Was sind eigentlich Listenhunde?

Drei braune American Staffordshire Terrier
Der American Staffordshire Terrier zählt zu den Listenhunden

In Deutschland leben ungefähr sieben Millionen Hunde zusammen mit Menschen. Das ist eine ganze Menge. Jeder einzelne Hund ist gewissermaßen bewaffnet. Nicht mit einer Pistole oder einem Messer, sondern mit seinem Gebiss. Durch Unwissenheit der Besitzer oder durch falsche Haltung passiert es immer wieder, dass Hunde zubeißen. Im besten Fall entstehen dabei lediglich ein paar Kratzer, im schlimmsten Fall kann so eine Beißattacke jedoch auch tödliche Folgen haben. Im Jahr 2000 ist ein Kind bei einem Angriff durch zwei Hunde ums Leben gekommen. Dies war der ausschlaggebende Moment dafür, dass in Deutschland eine Rasseliste eingeführt wurde.

Welche Rasselisten es gibt und ob Listenhunde wirklich gefährlicher sind als andere, das erfährst du in diesem Beitrag.

Was sind Rasselisten und welche gibt es?

In einer Rasseliste werden Hunderassen aufgeführt, die als gefährlich eingestuft werden. Diese in der Liste genannten Hunderassen werden auch als Listenhunde bezeichnet. Wer einen solchen Hund halten möchte, muss bestimmte Auflagen erfüllen. Einige Hunde, die auf der Rasseliste aufgeführt sind, dürfen grundsätzlich nicht mehr nach Deutschland eingeführt werden. Dazu zählen zum Beispiel der American Pitbull Terrier, der American Staffordshire Terrier, der Bullterrier, der Staffordshire Bullterrier und Mischlinge dieser Rassen.

Ein weiß-roter Bullterrier steht auf einer Wiese
Die Haltung eines Listenhundes ist mit Auflagen verbunden

Würde es nur eine einzige Rasseliste geben, wäre das Ganze noch recht überschaubar. In Deutschland ist es aber so, dass es verschiedene gibt.

Warum gibt es verschiedene Rasselisten?

Die Rasseliste des Bundes regelt länderübergreifend, welche Hunde nicht oder nur mit Auflagen nach Deutschland eingeführt werden dürfen. Darüber hinaus hat jedes Bundesland eine eigene Rasseliste. Eine Ausnahme bilden Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Dort wurden die Listen wieder abgeschafft.

Das Ziel der Rasselisten ist es, die Bevölkerung vor Hundeangriffen zu schützen. Dazu wurden Einschränkungen und Auflagen mit der Haltung bestimmter Hunderassen verbunden.

Schwierig an diesen Listen ist, dass sich sowohl die Hunderassen unterscheiden als auch deren Kategorisierungen. In manchen Bundesländern wird bei den Rassen zwischen gefährlich und weniger gefährlich differenziert, in anderen nicht. Im einen Bundesland steht eine Rasse auf der Liste, im anderen nicht. So steht der Dobermann in Brandenburg auf der Rasseliste, in den anderen Bundesländern nicht.

Wenn du selber einen Listenhund hast und innerhalb Deutschlands umziehen willst, solltest du dich über die jeweiligen Verordnungen gut informieren. Das gleiche gilt, wenn du mit einem Listenhund Urlaub machen möchtest und unsicher bist, welche Regelungen vor Ort gelten.

Seitliches Portrait eines American Staffordshire Terrier mit Maulkorb
Auch innerhalb Deutschlands gelten unterschiedliche Regelungen

Auflagen für Listenhunde

Abhängig von der jeweiligen Rasseliste sind mit der Haltung von Listenhunden Auflagen und Einschränkungen verbunden. Diese alle im Detail aufzuführen, ist kaum möglich.

Wenn du einen sogenannten Listenhund aufnehmen möchtest, können – je nach Rasse und Liste – diese Auflagen gelten:

  • Sachkundenachweis des Hundehalters
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Maulkorb- und Leinenpflicht in der Öffentlichkeit
  • Wesenstest
  • Kennzeichnungspflicht an Grundstücken, Haus- oder Wohnungstüren mit einem „Vorsicht Hund“ Schild
  • Erlaubnis zur Haltung durch die Gemeinde
  • Du benötigst eine Hundehaftpflichtversicherung
  • Der Hund darf nicht mit zu öffentlichen Veranstaltungen, z.B. einem Fest, mitgenommen werden.
  • eine erhöhte Hundesteuer

Die Hundeverordnungen der Bundesländer

In den Bundesländern NiedersachsenSchleswig-Holstein und Thüringen wurden die Rasselisten abgeschafft. In ihnen gelten alle Hunde als gefährlich, die in einen Beißvorfall verwickelt gewesen sind, unabhängig von ihrer Rasse.

American Bulldog Welpe steht auf Wiese
Bestimmte Rassen dürfen nicht nach Deutschland eingeführt werden.

Rasselisten in anderen Ländern

Deutschland ist nicht das einzige Land mit einer Rasseliste. Auch andere Länder haben eine solche Unterteilung, in der potentiell gefährliche Hunde aufgeführt werden, zum Beispiel Frankreich, die Schweiz, Österreich oder Dänemark. Genau wie in Deutschland findest du in der Schweiz und Österreich verschiedene Verordnungen, da diese den einzelnen Kantonen bzw. Bundesländern unterliegen.

In anderen Ländern gibt es wiederum für die Haltung aller Hunde Auflagen und zwar unabhängig von ihrer Rasse.

Wenn du eine Reise mit deinem Vierbeiner ins Ausland planst, musst du die dortigen Bestimmungen kennen. Unwissenheit schützt weder in Deutschland noch in anderen Ländern vor einer möglichen Strafe. Diese kann ein Bußgeld sein, aber auch die Beschlagnahmung deines Hundes bedeuten. Im schlimmsten Fall ist somit der Leidtragende dein Hund.

Sind Listenhunde gefährlich?

Hunde sind nicht von Natur aus gefährlich, weder ein American Staffordshire Terrier noch ein Dobermann. Gefährlich wird ein Hund erst durch unsachgemäße Behandlung oder falsche Haltungsbedingungen. Allerdings wurden unsere Vierbeiner für die unterschiedlichsten Zwecke gezüchtet und bringen somit auch andere Bedürfnisse und Voraussetzungen mit sich. Mit der Zucht des Bullterriers wurde zu Zeiten begonnen, als Tierkämpfe noch populär waren und der Bullenbeißer diente ursprünglich dazu, wehrhaftes Wild zu jagen.

Weißer Bullterrier liegt auf einer Wiese
Bullterrier haben eine hohe Beißkraft

Beide Rassen zählen heute zu den gefährlichen Hunden. Das hängt jedoch weniger mit ihrer Rasse an sich zusammen, als mit den Menschen, durch die sie gehalten wurden. Diese haben sie für ihre Zwecke missbraucht, wodurch die verschiedenen Rassen in Verruf geraten sind.
Fest steht jedoch auch, dass viele der als gefährlich geltenden Hunde eine weitaus höhere Beißkraft haben als andere Artgenossen.

Das Problem ist letztendlich immer das andere Ende der Leine, also der Mensch. Unwissenheit, Über- oder Unterforderung des Hundes, eine mangelnde Sozialisation oder fehlende Erziehung können fast jeden Hund dazu bringen, zuzubeißen. Manchmal sind es auch einfach unglückliche Umstände, die einen Beißvorfall auslösen. Dass sich die Folgen eines Bisses je nach Größe des Hundes unterscheiden, ist klar. Dennoch ist kein Hund genetisch bedingt gefährlicher als der andere.

Dass Rasselisten wenig sinnvoll sind, haben inzwischen auch einige Bundesländer erkannt und diese wieder abgeschafft. Schließlich ist es vollkommen unlogisch, dass ein Hund in einem Land als gefährlich eingestuft wird und in einem anderen nicht. Auch zeigen ihre eigenen Statistiken, dass es häufig zu Beißvorfällen durch Hunde kommt, die in keiner dieser Listen erfasst sind.

Zwei Hunde reissen beim Spielen die Mäuler auf und man sieht ihr beeindruckendes Gebiss
Einige Rassen sind durch Hundekämpfe in Verruf geraten

Fazit

Das Ziel der Politiker, die Bevölkerung vor gefährlichen Hunden zu schützen, ist durchaus sinnvoll. Allerdings sind nicht die Hunde gefährlich, sondern die Halter. Es geht nicht einmal darum, seinen Hund bewusst aggressiv zu machen. Auch andere Umständen und Rahmenbedingungen können dazu führen, dass ein Hund aggressives Verhalten entwickelt.
Deshalb ist aus meiner Sicht eine Rasseliste nicht nützlich. Sie trägt lediglich dazu bei, Vorurteile und Ängste gegenüber bestimmten Rassen zu schüren. Wesentlich besser wäre es, alle Hundehalter zu schulen und dafür einen geeigneten Sachkundetest in Theorie und Praxis zu entwickeln.

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Bildcredit: (c) cycnoclub - Depositphotos.com


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Über Nima 48 Artikel
Ich bin Nima und lebe zusammen mit drei liebenswerten Hunde-Mädels. Als ausgebildete Hundetrainerin liegt mir ein respektvoller Umgang mit unseren Vierbeinern sehr am Herzen.

2 Kommentare

  1. Unbedingt Leinen- und Beißkorbpflicht in einer Stadt!
    Ich wurde beim Vorbeigehen von einem Schäferhund gebissen, obwohl der Hund an der Leine war!
    Ein Gehsteig ist schmal und somit kann ein Hund trotz Leine jederzeit zubeißen.

    • Das ist tatsächlich ein sehr unerfreuliches Ereignis und tut uns sehr leid 🙁

      Deswegen nun alle Hunde in der Stadt immer einen Maulkorb tragen lassen, den Wunsch kann ich aufgrund des Vorfalles zwar verstehen, aber er geht denke ich genauso über’s Ziel hinaus wie eine Rasseliste. Viel wichtiger ist es doch, dass die Menschen ihre Hunde verstehen und mit einem unsicheren/ängstlichen/überforderten Hund gar nicht erst in die Stadt gehen, um solche Vorfälle zu verhindern.

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