Haftpflicht-Versicherungen fĂŒr Listenhunde – gar nicht so einfach!?

Pitbull Terrier mit Maulkorb liegt angeleint auf einer grĂŒnen Wiese
Listenhunde mĂŒssen in Sachsen-Anhalt einen Maulkorb tragen.

Viele Versicherungen reagieren skeptisch auf die Versicherung von Listen- oder Kampfhunden. Es ist nun einmal Tatsache, dass der Hund in der privaten Haftpflicht nicht mit inbegriffen ist und eine Hundehaftpflicht in fast allen BundeslÀndern Pflicht ist. Und wie funktioniert das, wenn dein Hund gelistet ist? Wir helfen dir in dem folgenden Artikel, die richtige Versicherung zu finden.

Geschichte der Kampfhunde

Zu den Listenhunden gehören hauptsĂ€chlich Rassen, die fĂŒr den Kampf gezĂŒchtet wurden. Der Ursprung der Kampfhund-Zucht ist auf das SpĂ€tmittelalter zurĂŒckzufĂŒhren. In England wurden z.B. Mastiffs als Kriegshunde verwendet. Die großen Hunde erreichten bis zu 90kg Körpergewicht und wurden mit RĂŒstungen bestĂŒckt.

Im 19. Jahrhundert wurden vor Allem spezielle Rassen gezĂŒchtet, die im „Pit Fight“ zum Einsatz kamen. Menschen wetteten auf die dafĂŒr gezĂŒchteten Hunde, wie z.B. den Bullterrier, der in einer vorgegebenen Zeit eine gewisse Anzahl Ratten töten sollte. Dabei war die Hundegewalt nicht nur im Kampfring gegen andere Hunde gerichtet, sondern vermehrt auch außerhalb des Rings gegen Menschen. Obwohl der Kampfring fĂŒr Tiere seit 1835 bereits in England offiziell verboten wurde, geschah es weiterhin illegal.

In der Hauptzeit des britischen Steinkohlebergbaus war die Armut im nördlichen England groß, sodass HundekĂ€mpfe als „Wettspiel“ weiterhin stattfanden. Die Zuchtergebnisse waren damals eindeutig: Robust, stark und ĂŒberraschend klein. Die Minenarbeiter unter Tage lebten dicht aufeinander mit großen Familien und allgemein wenig Platz, weshalb die Hunde ebenso „kompakt“ gezĂŒchtet wurden. Heute gelten in Deutschland folgende Hunderassen als gelistete Kampfhunde: Der Bullterrier, der Staffordshire Bullterrier, der American Pit Bull Terrier und der American Staffordshire Terrier.

American Staffordshire Terrier mit KĂ€tzchen und HĂ€schen
American Staffordshire Terrier sind nicht automatisch gefÀhrlicher als andere Hunde

Listenhunde in Deutschland

So ist ein Kampfhund eigentlich immer ein Listenhund, aber nicht jeder Listenhund ein Kampfhund. Außerdem sind in Deutschland alle Rasselisten föderal von Bundesland zu Bundesland verschieden. Dabei werden die Hunde zumeist in zwei Kategorien unterteilt. Entweder wird die Rasse direkt als gefĂ€hrlich eingestuft oder als gefĂ€hrlich vermutet. Eine Vermutung kann durch Verhaltenstests widerlegt werden.

Nicht nur Deutschland ist sich uneinig ĂŒber eine einheitliche Liste, sondern auch andere LĂ€nder. Bei Reisen außerhalb Deutschlands ist zu ĂŒberprĂŒfen, wie es gesetzlich um den eigenen Vierbeiner steht. Die Gesetzgebung zur Haltung, Zucht und Import in LĂ€ndern der EU und außerhalb Europas schwankt stark.

Voraussetzungen fĂŒr die Versicherung

Die Hundehaftpflicht kommt fĂŒr SachbeschĂ€digungen, Personen- und Vermögensschaden auf. Die Deckungssummen sind verschieden je nach Versicherungsangebot, aber reichen oft bis in die Millionen Euro. Eine Selbstbeteiligung nach Vertragsabschluss gibt vor, inwiefern du als Hundehalter teilhaftest, also im Vorfall aus eigener Tasche dazuzahlst. Eine Selbstbeteiligung ist nicht immer gefragt, aber bei einer Haftpflicht fĂŒr Kampfhunde ist es ĂŒblicher. Meistens ca. 80€. Alle grundsĂ€tzlichen Informationen zu der Haftpflichtversicherung fĂŒr Hunde findest du hier in unserem Hundehaftpflicht-Ratgeber.

Die Höhe der Hundehaftpflichtversicherung variiert je nach Rasse, GrĂ¶ĂŸe, Verwendung (wie z.B. privat oder im öffentlichen Dienst) und gemeldete VorfĂ€lle der Vergangenheit. Die Regelungen der Hundehaftpflicht variieren in jedem Bundesland, deshalb sollte die vollstĂ€ndige Information bei den zustĂ€ndigen Behörden erfragt werden. Mecklenburg-Vorpommern ist bislang das einzige Bundesland ohne gesetzlich vorgeschriebene Hundehaftplicht.

Um den Kampf-Vierbeiner versichern zu können, sind die Auflagen im Besitz eines Kampfhundes zu erfĂŒllen. Dazu zĂ€hlt ggf.:

  • eine Kastrations- und Sterilisationspflicht.
  • ein Wesenstest, der im Grunde genommen beweist, dass der Kampfhund keine gewaltbereiten Verhaltensmuster zeigt.
  • eine FĂŒhrungsbescheinigung, die polizeilich bestĂ€tigt wurde.
  • die Zahlung einer höheren Hundesteuer.
Dogo Argentino liegt hecheln auf einem Pflasterweg.
Der Dogo Argentino gilt in Baden-WĂŒrttemberg als Listenhund.

Warum ist die Haftpflicht bei Kampfhunden teurer?

Aufgrund seiner Zuchtvergangenheit ist z.B. der Bullterrier auf der Liste der gefĂ€hrlichen Hunde aufgefĂŒhrt. Es heißt, er hĂ€tte eine Beißkraft von bis zu mehreren Tonnen, einen ausrenkbaren Kiefer oder mehrere Zahnreihen. Viele dieser Gedanken stehen im Zusammenhang mit Vorurteilen. Eigenschaften der Kampfbereitschaft stehen zumindest heutzutage bei der Zucht von „Kampfhunden“ nicht mehr im Vordergrund. Inwiefern die heutige Genetik der Listenhunde weitere Aggressionsallele enthĂ€lt, ist nicht klar, weshalb Kampfattribute zurzeit nicht ausgeschlossen werden können.

Die meisten Versicherungen bieten keine Haftpflicht fĂŒr Listenhunde an, da das Gefahrenpotenzial als zu hoch eingeschĂ€tzt wird. Es wird argumentiert, dass alle Listenhunde mit dieser Vergangenheit fĂŒr insgesamt ĂŒber 50% der SchadensvorfĂ€lle verantwortlich zu machen sind. Diese Hunderassen werden also von vornherein komplett ausgeschlossen. Jedoch bieten einige Versicherungspartner, wie z.B der digitale Sachversicherer Coya, eine Versicherung aller Hunderassen an, da sie prinzipiell an die Gleichwertigkeit und Unschuld aller Hunderassen glauben. Letztendlich kann ein Pit Bull Terrier auch nichts dafĂŒr, dass er auf der Liste steht. Es ist vielmehr der „Kampfmensch“, der linear fĂŒr das Gefahrenpotenzial des eigenen Vierbeiners verantwortlich zu machen ist. Um dem vermeintlich höheren Schadenspotential zu begegnen, muss der Halter jedoch auch hier mit erhöhten Kosten rechnen.

Der Hund und der Kampfmensch

Im Jahr 2018 sind insgesamt 625 Bissverletzungen durch Hunde an Menschen geschehen. 67 VorfĂ€lle davon waren durch Deutsche SchĂ€ferhunde, 35 durch Jack Russel Terriers und 20 durch Dackel. Das zeigt, dass Kampfhunde nicht allein verantwortlich sind. Viele VorfĂ€lle entstehen gerade durch eine falsche Haltung und mangelnde Sozialisation des Vierbeiners. Fakt ist dennoch, dass der Bullterrier anatomisch eine weitaus stĂ€rkere Beißkraft hat als nicht gelistete Hunde. Auch, dass der Rottweiler eine sehr disziplinierte Erziehung benötigt. Der frĂŒhe Kontakt mit Menschen und anderen Hunden ist wichtig.

American Staffordshire Terrier mit kleinem Jungen im Freien
American Staffordshire Terrier mit kleinem Jungen im Freien

Tierschutzorganisationen weisen darauf hin, dass die „Kampfhunde“ eigentlich keine solchen sind, da sie keine erhöhte AggressivitĂ€t aufweisen. VorfĂ€lle geschehen eher, wenn die Erziehung nicht konsequent genug war oder der Hund schlecht behandelt wurde. Diese Faktoren leiten jeden Hund dazu aggressiv zu handeln. Eine starke Beißkraft heißt z.B. auch nicht, dass der Hund gefĂ€hrlich ist. Eine Definition der StĂ€rke oder gar eine Verallgemeinerung der AggressivitĂ€t ist in dem Moment falsch. Dennoch bestimmen BundeslĂ€nder, dass gefĂ€hrliche Hunderassen eigene Vorschriften benötigen aufgrund eines erhöhten Gefahrenpotenzials. Maulkörbe und Leinen sind deshalb Pflicht fĂŒr alle Listenhunde in der Öffentlichkeit.

Fazit

  • Ein Hund ist ein Tier und lernt die Menschen in seinem Umfeld zu reflektieren.
  • Schlechte Erziehung fĂŒhrt zu Gewalt jeden Hundes.
  • Eine robuste Statur sagt nichts ĂŒber die Gewaltbereitschaft des Hundes aus.
  • Eine genauere Erkundung der Gesetzeslage im jeweiligen Bundesland ist wichtig. Bei Reisen ins Ausland umso wichtiger.

 

Über den Autor

Julian ist passionierter Reisender uns Besitzer zweier Irish Setter. Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu seinen besten Freunden und auch Reisebegleitern. Die Beziehung Mensch – Hund ist fĂŒr ihn ein faszinierendes Thema, das ihn tĂ€glich auch wĂ€hrend seiner Arbeit beim (Hunde)Versicherer Coya beschĂ€ftigt. Julian lebt mit seiner Familie und Hunden in Berlin.

 

Quellen:


Bildcredit: (c) mari_art / Depositphotos.com


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Über Gastautor 26 Artikel
Unsere Gastautoren sind ebenfalls begeisterte Haustierbesitzer. Als solche setzen sie ihre Expertise dazu ein, unseren Lesern hilfreiche Tipps im Umgang mit ihren tierischen Familienmitgliedern an die Hand zu geben.

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