Barfen – Zusammensetzung der Hundefütterung mit Liebe und Verstand

Verschiedene Hundefutter Sorten und frisches Fleisch umringt von Gemüsesorten
Barfen - Zusammensetzung der Hundefütterung mit Liebe und Verstand

Immer wieder gibt es Diskussionen um die richtige Ernährung unserer Hunde. Sind sie nun reine Fleischfresser, weil sie vom Wolf abstammen? Oder sind sie eher Allesfresser, weil sie schon so lange domestiziert sind und sich eher von Essensresten ernähren? Brauchen sie also Getreide oder ist es schädlich? Ist Barfen im Vergleich mit Nassfutter und Trockenfutter besser, gesünder, sinnvoller? Und was ist die ideale Zusammensetzung beim Barfing?

Neben einer Frau sitzen ein großer schwarzer und ein kleiner schwarzer Hund und schauen sie aufmerksam an
Ob groß oder klein, jung oder alt: jeder Hund braucht eine individuell auf ihn abgestimmte Ernährung.

Inzwischen sind immer mehr Hundebesitzer der Meinung, dass der beste Freund des Menschen eine artgerechte Ernährung verdient. Aber die Meinungen darüber, was „artgerecht“ bedeutet, gehen zum Teil weit auseinander. Fakt ist, dass jeder Hundebesitzer, egal ob Liebhaber, Sportler oder Züchter, ein aktives, zufriedenes Tier möchte. Gesunde Zähne oder glänzendes Fell sind da nur äußere Zeichen von richtiger Ernährung, Haltung und Pflege. Die Liebe zu deinem Tier, Geduld, Überlegung und Verantwortungsbewusstsein zeichnet dich als guten Hundebesitzer aus. Und dabei ist es selbstredend, dass jeder Hund seine individuelle Ernährung benötigt: Ein Schäferhund, der laufend trainiert und öfter an Prüfungen teilnimmt, braucht mehr als ein Zwergpudel, der überwiegend im Körbchen sitzt. Auch Welpen oder Zuchthündinnen benötigen ein gehaltvolleres Futter als z.B. ein 12-jähriger Malteser.

Barfen im Vergleich zu Nassfutter und Trockenfutter

Wer seinem Tier einfach nur irgendein Hundefutter in Form von Fertigfutter (nass oder trocken) bietet, hat es relativ einfach. Wenn du dabei das eine oder andere beachtest, kannst du nicht wirklich viel falsch machen.


Weitere Informationen dazu findest du auf unserer Seite zur Hundeernährung.


Trockenfutter lässt sich gut lagern, für unterwegs verwenden und ist leicht zu füttern. Feuchtfutter aus der Dose ist sterilisiert und somit hygienisch in Ordnung. Einmal geöffnet, muss es allerdings rasch verzehrt werden. Wegen des oft hohen Eiweißgehalts kann Nassfutter zu unangenehmen Überversorgungsreaktionen führen. Beachten solltest du auch die Qualität des Fertigfutter. Teure Futter sind zwar kein Garant für eine gute Qualität, aber das billigste Futter wird sicherlich keine sehr hohe Qualität bieten.


Eine Liste mit gutem Hundefutter, haben wir dir hier zusammengestellt.


Qualität und Relativität der Bestandteile sind für Hundehalter bei Fertigfutter oft nicht klar nachvollziehbar. Dies bringt eine gewisse Unsicherheit und viele Hundehalter zu der Überzeugung, dass Barfen mehr Sicherheit bietet. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten.


Die Meinung dreier Tierernährungsexperten und Tierärztinnen zum Barfen kannst du in diesem Artikel nachlesen.


Die Zutaten für eine natürliche Fütterung suchst du als Hundehalter selbst aus. Barfen bedeutet auf keinen Fall ausschließlich Fütterung von rohem Fleisch. Roh heißt Rohkost, dazu gehören Gemüse, Obst, Salat und Knochen ebenso wie Fleisch. Wer alles in der richtigen Darreichungsform, Menge und Qualität als frisches Hundefutter anbietet, ist auf dem besten Weg zum Barfing. Das Entscheidende ist, dass Du natürliche Fütterung mit Rohkost genau auf den jeweiligen Hund abstimmen kannst. Aktivität, Alter und Größe des Hundes sind dabei wichtige Kriterien. Je nach Bewegungslevel und Rasse ergibt sich die ideale, für den jeweiligen Hund nötige, Mischung. Alter, Ernährungszustand, Erkrankungen und spezielle Vorlieben deines Hundes lassen sich dabei sehr gut berücksichtigen. Die Anteile von Basisnährstoffen sind z.B. durch spezielle Schlachtabfälle, andere Fleischsorten, mit etwas Gemüse, Reis oder Nudeln leicht änderbar. Mit Barfen ist die Nährstoffversorgung dank frischer Zutaten für viele Hundehalter sinnvoller. Den etwas größeren Aufwand gleichen größere Sicherheit und mehr Zufriedenheit bei Mensch und Tier wieder aus.

Barfen für Katzen
Barf ist mehr als rohes Fleisch.

Hunde brauchen, wie wir Menschen auch, vor allem Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine als Basis der Ernährung. Verschiedene Fleischsorten, Innereien, Schlachtabfälle, Fisch, Nudeln, Reis sowie püriertes Gemüse und Obst sind dabei, neben Knochen, Lieferanten dieser Basisstoffe.

Informationen zu Fleischsorten und Innereien

Die Nährstoffversorgung eines Hundes mit Barfen profitiert von den Variationsmöglichkeiten die Barfing gegenüber Fertigfutter bietet. Dies zeigt sich besonders eindrucksvoll bei der Wahl der verschiedenen Fleischsorten. Gesundes Rohkostfutter sollte etwa 80% Fleisch und 20% Anteil an pflanzlichen Produkten enthalten. Fleisch enthält sehr viel Eiweiß (Protein). In Frischfleisch ist etwa doppelt so viel als in der Trockensubstanz enthalten. Muskelfleisch von diversen Tieren kann zum Barfing eingesetzt werden. Wenig Fett hat z.B. Antilopenfleisch, das für allergisch belastete Hunde empfehlenswert ist. Das gleiche gilt für frisches Lammfleisch. Putenfleisch ist ebenfalls recht mager und für leichtfutterige Hunde oder Diät geeignet. Kalbfleisch ist sehr mager und zart, wie z.B. auch Rindergulasch empfiehlt es sich als ideales Einstiegsfleisch für Barf Anfänger. Kängurufleisch ist besonders saftig und eine gute Abwechslungsmöglichkeit.

Muskelfleisch vom Pferd bringt weniger Eiweiß und Energie als Rindfleisch. Das Euter vom Rind enthält viel Calcium und Fett. Es eignet sich gut für Welpen und kranke Hunde. Schlundfleisch vom Rind kann als sehr bekömmliche und zarte Fleischsorte sogar Welpen und alten Hunden schmecken. Pferde- und Rinderherz sowie Rinderzunge sind zwar Innereien, zählen aber zum Muskelfleisch. Rohes Schweinefleisch ist wegen der Gefahr durch die Aujeszky Krankheit (tödlicher Ausgang) verboten.

10 verschiedene Schalen frisches Fleisch als Hundefutter
Inzwischen gibt es auch Geschäfte, die auf Barf spezialisiert sind

Lebenswichtige Stoffe wie Mineralien, Spurenelemente und Vitamine sind in diversen Innereien enthalten. Etwa 15% jeder Fleischportion für den Hund sollte deshalb aus Innereien bestehen. In Leber und Niere sind Biotin, Eisen, Kupfer und Vitamine (A und B) enthalten. Die Leber wirkt auch abführend, weshalb sie bei Knochengabe eine gute Ergänzung ist. Allerdings sollten Leber und Niere nur einmal wöchentlich gegeben werden, da auch schwer abbaubare Substanzen darin enthalten sind. Lunge und Milz, wie auch bei vorgenannten Innereien am besten von Geflügel oder Rind, sind arm an Fett und Kalorien. Diese beiden Organe bieten viel Eisen, sie sind aber nicht besonders gut verdaulich und sollten nur gelegentlich gefüttert werden.

Mägen von Kühen, Schafen oder Ziegen sind für Hunde wertvolle Lieferanten von Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. Diese Mägen von Wiederkäuern enthalten schon vorverdautes pflanzliches Futter mit vielen Vitaminen. Speziell der grüne Pansen enthält Vitamine (A, B 1-12, C, D und E) sowie pflanzliche Inhaltsstoffe wie z.B. Enzyme. Außerdem sind darin z.B. Calcium, Magnesium, Phosphor sowie Eisen, Jod und Zink enthalten. Zusätzlich liefert grüner Pansen noch reichlich Eiweiß. So kann jederzeit einmal pro Woche ein reiner Pansen-Tag eingelegt werden. Pansen vom Lamm sind für Allergikerhunde ein gute Alternative.

Was gehört sonst noch zum idealen Barfen?

Zu Beginn dieses Absatzes erst mal die Frage: „Woher weiß ich, dass mein Tier keine Über- oder Unterversorgung mit den einzelnen Nährstoffen erfährt?“ Denn allein Gewichtskontrolle und erster äußerlicher Eindruck genügen nicht. Mangelerscheinungen oder Erkrankungen wegen einem Überangebot an Stoffen manifestieren sich meistens erst sehr spät und dann mit unangenehmen Folgen. Daher solltest du dich vor einer Ernährungsumstellung intensiv informieren und die Blutwerte deines vierbeinigen Lieblings regelmäßig beim Tierarzt überprüfen lassen.

Mit einer Blutentnahme können so z.B. die Blutwerte Albumin oder Kreatinin bestimmt werden. Mit einem großen Blutbild zusammen verraten sie viel über den Zustand von Leber, Magen-Darm oder Niere. Auch Mineralien und Spurenelemente lassen sich mit einer Blutentnahme jederzeit bestimmen. So geht im Zweifelsfall der Überblick nie verloren und Hundehalter, die bewusst Barfen, können sofort mit entsprechender Menü-Zusammenstellung reagieren.

Blut, Knochen und Knorpel …

Blut, Knochen und Knorpel gehören offiziell zu Fleisch. Ebenso Fisch, der als Lieferant für die essentiellen Fettsäuren (Linolsäure), Jod und Vitamine einmal wöchentlich empfehlenswert ist. Mehr aber nicht, da spezielle in Fisch enthaltene Enzyme zu Vitamin B1-Mangel führen können. Als Fischersatz empfiehlt sich gelegentlich eine Gabe von Fisch- oder Nachtkerzenöl. Dies hilft, fettlösliche Vitamine gut aufzunehmen.

American Bulldog Welpe liegen mit Kauknochen
Manche Hunde reagieren empfindlich auf rohe Knochen.

Rohe Knochen sind ein wesentlicher Bestandteil des Barfens. Ihre Inhaltsstoffe wie Calcium, Eisen sowie Enzyme und Fett braucht jeder Hund. Knochen kauen ist eine gute Zahnpflege für Hunde. Dabei eignen sich Kalbs- und Rinderknochen sowie Rippen als gesunde Beschäftigungsnahrung. Je nach Größe des Hundes ist hier wieder Variabilität möglich. Da Knochen verstopfend wirken, bitte im Angebot nicht übertreiben. Knorpelteile wie z.B. diverse Luftröhren sind eine sinnvolle Alternative.

Da manche Hunde mit Erbrechen auf die Gabe von Knochen reagieren, solltest du dich langsam an die richtige Menge herantasten.

Gemüse, Getreide und Obst …

Gemüse, Getreide und Obst sind die weiteren Bestandteile einer gesunden Barf-Kost. Gemüse kann beispielsweise in Form von Fenchel, Gurke, Karotte, Salat, Sellerie oder Rettich auf dem Speiseplan stehen. Es kann püriert, aber auch in Stücken zum Einsatz kommen. Es gibt Hunde, die gerne mal eine Karotte als Knochenalternative knabbern.

Als Kohlenhydratlieferanten bieten sich bei Barf für Hunde Reis oder Nudeln an. Auch Haferflocken können gelegentlich mal beigemischt werden. Obst als wasserreiche, vitaminhaltige Energiequelle bietet deinem Hund eine willkommene Abwechslung. Äpfel, Ananas und Birnen sind z.B. reich an Ballaststoffen (Pektin), Vitaminen und Spurenelementen. Süße Früchte wie Brombeeren oder Himbeeren unterstützen mit hohem Vitamin C-Gehalt das Immunsystem des Hundes. Steinobst wie z.B. Aprikosen oder Kirschen bringen, natürlich entkernt, dem Hund Vitamin A (Augen) und Kalium (Muskeln, Nerven).

Avocados, Rosinen, Trauben und Zwetschgen sind nicht für Hunde geeignet. Wie z.B. auch bei der Fütterung von manchen Nüssen oder Bittermandeln treten Vergiftungserscheinungen auf.


Eine Auflistung solcher Lebensmittel findest du in diesem Artikel zum Selberkochen für Hunde.

Und in diesem Beitrag findest du Grüne für und wider die getreidefreie Hundefütterung.


Barfing – moderne, natürliche Fütterung für gesunde Hunde

Als Fazit lässt sich feststellen, dass durch Barfen eine sehr gute Nährstoffversorgung für deinen Hund sicher gestellt werden kann. Immer vorausgesetzt, dass du dich fachlich informierst und dich nicht scheust, dich beraten zu lassen.

Abschließend nochmals wichtige Vorteile des Barfens zusammengefasst:

  • Futter für den Hund lässt sich individuell zusammenstellen
  • Sicherheit durch gezielten Einkauf einwandfreier, geprüfter Zutaten
  • jederzeit Abwechslung im Speiseplan möglich
  • jederzeit mögliches, sofortiges Reagieren auf Über-oder Unterversorgung
  • glänzendes Fell, gesunde Zähne, weniger Ausdünstungen und Blähungen
  • weniger Absatz von Kot dank guter Futterverwertung

Viele Gründe also für dich als modern eingestellter Hundehalter, ein überzeugter Barfer zu sein oder zu werden. Wenn du einige Hinweise beachtet, wird es dein Hund dir danken mit guter Gesundheit und viel Lebensfreude.

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Bildcredit: (c) Lilli - Fotolia.com


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Über Sebastian 20 Artikel
Ich bin der IT-Fuzzi im Team. Ich kümmere mich um die Technik und dass die Webseite läuft. Ich hatte selber schon immer Haustiere. Ob Vögel, Katzen oder aktuell einen Hund, den wir in Portugal adoptiert haben. Ich beschäftige mich derzeit intensiv mit der Hundeerziehung.

2 Kommentare

  1. Danke für die guten Tipps zum günstigen Barfen mit Fleisch. Eine Bekannte kennt sich mit Barfen schon recht gut aus. Ich recherchiere noch etwas dazu, da ich nichts falsch machen möchte.

    • Hallo und gern geschehen!
      Ja, bevor man auf Barfen umstellt, sollte man sich intensiv damit auseinandersetzen, was der Hund alles braucht. Damit es nicht irgendwann zu Mangelerscheinungen kommt.
      Viel Spaß dabei 🙂
      Steffi

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