddrüsenunterfunktion können das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, erhöhen. Zudem kann die Stoffwechselstörung Diabetes bei weiblichen Hunden nach der Läufigkeit auftreten. Der Grund dafür ist das Gelbkörperhormon, welches nach der Hitze ausgeschüttet wird, was die Wirkung von Insulin verändert.

Trinkt Dein Hund viel und macht Dir das sorgen? Dann solltest Du immer den Tierarzt aufsuchen
Bestehen Zweifel, warum dein Hund viel trinkt, sollte immer ein Tierarzt zurate gezogen werden.

Anfangs bleibt die Krankheit meist unbemerkt. Erste erkennbare Symptome sind übermäßiges Trinken, erhöhtes Wasserlassen und starker Appetit begleitet von Gewichtsverlust. Bleibt die Erkrankung unerkannt, kann es dazu kommen, dass sich die Linse des Auges trübt, weshalb das Sehvermögen deines Hundes nachlässt. Später kommen Abgeschlagenheit und Apathie hinzu. Ähnlich wie beim Menschen wird die Krankheit damit behandelt, dem Hund Insulin zu verabreichen.

Gebärmutterentzündung

Kommt es zu einer eitrigen Gebärmutterentzündung – auch Pyometra genannt – sind Bakterien über den Muttermund in den Gebärmutterhals deiner Hündin gelangt, wo sie sich vermehrt und eine Entzündung verursacht haben. Hormonelle Störungen können die Krankheit begünstigen. Neben eitrigem Scheidenausfluss gehört eine deutlich erhöhte Trinkmenge deiner Hündin zu den ersten Anzeichen der Erkrankung, wobei ersteres nicht immer gegeben ist. Im schlimmsten Fall kann eine eitrige Gebärmutterentzündung zu schweren Erkrankungen wie einer Blutvergiftung, Fieber, einer Harnvergiftung oder einem Schock führen, weshalb du bei einem Verdacht möglichst schnell zum Tierarzt deines Vertrauens gehen solltest. Dieser wird, um andere Erkrankungen auszuschließen, Blutuntersuchungen, Ultraschall-Untersuchungen und Röntgenaufnahmen machen.

Der beste Freund des Menschen benötigt einen regelmäßigen Check up beim Tierarzt
Damit der beste Freund des Menschen auch lange dein bester Freund bleibt, solltest du auf seinen Körper und sein Verhalten achten. So können Erkrankungen frühzeitig erkannt werden.

Fazit

Schwankungen beim Trinkverhalten sind vollkommen normal. Ebenso wie bei dir, können Wetter, Bewegung und Futter das Trinkverhalten deines Hundes beeinflussen. Stellst du jedoch fest, dass dein Hund scheinbar grundlos auf einmal wesentlich mehr oder weniger trinkt, solltest du das nicht auf die leichte Schulter nehmen und einen Tierarzt aufsuchen.

„Zum Tierarzt sollte man unbedingt, wenn physiologische Ursachen ausgeschlossen sind. Es empfiehlt sich eine eingehende allgemeine Untersuchung und in den meisten Fällen eine Blut- und Harnuntersuchung“,

erklärt Tierärztin Stenschke-Großmann abschließend.

 

Kennst du dich mit dem vermehrten Wasserbedarf bei Hunden aus? Hast du vielleicht Tipps oder Anregungen?

Wir freuen uns über jeden Kommentar.

 

Quellen:

https://tierarztpraxis-rogalla-rummel.de/wissenswertes/niereninsuffizienz-bei-hunden/

http://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/hundekrankheiten/nierenschwache-niereninsuffizienz-beim-hund/413741

http://www.med.vetmed.uni-muenchen.de/einrichtungen/innere_medizin/leistungen/endokrinologie/hyperadrenokorti.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Caniner_Diabetes_mellitus

http://www.einfachtierisch.de/hunde/hunde-gesundheit/diabetes-bei-hunden-ursache-und-symptome-id55701/

http://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/hundekrankheiten/gebaermutter-vereiterung-pyometra-beim-hund/395739

http://augen-auf-beim-welpenkauf.info/krankheitenaz/ij/jrd/index.html


Bildcredit: (c) Nadine Haase - Fotolia.com


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Über Louisa 39 Artikel
Ich bin als freie Journalistin tätig und freue mich sehr darüber hier über Themen rund ums Tier schreiben zu können. Seit ich denken kann beschäftige ich mich mit Tieren und hatte schon einige als Mitbewohner. Meine Leidenschaft für Tiere habe ich auch in meinem Philosophie-Studium verfolgt und mich umfassend mit dem Thema Tierethik beschäftigt.

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