Richtige Haltung von Meerschweinchen

Meerschweinchen: Lebensfreude auf vier Beinen.
Meerschweinchen: Lebensfreude auf vier Beinen.

Sie quieken fröhlich, rennen flink durch die Wohnung und futtern jegliches Gemüse in kürzester Zeit weg: Meerschweinchen. Sie sind eines der beliebtesten Haustiere Deutschlands und besonders Kinder erfreuen sich an den kleinen quicklebendigen Nagern. Doch oft wird vergessen, dass Meerschweinchen nicht nur klein und niedlich sind, sondern Bedürfnisse haben wie du und ich. Worauf du bei der Meerschweinhaltung achten solltest, erfährst du in diesem Artikel.

Und hier kannst du nachlesen, wie das Meerschweinchen zu seinem Namen kam.

Meerschweinchen: Die geselligen Nager

Meerschweinchen sind Gruppentiere, du darfst dein Meerschweinchen also keinesfalls allein halten. Die Einzelhaltung eines Meerschweinchens würde Tierquälerei gleichkommen und egal, wie liebevoll und zeitaufwendig du dich um dein Meerschweinchen kümmerst, einen Artgenossen kannst du nicht ersetzen.

Du solltest die Nager also mindestens zu zweit halten, wobei das natürlich noch keine Gruppe ist. Im Idealfall solltet deine kleine Herde aus mindestens drei Meerschweinchen bestehen. In der freien Wildbahn leben die quirligen Nager in Herden aus drei bis sogar zehn Tieren und es ist immer zu empfehlen, die Haltung der freien Wildbahn möglichst anzupassen.

Eine Gruppe Meerschweinchen sitzt in einer Kiste
Meerschweinchen sind sehr soziale Tiere und sollten nicht alleine gehalten werden. Gleichgeschlechtliche Gruppen oder gemischtgeschlechtliche mit kastrierten männlichen Tieren verhindern unerwünschten Nachwuchs.

Und auch du wirst deine Freude daran haben, wenn du Meerschweinchen in einer Gruppe hältst. Denn wenn die Tiere zufrieden sind und sich wohl fühlen, kannst du sie dabei beobachten, wie sie sich fröhlich mit den verschiedensten Geräuschen unterhalten, miteinander spielen und dich nach und nach als Futtergeber und Freund akzeptieren.

Die perfekte Herdenkombination

Damit die kleine Herde friedlich zusammenlebt, kann man die Geschlechter verschieden kombinieren: Entweder hält man nur Weibchen in einer Gruppe oder nur Böcke, also Männchen. Möchte man gerne beide Geschlechter halten, sollte man nur ein Böckchen in der Gruppe haben. Hält man zwei Böcke mit anderen Weibchen zusammen, kann es zu Streitereien zwischen den Böcken kommen, was für die Tiere Stress bedeutet. Bedenke bei der gemischten Gruppe aber, dass der Bock kastriert sein muss, um Nachwuchs zu vermeiden. Denn es gibt schon genug Meerschweinchen, die in Tierheimen und Notstationen auf ein Zuhause warten.

Entscheidest du dich für die Böckchengruppe, solltest du bedenken, dass die Böcke die Möglichkeit haben, sich aus dem Weg zu gehen. Das heißt: Der Käfig sollte ausreichend groß sein. Mindestens ein Quadratmeter pro Bock solltest du den Tieren geben. Zudem sollten genügend Verstecke, Trinkflaschen und Futterplätze im Käfig vorhanden sein, damit die Böcke sich nicht streiten.

Gruppe aus drei Meerschweinchen mümmelt an mitgebrachtem Klee
Meerschweinchen lieben frisches grünes Gras. Wenn sie in der Wohnung leben, kannst du ihnen frisches Grünzeug von draußen mitbringen.

Die beste Zusammensetzung ist ein kastriertes Böcken und zwei bis neun Weibchen, da dies den natürlichen Umständen am nächsten kommt und ein entspanntes und abwechslungsreiches Leben für die Tiere bietet.

Sollte eines deiner Tiere versterben, ist es meist unproblematisch, ein neues Mitglied in die Gruppe zu integrieren. Meerschweinchen sind sehr freundliche Tiere und gewöhnen sich schnell an neue Herdenmitglieder.

Meerschweinchen und Kaninchen

Auch wenn es teilweise anders vermittelt wird: Kaninchen können ein zweites Meerschweinchen nicht ersetzen! Du solltest also niemals ein Kaninchen und ein Meerschwein gemeinsam halten. Es handelt sich um zwei Spezies, die eine völlig andere Körpersprache sprechen. Beide Spezies sind sehr gesellig und benötigen einen Freund, der ihre Sprache spricht und mit dem sie ihre Bedürfnisse teilen. Kein Meerschwein und kein Kaninchen hat es verdient, ohne einen guten Freund leben zu müssen.

Eine Gruppe von mehreren Kaninchen und Meerschweinchen frisst gemeinsam in einem großen Käfig.
Kaninchen und Meerschweinchen – nur eine gute Idee, wenn von jeder Spezies mindestens zwei im Gehege leben.

Jedes Tier braucht mindestens einen Partner der eigenen Spezies. Wenn du unbedingt Meerschweinchen und Kaninchen zusammen halten möchtest, kannst du das aber dennoch tun. Du musst nur mindestens zwei Meerschweinchen und mindestens zwei Kaninchen in einem Gehege halten, das groß genug sein muss. Solltest du dich entscheiden, die Tiere gemeinsam zu halten, ist es aber wichtig, dass deine Meerschweinchen einen Zufluchtsort haben. Einen Ort, an dem sich die ruhigen Meerschweinchen vor den stürmischen Kaninchen zurückziehen können. Du kannst einen Teil des Geheges absperren und mit einer Öffnung versehen, durch die nur die Meerschweine knapp hindurch passen. Zudem solltest du gut darauf achten, wie das Zusammenleben der zwei Spezies verläuft. Wenn eines der Kaninchen die Meerschweinchen zu sehr bedrängt, solltest du zum Wohle deiner Tiere auf ein gemeinsames Gehege verzichten.

So sollte der Meerschweinchen-Käfig aussehen

Ist der Entschluss gefasst, sich Meerschweinchen zuzulegen, beginnt die Suche nach dem geeigneten Käfig. Und die ist gar nicht so einfach, wie du vielleicht glauben magst: Denn die gängigen Käfige, die man im Zoofachhandel bekommt, sind viel zu klein! Das absolute Mindestmaß für zwei Meerschweinchen beträgt 1,50 Meter x 0,75 Meter.

Meerschweinchen Haltung in der Wohnung

Wenn du deine Meerschweine in der Wohnung halten möchtest, solltest du dich von den konventionellen Gitterkäfigen fernhalten. Denn abgesehen davon, dass diese meist viel zu klein sind, ist es für die Meerschweine auch alles andere als schön, wenn sie ihr Leben hinter Gitterstäben verbringen müssen. Besser geeignet ist ein wannenförmiges Vivarium aus Glas oder Plexiglas, welches nach oben hin offen ist. Wenn dir ein solches Vivarium zu teuer ist, kannst du im Internet zahlreiche Anleitungen finden, die zeigen, wie man sich einen geeigneten Käfig einfach selber bauen kann. Der Stall sollte etwas erhöht an einem gut belüfteten Ort stehen, der auch hell, nicht aber von direkter Sonneneinstrahlung betroffen ist.

Zwei Meerschweinchen beäugen sich wobei eins in einem Haus sitzt und eins davor im Freien
Ob in der Wohnung oder im Außenstall: Meerschweinchen brauchen immer genügend Verstecke, um sich in ihrem zuhause sicher zu fühlen.

Auslauf für die Meerschweinchen

Wer seine Meerschweinchen in der Wohnung hält, sollte ihnen täglich mehrere Stunden Auslauf gewähren. Meerschweine sind sehr bewegungsaktiv und brauchen viel Platz um sich auszutoben. Dabei gibt es Einiges zu beachten: Kabel sollten für das Meerschweinmaul nicht erreichbar sein und der Boden sollte mit einem alten Teppich bedeckt sein, da ein PVC-Belag oder Fliesen zu rutschig und kalt sind. Zudem sollten auch im Auslauf ausreichend Versteckmöglichkeiten und Häuschen zur Verfügung stehen, ebenso wie Wasser und Futter.

Meerschweinchenhaltung im Garten

Ideal ist es natürlich, wenn du einen Garten besitzt und der Stall draußen stehen kann. Denn obwohl Meerschweinchen aus wärmeren Gebieten kommen, können sie sich an unsere Witterungsbedingungen anpassen. Vorausgesetzt, der Käfig ist darauf ausgelegt. Geeignete Ställe bekommt man nur selten zu kaufen und so heißt es: Selbst Hand anlegen! Anleitung für die verschiedensten Käfige gibt es auch für die Außenställe im Internet.

Der Außenstall sollte bei drei bis vier Tieren mindestens vier Quadratmeter betragen. Für jedes zusätzliche Tier sollte ein halber Quadratmeter dazugerechnet werden. Der Stall sollte sowohl schattige, wie auch sonnige Plätze bieten und einen größeren Futterbereich beinhalten, der vor Wind und Wetter geschützt ist.

Meerschweinchen in einem Käfig-Haus
Der Stall muss groß sein, damit die Meerschweine sich darin wohl fühlen.

Zudem muss ein geräumiger Schlafraum für die Nager zur Verfügung stehen. Im Winter muss dieses mit Zeitungspapier und viel Heu gut isoliert werden, damit die Meerschweine immer einen wärmenden Ort haben. Gerade bei vielen Meerschweinchen ist es wichtig, dass dieser Schlafraum mehrere Kammern hat. Natürlich ist es auch möglich, die Tiere im Sommer draußen und im Winter drinnen zu halten. In diesem Fall sollte man sowohl einen geeignetes Sommerdomizil, wie auch einen gut gemachten Innenstall für die Nager zur Verfügung stellen.

Auch die Haltung auf dem Balkon ist möglich. Die Grundregeln sind hier dieselben wie bei der Gartenhaltung. Zudem muss man den Balkon absturzsicher machen und bedenken, dass gerade schmale Balkone im Sommer zu Hitzestaus neigen. Ein Umstand, der für Meerschweine sehr gefährlich werden kann und dem Abhilfe geschaffen werden muss.

Zubehör: Das gehört in einen Meerschweinchenstall

Meerschweinchen sind sehr schreckhaft, der Käfig sollte also viele Verstecke und Häuschen bieten, damit die Tiere es in einem Schreckmoment nicht weit haben. Neben der Versteckmöglichkeit regen Tunnel und Häuschen aber auch zum Spielen an und bieten Abwechslung. Allerdings sollte man den Stall auch nicht zu voll stellen: Die Tiere sollten immer noch genug Freiraum haben, um umher rennen zu können.

Für vier Tiere sollte es mindestens zwei Holzhäuschen geben und zwei Futterraufen und Trinkflaschen. Keinesfalls sollte man sich Plastikhäuser und -tunnel anschaffen. Die Verstecke sollten aus Holz, Kork oder anderen natürlichen Materialien bestehen. Hier kann man auch kreativ werden und den Käfig mit Steinen, Ästen, Rinden und Wurzeln in ein kleines Meerschweinparadies verwandeln. Dabei solltest du darauf achten, nur Holz von Bäumen zu verwenden, die ungiftig für Meerschweine sind. Auch aus Pappkartons kann man Verstecke für den Auslauf in der Wohnung bauen.

Ein Meerschweinchen sitzt in einer Holzröhre auf einer Wiese
Sowohl Holzrollen als auch Wurzeln und andere Gegenstände aus der Natur eignen sich bestens als Verstecke für die kleinen Nager.

Auch kleine Tiere bedeuten große Verantwortung

Meerschweine sind sehr fröhliche und zutrauliche Weggefährten, die man stundenlang dabei beobachten kann, sie wie quieken, rennen und fressen. Sie können das Leben bereichern, wenn man richtig mit ihnen umgeht. Denn obwohl sie oft als Kuscheltiere verkauft werden, sind sie das keinesfalls! Meerschweine suchen den Körperkontakt zum Menschen nicht. Wenn du dein Meerschwein auf dem Arm hältst und es sich kaum bewegt, bedeutet das meist nicht, dass es die Berührung genießt, sondern dass es sich in einer Schockstarre befindet und Angst hat. Wenn du dich dazu entscheidest, die Meerschweine zuzulegen, solltest du dir davor über die Bedürfnisse der Tiere im Klaren sein.

Nur weil Meerschweinchen recht klein sind, bedeutet das nicht, dass sie weniger Zuwendung brauchen. Egal wie klein, ein Tier ist ein Tier und hat seine Bedürfnisse. Und wenn du dich entscheidest, einem Tier ein Zuhause zu geben, dann solltest du dafür sorgen, dass diese Bedürfnisse auch erfüllt werden. Nur wenn du dem Tier einen geeigneten Stall, genügend Zeit und Futter bieten kannst, solltest du dir auch eines zulegen.

Wenn du aber bereit dazu bist, dich bis zu acht Jahre liebevoll um deine Meerschweinchen zu kümmern, wirst du viel Spaß an den quirligen und freundlichen Nagern haben. Die Entscheidung sollte aber gut durchdacht sein und nicht leichtfertig über Nacht fallen.

Kleines Mädchen küsst ein Meerschweinchen
Wer seinen Meerschweinen ein artgerechtes Zuhause bietet, wird viel Freude mit ihnen haben.

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Quellen und weiterführende Links:

Das Kosmos Handbuch Meerschweinchen
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Bildcredit: (c) Osterland - Fotolia.com

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Über Louisa Wittek 14 Artikel
Ich bin als freie Journalistin tätig und freue mich sehr darüber hier über Themen rund ums Tier schreiben zu können. Seit ich denken kann beschäftige ich mich mit Tieren und hatte schon einige als Mitbewohner. Meine Leidenschaft für Tiere habe ich auch in meinem Philosophie-Studium verfolgt und mich umfassend mit dem Thema Tierethik beschäftigt.

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  1. Das ist bei der Meerschweinchen-Haltung zu beachten | Louisa Wittek – freie Journalistin

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