Haustiere und Senioren, eine besonders wertvolle Lebensgemeinschaft

Ein alter Mann sitzt mit Hunden und Katze auf Bank im Garten
Haustiere und Senioren – eine besonders wertvolle Lebensgemeinschaft, wenn ein paar Dinge beachtet werden

Heute Morgen traf ich bei meinem Hundegassigang einen älteren Herrn mit seiner Hündin. Während unsere Hunde fröhlich miteinander über die Wiesen tollten, hielten wir ein kleines Schwätzchen. Der Herr geht seit einem Schlaganfall vor einigen Monaten am Stock und ist recht langsam unterwegs, trotzdem schafft er täglich ein bis zwei längere Hunderunden. Er erzählte mir, dass er ohne seinen vierbeinigen Wirbelwind sicher nicht mehr draußen unterwegs wäre. Und auch wenn es manchmal mühsam sei, so merke er doch, dass ihm das Licht und die Luft guttäten. Auch die Gespräche unterwegs genieße er, denn zuhause sei ja niemand mehr zum Reden. Allerdings müsse er immer öfter die Nachbarn um Hilfe bitten, einen Spaziergang zu übernehmen. Er wisse nicht genau, wie es weitergehen solle, schließlich sei seine Hündin ja noch jung …

In der letzten Lebensphase können Tiere das Leben eines Menschen bunter und freudvoller machen, aber es gibt auch Schwierigkeiten, die zu bewältigen sind. Wie Haustiere das Leben von Senioren bereichern können und welche Möglichkeiten es im Alter gibt, Kontakt zu Tieren zu pflegen, erfährst du hier.

Einfluss von Haustieren auf die Gesundheit

Im Alter ist der positive Einfluss von Haustieren auf die menschliche Gesundheit vielleicht besonders wichtig. Denn die letzte Lebensphase zeichnet sich dadurch aus, dass die körperlichen Fähigkeiten zurückgehen. Dies schränkt den Aktivitäts- und Lebensradius mehr und mehr ein. Je länger aber die Aktivität aufrechterhalten werden kann, desto länger ist häufig ein selbstständiges Leben möglich. Das ist für die meisten Senioren ein wichtiges Anliegen.

Besonders aktivierende Effekte haben natürlich Hunde, da sie täglich spazierengeführt werden müssen. Sie eignen sich daher nur für Senioren, die noch einigermaßen fit sind. Die tägliche Bewegung an der Luft ist wie kaum etwas anderes geeignet, das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem zu stärken.

Seelisches Wohlbefinden

Mit einem Haustier fühlen sich Menschen weniger einsam. Du kennst das bestimmt selber – schon beim Aufschließen der Wohnungstüre freust du dich, dass da jemand auf dich wartet. Kaum streicht deine Samtpfote schnurrend um deine Beine, kaum begrüßt dich dein Hund fröhlich wedelnd, fällt der Arbeitsalltag von dir ab. Später entspannt ihr bei einem Kuschelstündchen auf dem Sofa, das fühlt sich einfach gut an. Gehörst du genauso wie ich zu den Menschen, die mit ihren Tieren reden? Das Gefühl von Einsamkeit kann dabei nicht aufkommen.

Ein alter Mann mit Mütze sitzt mit Tigerkatze auf dem Schoß in Wohnung.
Nie alleine – Haustiere bieten Gesellschaft für Senioren.

Bei Senioren, die häufig alleine leben, ist das ein wichtiger Faktor für Glück und Zufriedenheit. In Einsamkeit kann man versinken, das Leben wird grau und eintönig. Ein Tier ist ein lebendiges Gegenüber, ist immer da und interagiert mit seinem Menschen. Häufig bietet sein Verhalten Grund zur Freude und zum Lachen. Das tut gut und hebt nachhaltig die Stimmung. Die Gefahr der Depression wird so gemindert, das ist erwiesen.

Außerdem kann Hundehaltung soziale Kontakte begünstigen. Wieviel wahrscheinlicher ist es, auf Gesprächspartner zu treffen, wenn man täglich seine Wohnung verlässt, als wenn man hauptsächlich daheim bleibt? Als Hundehalter kennt man sich und grüßt sich. Die Hunde spielen, man freut sich gemeinsam darüber, kommt ins Erzählen und geht vielleicht ein Stückchen zusammen.

Aber auch andere Tiere können ähnliche Wirkungen haben. Eine Studie mit Wellensittichen in Seniorenheimen zeigte, dass die kleinen Vögel ein Anziehungspunkt für die Bewohner waren. Die Vogelhalter wurden häufiger besucht und auf ihre Tiere angesprochen. Mit Tieren gibt es immer ein Gesprächsthema, um unverfänglich und freundlich Kontakt aufnehmen zu können. Daraus können sich Freundschaften ergeben.

Besonders deutliche Wirkungen von Haustieren haben sich bei dementen Senioren gezeigt. Diese können nicht mehr selbstständig leben und ziehen sich immer mehr in sich selbst zurück. Tiere können bei ihnen Reaktionen hervorrufen, die sie ansonsten kaum noch zeigen. Die Erkrankten lächeln, wollen die Tiere berühren und nehmen manchmal sogar über diese wieder Kontakt zu Mitpatienten und Pflegepersonal auf. Interessante Studienergebnisse gab es zum Einsatz von Aquarien, deren Bewohner man ja nicht hautnah erleben kann. Dennoch erwiesen sich Aquarien als beliebter Treffpunkt in Wohneinrichtungen. Wurden sie in einem Esssaal aufgestellt, haben die Bewohner der Einrichtung durchschnittlich 200 g mehr gegessen. Auch das ist ein aktivierender Effekt und kann bei Demenzpatienten wichtig sein, da diese häufig unter Appetitlosigkeit leiden.

Ein Schwarm kleiner Goldfische vor einem kleinen Demo Wrack im Aquarium
Aquarien mit ihren bunten Bewohnern ziehen Menschen an und haben entspannende Wirkung.

Möglichkeiten zum Kontakt mit Tieren

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auch im Alter mit Tieren in Kontakt zu kommen. Nicht alle Senioren können mit einem eigenen Haustier zusammenleben. Vielleicht schaffen sie es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, selber ein Tier zu versorgen. Vielleicht sind sie in einer Wohneinrichtung untergebracht, die keine Tierhaltung erlaubt. Vielleicht sind es auch finanzielle Gründe, die es verhindern. Dennoch gibt es Möglichkeiten, das Zusammensein mit Tieren zu genießen.

Das eigene Tier

Echte Tierfreunde können es sich gar nicht anders vorstellen, als täglich den intensiven Kontakt zum eigenen Haustier zu genießen. Solange du auch im Alter noch fit genug bist, dein Tier artgerecht zu versorgen, ist das ja auch schön. Was jedoch, wenn du wackelig auf den Beinen wirst? Ist dann der ungestüme Junghund eine gute Wahl? Was wird aus deinem Tier, wenn sich dein Zustand plötzlich verschlechtert? Gerade im Alter gibt es einige spezielle Dinge zu bedenken, damit ein Zusammenleben gelingen kann und dein Tier für den Fall der Fälle aufgefangen wird.

In vielen Tierschutzvereinen/Tierheimen ist es deshalb für Menschen ab 65 aufwärts kaum mehr möglich, ein Tier vermittelt zu bekommen. Was schade ist, denn gerade Senioren haben mehr Zeit für ein Tier als jüngere Menschen. Wenn Tiere ausgewählt würden, die zur individuellen Lebenssituation passen, könnte das für beide Seiten eine große Bereicherung sein. Dies sagte sich auch Susanne Busch vom Verein Katzenschutz Bonn-Rhein-Sieg e. V. Sie bringt seit einigen Jahren alte Katzen mit alten Menschen zusammen – eine Win-win-Situation für beide Seiten. Im Alter noch einmal ein kuscheliges Zuhause bekommen, das ist für die sensiblen Samtpfoten aus dem Tierschutz wohl der größte Traum. Und ihre neuen Menschen genießen die vierbeinige Gesellschaft, kümmern sich gerne um die oft vernachlässigten Tiere, päppeln sie auf und verwöhnen sie. Wenn sie Fragen haben, können sie sich an den Verein wenden, ebenso, wenn ein Notfall eintritt. So haben alle etwas davon. Hier kannst du sehen, wie wunderbar das Projekt funktioniert.

Älteres Ehepaar kuschelt mit roter Langhaar-Katze.
Dreamteam – Senioren haben viel Zeit für ihre Tiere.

Ein weiteres tolles Projekt ist das Omihunde-Netzwerk. Der Verein platziert verwaiste Hundesenioren zu älteren Menschen in Dauerpflege, ist bei Fragen ansprechbar und steht auch für den Notfall zur Verfügung. So ist ein enges Zusammenleben möglich, aber die Versorgung der Tiere ist für den Fall der Fälle abgesichert.

Gassi-/Urlaubspatenschaft

Ich kenne in unserem Ort drei Senioren, die zwar selber kein eigenes Haustier mehr haben möchten, sich aber zeitweise um Tiere von anderen kümmern. Eine Dame, die früher Hunde und Katzen hatte, sagte mir:

„Es ist einfach eine Sache der Verantwortung. Wenn ich mir jetzt wieder einen Hund oder eine Katze anschaffen würde, könnte es sein, dass er/sie mich überlebt. Und was dann? Ich habe, als unsere letzte Katze starb, bewusst den Schnitt gemacht. Und nun führe ich eben die Nachbarshunde aus und kümmere mich in Ferienzeiten um die Katze einer Freundin.“

Natürlich ist es etwas anderes, sich um andere Tiere zu kümmern, als zuhause mit seinem eigenen Tier zusammenzuleben. Dennoch kann es eine gute Möglichkeit sein, solche Versorgergemeinschaften zu bilden.

Auch Tierheime und andere Tierschutzvereine freuen sich über ehrenamtlichen Einsatz als Katzenkuschelpaten, Hundegassigänger, Helfer auf Gnadenhöfen. Es lohnt sich, da einmal nachzufragen.

Tiere in Einrichtungen/Besuchstiere

Manche Altenheime arbeiten gezielt mit Tieren, um ihre Bewohner zu aktivieren und ihnen freudige Momente zu schenken. So gibt es Tiere, die in den Einrichtungen selber leben oder Besuchstiere, die regelmäßig mit ihren Besitzern die Einrichtungen besuchen. Das hat dann gesellig-therapeutische Aspekte und bietet den Senioren die Möglichkeit, zumindest zeitweise den Kontakt mit Tieren zu genießen.

In manchen Wohneinrichtungen für Senioren dürfen die eigenen Tiere bei Einzug mitgebracht werden. Auch entstehen immer mehr Wohnprojekte, bei denen ältere Tierbesitzer die Zielgruppe sind. Das verhindert, dass langjährige Mensch-Tier-Teams auseinandergerissen werden, was immer einen schlimmen Einschnitt bedeutet.

Wohin mit dem Tier im Krankheits-/Pflegefall?

Dennoch sollte sich jeder ältere Tierhalter Gedanken machen, was mit seinem Tier geschieht, wenn er es nicht mehr versorgen kann. Für vorübergehende Zeiten wie einen Krankenhausaufenthalt können evtl. Familienangehörige/Freunde angesprochen werden. Das sollte allerdings rechtzeitig geschehen und nicht erst dann, wenn der Notfall eintritt.

Mischlingshund an Kette hinter Zaun
Frühzeitig vorsorgen – das Tierheim sollte nur der allerletzte Ausweg sein.

Noch schwieriger wird es, wenn der Tierbesitzer zum Pflegefall wird oder verstirbt und ein Tier dauerhaft versorgt werden muss. Fast immer müssen sich Halter von besonders langlebigen Tieren wie Papageien oder Schildkröten mit diesen Fragen auseinandersetzen. Im Sinne des Tieres sollte aber jeder ältere Tierhalter soviel Verantwortungsgefühl besitzen, dass er entsprechend plant (wenn möglich auch finanziell), damit sein Tier abgesichert ist und nicht im Tierheim landet. Denn das ist für ein altes Tier ein doppelt schlimmer Schicksalsschlag und sollte immer nur der allerletzte Ausweg sein.

Entsprechende Verfügungen im Testament mit der Benennung von Übernahmepersonen oder eine Vorsorgevollmacht können hilfreich sein. Mehr dazu findest du bei Tasso „Vorsorge für den Notfall“ und weitere wertvolle Hinweise auch beim Omihunde-Netzwerk.

Fazit: Haustiere und Senioren – eine wertvolle Lebensgemeinschaft

Haustiere können das Leben von Senioren enorm bereichern und sie lange aktiv und fit halten. Wenn das Tier zum Menschen passt, ist es für beide Seiten ein schönes Miteinander. Immer häufiger werden deshalb Tiere auch gezielt in der therapeutischen Arbeit mit Senioren und in Wohneinrichtungen eingesetzt. In Privathaltung muss für den Fall der Fälle vorgesorgt werden, damit das Tier nicht unversorgt zurückbleibt.

Wie siehst du es selbst als Tierfreund: Kannst du dir vorstellen, im Alter ohne Tiere glücklich zu sein?

Erzähle uns gerne in einem Kommentar davon.


Bildcredit: (c) budabar - depositphotos.com


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Über Anja 89 Artikel
Ich bin Anja, ausgebildete Hundephysiotherapeutin und lebe seit vielen Jahren mit den verschiedensten Tieren/Tierarten zusammen. Aktuell mit zwei Hunden, einer Katze und zwei griechischen Landschildkröten. Außerdem habe ich mehrere Jahre für den Tierschutz Wildtierbabies, insbesondere Vögel und einige Würfe verwaister Katzenbabies aufgezogen.

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