Kaltblüter: Die sanften Riesen

Sanft, friedlich, ausgeglichen - die riesigen Kaltblüter

Wenn du dich schon etwas mit Pferden beschäftigt hast, werden dir sicher Bezeichnungen wie „Vollblut“ oder „Warmblut“, „Pony“ und „Kaltblüter“ über den Weg gelaufen sein. Denn Pferde werden, abhängig von ihrem Temperament und ihrer Erscheinung, in verschiedene Oberkategorien eingeteilt. Dabei hat jede Gruppe ihre speziellen Eigenschaften. Im folgenden Text bekommst du eine Übersicht über Kaltblüter und erfährst was sie ausmacht und für welchen Zweck sie gezüchtet wurden.

Temperament und Aussehen

Wenn man die Bezeichnung „Kaltblut“ hört, könnte man meinen, dass die Pferde besonders kaltes Blut haben. Doch die Bezeichnung hat tatsächlich nichts mit der Körpertemperatur der Tiere zu tun. Diese liegt wie bei allen anderen Pferden bei ca. 38 °C liegt. Vielmehr bezieht sich der Name auf das Wesen, also das Temperament der robusten Tiere.

Kaltblüter, die freundlichen, ruhigen Riesen
Kaltblüter haben ein sehr freundliches und ruhiges Wesen.

Denn Kaltblüter sind, entgegen der Warm- und Vollblüter, sehr gelassene und entspannte Tiere. Sie sind nicht so schreckhaft, dafür aber sehr freundliche und ruhige Zeitgenossen. Eigenschaften, die vor allem wegen ihrer Verwendung als Arbeitstiere von großer Wichtigkeit waren: Die Arbeitspferde mussten ausgeglichene Tiere sein, auf die man sich verlassen kann. Nervöse Pferde, die schnell in Panik geraten, waren hier fehl am Platz. Neben ihrem ruhigen Charakter zeichnen sich die robusten Riesen auch durch ihre Gutmütigkeit und Gelehrigkeit aus.

Neben dem Wesen zeichnen Kaltblüter sich natürlich auch durch ihr Erscheinungsbild aus: Die Pferde sind sehr massiv und stämmig gebaut. Dem Körper sieht man ihre Verwendung in der Landwirtschaft förmlich an: Ein muskulöser, kräftiger und schwerer Körperbau sorgt für die Arbeitskraft, die auf dem Feld vonnöten ist. Neben dem kräftigen Körper haben Kaltblüter auch oft einen sehr großen, stämmigen Kopf und Behang an den Hufen.

Auch die größte Pferderasse der Welt ist ein Kaltblut: Das Shire Horse. Das Stockmaß, also der höchste Punkt des Widerrists, der Riesen kann in Einzelfällen bis über 2 Meter werden. In der Regel bewegt sich das Stockmaß des Shire Horses aber um 1,80. Dabei bringen die Riesen auch ordentlich was auf die Wage: Zwischen 1.000 und 1.500 kg kann ein Shire Horse schon mal wiegen.

Fohlen und Shire Horse, die größte Pferderasse der Welt
Die größte Pferderasse der Welt: Das Shire Horse

Geschichte und Herkunft

Vermutlich schon vor über 6.000 Jahren domestizierten die Menschen wilde Pferde und fingen weniger später auch mit der Züchtung an. Wann genau die ersten Kaltblüter gezielt gezüchtet wurden, ist aber nicht bekannt.

Die Aufgaben des Kaltbluts

Das Kaltblut wurde früher vor allem als Arbeitstier in der Landwirtschaft genutzt. Die Arbeit, die heute von Maschinen ausgeübt wird, wurde früher fast gänzlich von den kräftigen Vierbeinern übernommen: Vor einem Pflug gespannt lockerten sie die Felder auf und mit der Kutsche transportieren sie Lebensmittel und Rohstoffe. Auch in der Forstwirtschaft dienten die Kaltblüter als Arbeitstiere und zogen die gefällten Baumstämme aus den hintersten Tiefen der Wälder. Im Mittelalter wurden die kräftigen Pferde zudem während der Kriege und Kämpfe eingesetzt, da sie die Ritter auch mit ihrer schweren Rüstung problemlos tragen konnten.

Die perfekten Arbeitspferde, Kaltblüter
Der kräftige Körper eignet sich bestens für Feldarbeit.

Heute wurden die arbeitswilligen Kaltblüter zum großen Teil von Maschinen ersetzt, da man Maschinen weder ausbilden, noch wegen Krankheit oder Erschöpfung ausfallen lassen muss. Ein Umstand, der dazu führte, dass einige Kaltblutrassen vom Aussterben bedroht waren und teilweise noch immer sind. Erst Liebhaberzuchten haben dazu geführt, dass einige Rassen sich wieder fest etablieren konnten. Rassen wie das Süddeutsche Kaltblut oder der Noriker stehen jedoch noch immer auf der Liste der gefährdeten Nutztierrassen.

Die Kaltblüter werden heute vor allem als Show- und Freizeitpferde genutzt. Durch ihr ruhiges und freundliches Wesen eignen sie sich gut für Familien und Pferdeanfänger. Doch auch in manchen wirtschaftlichen Bereichen werden die Pferde noch immer gebraucht: Sie sind deutlich wendiger als Maschinen und können auch auf sehr unebenen und stark bewachsenen Waldgebieten arbeiten, weshalb sie in der Forstwirtschaft noch immer dazu verwendet werden, Baumstämme aus den tiefen Wäldern zu ziehen.

Kaltblüter als Kutschpferde, toll für Feste und Umzüge.
Auch auf traditionellen Festen werden Kaltblüter gerne für Umzüge verwendet

Eine weitere, nicht ganz so schöne Verwendung der stämmigen Pferde ist die des Schlachtpferdes. Der kräftige Körper eignet sich gut zum Masten und verspricht hohe Fleischerträge. Besonders die Kaltblutrasse Ardenner wird oft wegen seines Fleisches gezüchtet.

Rassen

Weltweit gibt es 36 Kaltblutrassen. Die wichtigsten sind:

  • Ardenner
  • Clydesdale
  • Bretone
  • Italienisches Kaltblut
  • Jütländer
  • Mecklenburger Kaltblut
  • Noriker
  • Percheron
  • Pferderassen
  • Rheinisches Kaltblut
  • Shire Horse
  • Süddeutsches Kaltblut

Nach und nach wirst du auf unseren Pferderasseseiten Informationen zu jeder dieser Kaltblutrassen finden. Wiederkommen lohnt sich also!

Direkt zum 2. Teil unserer Pferderassen Serie gelangst Du hier: Edel, temperamentvoll und athletisch – die Vollblüter. und mit einem Klick auf diesen Link, Warmblüter, die vielseitigen Gefährten gelangst Du auf schnellstem Wege zum 3. Teil. Möchtest Du mehr über Ponys erfahren? Dann ist der 4. und letzte Teil unserer Serie für Dich genau richtig Ponys und Kleinpferde, die robusten Zwerge

 

Was sagst du dazu? Hast du schon Erfahrungen mit Kaltblütern gemacht? Hast du Anregungen oder Fragen?

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Quellen und weiterführende Links:


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Bildcredit: (c) Nadine Haase - Fotolia.com

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Über Louisa Wittek 13 Artikel
Ich bin als freie Journalistin tätig und freue mich sehr darüber hier über Themen rund ums Tier schreiben zu können. Seit ich denken kann beschäftige ich mich mit Tieren und hatte schon einige als Mitbewohner. Meine Leidenschaft für Tiere habe ich auch in meinem Philosophie-Studium verfolgt und mich umfassend mit dem Thema Tierethik beschäftigt.

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