Das Aujeszky-Virus und das Barfen – Gefahr oder Mythos?

Ein Minni-Schwein und ein Bernhardiner-Welpe auf einer Wiese
Das Aujeszky-Virus wird vom Schwein auf den Hund übertragen.

Wir wünschen unseren Vierbeinern immer nur das Beste und so soll es auch bei der Fütterung sein. Immer mehr Menschen greifen deshalb zur Barf-Fütterung – eine Fütterung, die zum größten Teil aus rohem Fleisch besteht. Der Barf-Trend verspricht, dass Hund und Katze wieder naturgetreuer gefüttert werden. Wie jede Fütterungsmethode hat aber auch die Rohfütterung ihre Vor- und Nachteile. Eines der Nachteile ist das Aujeszky-Virus. Ein Virus, das dem Tier das Leben kostet.

Was steckt hinter der Gefahr Aujeszky-Virus?

Das genannte Virus gehört in die Kategorie Herpesvirus, dessen Hauptwirt das Schwein ist. Genannt wird das Virus auch Suid Herpes Virus 1 oder Schweine Herpes Virus Typ 1. Die Symptome beim Schwein sind sehr vielseitig: Es kann zu Atembeschwerden, Fehlgeburten oder zentralnervösen Störungen kommen. Zu beachten gilt: Besonders die Körperflüssigkeiten der Schweine, wie Scheidenausfluss, Sperma und Nasensekret sind hochinfektiös, ebenso wie die Überreste der Fehlgeburten.

Oft tragen infizierte Schweine das nicht aktive Virus ein Leben lang in sich. Das Virus kann dabei aber immer wieder aktiviert werden – oft ist Stress der Auslöser. Nach der Aktivierung pflanzt das Virus sich fort und wird über den Speichel ausgeschieden. Die meisten Schweine überleben die Erkrankungen, Hunde und Katzen sind aber Endwirt für das Virus. Für sie endet die Erkrankung innerhalb weniger Tage tödlich.

Symptome bei Hund und Katze

Hunde und Katzen sind für das Virus der Endwirt und es kommt zu einer Gehirn- und Rückenmarksentzündung. Die ersten Symptome treten schnell, oft schon nach nicht einmal zwei bis maximal fünf Tagen auf. Am Anfang zeigt sich die Erkrankung meist durch ein verändertes Verhalten: Der Hund oder die Katze sind aggressiver und neigen zur Unruhe. Aber auch ein plötzlich träges und angeschlagenes Wesen kann ein erstes Anzeichen für das tückische Virus sein. Besteht Verdacht auf das Virus, musst du unmittelbar mit deinem Tier zum Tierarzt gehen. Beim Fortschreiten der Krankheit kommt es neben Erbrechen und Durchfall zu verstärktem Speichelfluss. Weiter ist starker Juckreiz ein Symptom der Krankheit. Besonders der Bereich um Nase und Ohren ist hierbei betroffen. Oft tritt neben dieser Symptome auch Fieber und ein stark erhöhter Puls auf.

Ein Hund liegt auf einem Tisch und wird von einem Tierarzt behandelt
Bei den ersten Symptomen sollte man schnellstmöglich zum Tierarzt.

Im weiteren Verlauf kommt es zu neurologischen Störungen wie Krämpfe, Muskelzuckungen oder Lähmungen: Das Endstadium der Krankheit. Innerhalb von zwei, teilweise auch bis zu fünf Tagen, nach den ersten Symptomen verstirbt das infizierte Tier in der Regel. Die Erkrankung wird auch als Pseudowut bezeichnet.

Wir Menschen brauchen uns vor dem Virus übrigens nicht zu fürchten, da Menschen und Primaten sich nicht anstecken können.

Ist das Aujeszky-Virus behandelbar?

Leider ist die Antwort auf diese Frage ein deutliches „Nein“. Ist ein Tier erst infiziert, geht die Krankheit mit Sicherheit tödlich aus. Sollte dein Hund oder deine Katze also die Symptome zeigen und der Tierarzt das Virus feststellen, bleibt ihm nur noch eine Möglichkeit: Das Tier vor dem Leid, was ihm bevorsteht, zu erlösen.

Denn bis heute gibt es kein Mittel gegen das Aujeszky-Virus. Zudem ist es dem Tierarzt gesetzlich untersagt, dein Tier gegen die Krankheit zu behandeln, da es sich bei dem Aujeszky-Virus um eine Seuche handelt. Um eine Ausbreitung zu verhindern, werden Tiere, die unter Verdacht stehen, das Virus in sich zu tragen, umgehend getötet – auch in der Landwirtschaft.

Auch wenn dieser Schritt sehr hart klingt, musst du bedenken, dass es durch die strengen Maßnahmen gelungen ist, dass das Virus in Deutschland so gut wie gar nicht mehr vorkommt. Seit 2003 gilt Deutschlands als Aujeszky-Virus frei. Jedoch konnte der Erreger 2004 bei importiertem Fleisch nachgewiesen werden. Besonders bei importiertem Fleisch muss immer damit gerechnet werden, dass es infiziert sein könnte. Zudem gilt zu beachten, dass nicht immer ersichtlich ist, woher das Fleisch kommt, weshalb auf eine Rohverfütterung von Schweinefleisch generell verzichtet werden sollte.

Ein Hund nähert sich einem Wildschwein im Wald
Auch Wildschweine können das Virus in sich tragen.

Einen Impfstoff gibt es für Hunde und Katzen leider nicht. Nur Schweine können geimpft werden, wobei der Impfstoff nicht vor der Infektion, sondern nur vor den Symptomen schützt, weshalb eine Impfung in Deutschland nicht mehr stattfindet, da Träger des Virus so schlechter erkannt werden können.

Wie kannst du deinen Hund vor Aujeszky schützen?

Um deinen Hund, oder auch deine Katze, vor dem Virus zu schützen, gibt es nur eine Möglichkeit: Füttere deinen Hund nicht mit rohem Schweinefleisch. Auch wenn das Virus in Deutschland lange nicht mehr nachgewiesen wurde, bleibt das Risiko, dass ein Schlachtschwein sich mit dem Virus infiziert hat, bestehen. Denn auch ein geringes Risiko ist ein Risiko, dass besonders bei einem so tragischen Krankheitsverlauf nicht beiseite gekehrt werden sollte. Auf das Verfüttern von rohem Schweinefleisch solltest du also unbedingt verzichten. Weiter sollte der Kontakt mit Wildschweinen vermieden werden: Auch sie können das für Hunde tödliche Virus in sich tragen.

Geht es dir aber in erster Linie nicht um die Rohfütterung und möchtest du deinem Hund nur ein Stück von deinem Schnitzel abgeben oder ihn mit gekochtem oder gebratenem Schweinefleisch füttern, besteht die Gefahr nicht: Ausreichend Hitze ab 70 °C tötet das Virus verlässlich ab.

Oft begegnet uns rohes Schwein auch an Orten, an denen wir es gar nicht erwartet hätte: Zum Beispiel im Fachhandel für Haustiere. Denn auch getrocknete Schweineohren oder andere Knabbersachen, die mit rohem Schwein hergestellt wurden, können die Krankheit prinzipiell übertragen, wenn sie nicht über 70 °C erhitzt worden sind.

Jack Russel Terrier mit einem Hundeknochen
Auch über Schweineohren und andere Knabbereien können Hunde sich grundsätzlich anstecken.

Risikofrei Barfen

Da das Problem des Aujeszky-Virus sich auf rohes Schweinefleisch bezieht, sind vor allem Anhänger der Barf-Fütterung von dem Risiko betroffen. Dabei kannst du deinen Hund mit Barf gut ernähren, solange du dies mit viel Hintergrundwissen und bedarfsgerecht tust. Auf Schweinefleisch solltest du bei der Rohfütterung jedoch verzichten – und da es zahlreiche andere Fleischsorten gibt, sollte das auch für Barf-Anfänger kein Problem darstellen. Was du beim Barf noch zu beachten hast und ob die Rohfütterung so gut ist, wie ihr Ruf, erfährst du in diesem Artikel „Wie gut ist Barfen tatsächlich?“.

 

Weiterführende Informationen und Quellen:

 

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Bildcredit: (c) Grigorita Ko - Fotolia.com


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Über Louisa 39 Artikel
Ich bin als freie Journalistin tätig und freue mich sehr darüber hier über Themen rund ums Tier schreiben zu können. Seit ich denken kann beschäftige ich mich mit Tieren und hatte schon einige als Mitbewohner. Meine Leidenschaft für Tiere habe ich auch in meinem Philosophie-Studium verfolgt und mich umfassend mit dem Thema Tierethik beschäftigt.

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