Magendrehung beim Hund

Magendrehung Hund
Im Fall einer Magendrehung kann nur ein Tierarzt helfen.

Eine Magendrehung beim Hund ist eine ernste Erkrankung vor der sich viele Hundebesitzer fürchten: Ohne vorherige Anzeichen verdreht sich der Magen des Hundes – ein Vorfall, der tödlich ausgehen kann. Da es in einem solchen Fall besonders wichtig ist, schnell zu reagieren, sollte jeder Hundebesitzer die Symptomatik kennen. In diesem Artikel erfährst du, was eine Magendrehung ist, wie du sie erkennst und wie du am besten handelst.

Was ist eine Magendrehung und wie wird sie ausgelöst?

Der Magen des Hundes ist im Bauchraum durch zwei Punkte fixiert. Dabei ist der Hundemagen nicht schlauch- oder kugelförmig, sondern weist die Form eines asymmetrischen Beutels auf.

Kommt es zu einer Magendrehung, dreht sich der Magen deines Hundes um seine eigene Achse, wodurch der Magenein- und Ausgang und die ankommende und abgehende Blutgefäße abgeschnürt werden. Die abgeschnürten Blutbahnen belasten den Kreislauf und durch die geschlossenen Magenöffnungen stauen sich Gase im Bauch des Hundes an. Der Bauch ist aufgebläht und hart. Da kein Blut mehr in den Magen gelangt, wird das Gewebe geschädigt und stirbt ab. Wird der Hund nicht rechtzeitig behandelt, kann die Magenwand dem Druck nicht mehr standhalten und wird undicht. Kommt es nicht frühzeitig zu einer Notoperation, führt eine Magendrehung  innerhalb weniger Stunden zu einem qualvollen Tod.

Ist mein Hund gefährdet?

Zwar sind besonders mittelgroße und große Hunde mit einem tiefen Brustkorb von einer Magendrehung betroffen, Besitzer kleinerer Hunde sollten sich aber nicht zu sicher fühlen: Auch Dackel, Beagle und Co können an der nicht selten tödlich verlaufenden Krankheit leiden. Immerhin 30 % der Magendrehungen werden bei kleinen bis mittelgroßen Rassen diagnostiziert.

Besonders vorsichtig sollten aber Hundebesitzer sein, wenn ihr Hund zum Beispiel den Rassen Deutsche Dogge, Deutsche Schäferhund, Boxer, Dobermann, Irish Wolfhound, Hovawart, Setter, Königspudel, Neufundländer oder Bernhardiner angehört. Diese sind von einer Magendrehung besonders häufig betroffen.

Eine Dogge schläft auf einem Sofa
Deutsche Doggen sind leider besonders häufig von Magendrehungen betroffen

Ein weiterer Risikofaktor ist das Alter: Die Magendrehung wird vermehrt bei älteren Hunden beobachtet. Doch auch hier gilt, dass Besitzer junger Hunde mit einer Magendrehung rechnen müssen. Die Erkrankung tritt zwar vermehrt bei älteren Hunden auf, kann aber auch junge Hunde oder sogar Welpen treffen.

Symptome: So erkennst du eine Magendrehung

Um eine Magendrehung möglichst früh zu erkennen, solltest du auf folgende Symptome achten:

  • Hecheln, Stöhnen und starkes Speicheln
  • Unruhe, dein Hund findet keine angenehme Position, er möchte hinaus
  • dein Hund versucht zu erbrechen, bleibt jedoch erfolglos
  • er läuft gekrümmt, nimmt die sogenannte Sägebockhaltung ein
  • der Bauch hinter den Rippen bläht sich auf und verhärtet, Atemnot ist die Folge
  • der Hund ist schwach, wirkt apathisch

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommen diese Symptome hinzu:

  • verblasste Schleimhäute
  • eine erhöhte Pulsfrequenz
  • Herz- und Kreislaufprobleme

Dass dein Hund vergebens versucht sich zu übergeben, ist ein recht deutliches Anzeichen und tritt in den meisten Fällen einer Magendrehung auf. Die Speiseröhre ist durch die Magendrehung zugeschnürt, weshalb ein Erbrechen nicht mehr möglich ist. Trinkt dein Hund in diesem Zustand etwas, erbricht er das Wasser binnen kürzester Zeit wieder. Meist legen sich von einer Magendrehung betroffene Hunde auch kurz hin, um sofort wieder aufzustehen – eine bequeme Position kann nicht gefunden werden.

Die Aufblähung des Magens kannst du gut von außen erkennen und auch fühlen. Dabei nehmen der vordere wie auch hintere Teil des Bauchraumes erheblich an Volumen zu. Klopfst du leicht auf die hinteren Rippen oder den prallen Bauch, kannst du ein hohles Geräusch vernehmen – ähnlich einer Trommel. Bedingt durch die zunehmende, sich verschlechternde Kreislaufsituation, treten starke Unruhe und zuletzt Teilnahmslosigkeit auf. Der Puls deines Hundes erhöht sich sehr schnell und lässt sich zum Teil kaum noch fühlen.

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Apathie kann ein Anzeichen für eine Magendrehung sein.

Innerhalb von einer halben bis einer Stunde können sich das Leben deines Hundes bedrohende Zustände entwickeln. Dies äußert sich unter anderem darin, dass er Hund nicht mehr stehen oder gehen kann.

Dein Hund hat eine Magendrehung: So solltest du dich verhalten

Zeigt dein Hund Anzeichen, dass sein Magen sich verdreht hat, musst du ihn unmittelbar zu einem Tierarzt bringen. Nur durch eine zeitnahe Notoperation kann dein Vierbeiner gerettet werden. Wird die Magendrehung nicht rechtzeitig behandelt, geht sie tödlich aus – und das schon innerhalb weniger Stunden. Tierarzt Ralph Rückert verdeutlicht auf der Website seiner Kleintierpraxis Tierarzt Ruecker Homepage:

Man kann als Faustregel festlegen, dass ab dem Moment, in dem Sie bei Ihrem Hund diese Symptome feststellen, das Sterberisiko jede Minute um ein Prozent zunimmt.

Trotz des möglichen tragischen Verlaufs der Krankheit gilt es, die Ruhe zu bewahren: Der erste Schritt sollte sein, die Praxis der Wahl anzurufen und sicherzugehen, dass deinem Hund sofort geholfen werden kann. Weiter musst du deinen Hund schnellstmöglich in ein Auto bringen, denn je weiter die Krankheit voranschreitet, desto weniger kann sich der Hund allein bewegen – gerade bei großen und schweren Hunden kann dies zu einem Problem werden.

Besonders Menschen, die einen Hund mit einem hohen Magendrehrisiko besitzen, sollten immer mindestens drei Telefonnummern von Tierärzten parat haben, bei denen ihr Hund auch in der Nacht innerhalb kürzester Zeit operiert werden kann. Erkundige dich am besten im Voraus, ob die Praxen auch zu später Stunde schnell reagieren können, um für den Notfall gewappnet zu sein.

So wird die Magendrehung behandelt

In der Praxis muss es schnell gehen, daher wird der Tierarzt im ersten Moment nicht die Zeit haben in Ruhe auf deine Fragen einzugehen. In der Regel wird zuerst der Kreislauf des Hundes durch eine Infusion stabilisiert. Weiter wird der Tierarzt einem aufgeblähten Bauch Abhilfe schaffen, indem er mit einer speziellen Spritze durch die Bauchdecke sticht. Anhand einer Röntgenaufnahme kann der Tierarzt sich Gewissheit verschaffen, dass es sich um eine Magendrehung handelt.

Heller Labrador bekommt Infusionen vom Tierarzt
Eine Infusion stabilisiert den Kreislauf des Hundes.

Auf die Stabilisierung folgt eine möglichst zeitnahe Operation. Der Bauch des Hundes wird geöffnet und der Magen wieder in die richtige Position gebracht. Weiter wird dein Tierarzt den Magen entleeren und spülen. Wie es danach weiter geht, hängt ganz davon ab, ob Teile des Magens oder die Milz durch schlechte Durchblutung geschädigt wurden. Sind die Organe unversehrt, wird dein Hund wieder zugenäht. Dabei wird ein Teil der Magenwand an der Bauchwand befestigt, um eine erneute Magendrehung zu verhindern. Diesen Eingriff nennt man Gastropexie. Obwohl die meisten Tierärzte eine Gastropexie nach einer Magendrehung durchführen, solltest du den Wunsch nach einer solchen kundtun.

Ist die Milz oder Teile der Magenwand bereits abgestorben, wird der Tierarzt diese entfernen müssen, wodurch sich die Zeit im OP verlängert und die Überlebenschancen des Hundes deutlich sinken.

Auch nach der Operation kann dein Hund noch innerhalb weniger Tage an den Folgen der Magendrehung sterben. Eine intensive Beobachtung, Pflege und Nachkontrolle sind in den ersten Tagen wichtig, weshalb es sinnvoll ist, dass dein Vierbeiner beim Tierarzt bleibt. Sind die ersten Tage überstanden, ist eine vollkommene Genesung wahrscheinlich.

Die Sterberate bei einer Magendrehung bewegt sich, je nach Quelle, zwischen 15 und 45 Prozent. Eine dabei wichtige Rolle spielt die Zeit: Je früher der Hund behandelt wird, desto besser sind seine Überlebenschancen.

Kann ich einer Magendrehung vorbeugen?

Bis heute sind die Ursachen einer Magendrehung nicht abschließend geklärt und vorbeugende Maßnahmen gibt es kaum. Um das Risiko einer Erkrankung aber zu verringern, ist es wichtig, dass du deinen Hund nicht einmal am Tag eine große Mahlzeit fütterst, sondern lieber mehrmals am Tag, dafür aber kleinere Portionen.

Weiter gibt es die Theorie, dass es helfen soll, wenn du deinen Hund nicht direkt vor einem Spaziergang fütterst: Mit vollem Magen zu toben könne eine Magendrehung begünstigen. Zudem steht Stress als Auslöser unter Verdacht – dieser sollte vermieden werden. Besonders beim Fressen. Ob diese Ursachen aber tatsächlich eine Magendrehung hervorrufen oder begünstigen ist nicht erwiesen, es handelt sich also lediglich um Theorien. Wissenschaftlich sind diese nicht belegt.

Für Besitzer einer stark gefährdeten Rasse gibt es die Option, prophylaktisch eine Gastropexie durchführen zu lassen: Der Magen des Hundes wird hier an seine Bauchwand genäht, obwohl er zuvor nicht an einer Magendrehung gelitten hat. Da auch familiäre Faktoren eine Rolle spielen können, lohnt sich dieser Eingriff möglicherweise, wenn die Eltern deines Hundes schon an einer Magendrehung litten. Ob eine prophylaktische Gastropexie bei deinem Hund sinnvoll ist, solltest du mit deinem Tierarzt besprechen.

Ein Hund, der seinen Kopf auf eine ausgestreckte Hand gelegt hat
Sollte Dein Hund an einer Magendrehung leiden ist schnelles Handeln gefragt.

Eine Magendrehung ist also eine ernstzunehmende Notfallsituation, bei der unmittelbar gehandelt werden muss. Nur eine schnelle Reaktion von dir und dem behandelnden Tierarzt kann Schlimmeres vermeiden, weshalb es wichtig ist, Symptome zu kennen und auch in der Nacht immer zu wissen, wo man im Fall der Fälle einen Tierarzt erreichen kann. Zeit ist bei einer Magendrehung der entscheidende Faktor.

 

Hatte dein Hund schon einmal eine Magenumdrehung?

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Weiterführende Informationen und Quellen:


Bildcredit: adam121 - Fotolia.com


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Über Louisa 46 Artikel
Ich bin als freie Journalistin tätig und freue mich sehr darüber hier über Themen rund ums Tier schreiben zu können. Seit ich denken kann beschäftige ich mich mit Tieren und hatte schon einige als Mitbewohner. Meine Leidenschaft für Tiere habe ich auch in meinem Philosophie-Studium verfolgt und mich umfassend mit dem Thema Tierethik beschäftigt.

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