Vegetarisches Hundefutter – sinnvoll oder nicht artgerecht?

Laut einer Analyse aus dem Jahr 2022 ernährten sich fast 8 Millionen Menschen in Deutschland vegetarisch. Die Gründe dafür sind zahlreich und zunehmend ist auch die vegetarische Ernährung für Hunde und Katzen auf dem Vormarsch. Ob es sinnvoll und artgerecht ist, deinen Hund fleischlos zu ernähren, was dafür und was dagegen spricht, erfährst du in diesem Artikel.

Ich bin Vegetarier – und mein Hund?

Wer sich selbst fleischlos ernährt, tut dies entweder aus ethischen oder aus ökologischen Gründen. Der Gedanke liegt nahe, das auch auf den eigenen Hund auszuweiten, um die Folgen, die das Essen von Fleisch für Nutztiere und Umwelt hat, zu reduzieren.

Nachvollziehbar ist dieser Gedanke. Und so haben auch die Futtermittelhersteller und -marken längst reagiert und Futter ohne Fleisch-Anteil ins Sortiment aufgenommen. In vielen Futtersorten wird trotz Verzicht auf Fleisch der Nährstoffbedarf des Hundes ideal gedeckt.

Zum Teil scheint die vegetarische Ernährung dem Hund sogar besser zu bekommen als die Fleischvariante. Dies betrifft vor allem Tiere mit Unverträglichkeiten und empfindlichem Verdauungstrakt.

Ist vegetarisches Hundefutter artgerecht?

Diese Frage ist schnell beantwortet: Vegetarisches Hundefutter ist ebenso artgerecht oder nicht artgerecht wie alle anderen Fertigfuttersorten auch. Den Hund interessiert es nicht, ob seine Trockenfutterpellets mit oder ohne Fleisch sind oder was in der Dose mit Nassfutter steckt: Hauptsache es schmeckt und macht satt.

Der Hund – seit 15.000 Jahren Begleiter des Menschen

Bei der Frage nach der artgerechten Ernährung sollten wir uns auch bewusst sein, dass der Hund seit rund 15.000 Jahren mit und vom Menschen lebt – Das betrifft auch die Ernährung. Lange Zeit fraßen Hunde, was vom menschlichen Essen übrig blieb. DAS Hundefutter wurde Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. Industriell hergestelltes Hundefertigfutter gibt es sogar erst seit den 1950er Jahren.

Das vegane Hundefutter von VegDog hat auch bei Stiftung Warentest gut abgeschnitten

Auf die Mischung kommt es an

Erwiesen ist längst, dass Hunde auch mit vegetarischem Futter gesund und bedarfsdeckend ernährt werden können. Wichtig ist wie bei jedem Futter, dass alle Nährstoffe, die ein Hund braucht, in ihm enthalten sind. Gerade wenn es ums Eiweiß geht, kommt es bei fleischloser Nahrung darauf an, dass alle essentiellen Aminosäuren im Futter zu finden sind.

Das sagen Studien zur vegetarischen Ernährung von Hunden

Anders als Wölfe sind Hunde längst keine Fleischfresser (Carnivoren) mehr, sondern gelten als Allesfresser (Omnivoren). Seit jeher fressen unsere Vierbeiner, was der Mensch übrig lässt und das waren oft genug Essensreste, Gemüse, altes Brot oder Milchprodukte. Mittlerweile hat sich die Verdauung des Hundes daran angepasst.

Genetische Anpassung

Eine schwedische Studie über Hundeernährung aus dem Jahr 2013 hat entdeckt, dass Hunde mittlerweile genetisch so verändert und angepasst sind, dass sie Stärke aus pflanzlichen Nahrungsmitteln deutlich besser verwerten können als ihr Vorfahre, der Wolf – und das bereits seit 7.000 Jahren.

Hunde verwerten Kohlenhydrate

Bereits fast 15 Jahre früher fanden Forscher heraus, dass Hunde die Stärke aus Mais, Gerste, Kartoffel, Hirse, Reis und Weizen zu 99 % verdauen können. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Studien aus den Jahren 2008 und 2019.

Verdaulichkeit von Fleisch

Laut Zentek „Ernährung des Hundes“ liegt die Verdaulichkeit von Fleisch im Hundefutter bei 98 %.

Vegan ernährte Hunde sind gesünder

Eine aktuelle Studie aus Großbritannien hat ergeben: Vegan ernährte Hunde benötigen weniger Medikamente und müssen seltener zum Tierarzt.

Betrachtet man die Studienlage, entsteht erst einmal der Eindruck, dass eine fleischlose Ernährung dem Hund zumindest nicht grundsätzlich schadet. Allerdings bleibt die Frage, ob die Versorgung mit allen lebenswichtigen Nährstoffen gewährleistet ist, wenn dein Hund ohne Fleisch ernährt wird.

Fehlen im vegetarischen Hundefutter wichtige Nährstoffe?

Damit dein Hund gesund bleibt, ist eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen erforderlich. Im fertigen Hundefutter – egal ob trocken oder nass, vegetarisch oder fleischhaltig, sind diese als ernährungsphysiologische Zusatzstoffe beigegeben.

Ein Hund frisst Eier und Gemüse aus einem Futternapf
Neben fertigem vegetarischen Hundefutter kannst Du natürlich auch selber kochen.

Perfekte Mischung durch Nahrungsergänzung

Besteht Hundefutter vorwiegend aus pflanzlichen Komponenten müssen die Stoffe, die sonst aus dem Fleisch bezogen werden, hinzugefügt werden. Dazu gehört zum Bespiel das Vitamin B12, das fast ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt. Ebenso wichtig ist die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren, die der Organismus nicht selbst herstellen kann.

Für vegetarisches Hundefutter gelten also die gleichen Regeln wie für solches mit Fleischanteil: Die Nährstoffzusammensetzung muss stimmen und wird durch entsprechende Zusätze gewährleistet.

Eignet sich vegetarisches Hundefutter für jeden Hund?

Generell kann jeder Hund durch vegetarisches Futter gesund und vollwertig ernährt werden. Allerdings gibt es Einschränkungen: So sollte bei Welpen sowie tragenden und säugenden Hündinnen nicht auf Fleisch verzichtet werden. Die Tiere brauchen in dieser Lebensphase besonders viel Energie und Nährstoffe, die durch vegetarisches Futter nicht immer ausreichend gedeckt werden können.

Rücksprache bei kranken Hunden

Auch bei kranken Hunden solltest du mindestens Rücksprache mit dem Tierarzt halten, ob die vegetarische Ernährung gerade sinnvoll oder eher schädlich für dein Tier ist. ist dein Hund durch eine Erkrankung auf spezielles Futter angewiesen (zum Beispiel bei Diabetes oder bei Nierenerkrankungen), musst du erst prüfen, ob das vegetarische Futter das passende ist.

Futterumstellung: Erst mit dem Tierarzt sprechen!

Für gesunde Hunde ist vegetarisches Hundefutter kein Problem. Dennoch solltest du vor der Futterumstellung mit deinem Tierarzt sprechen, ob irgendetwas gegen eine Umstellung spricht. Ist dies nicht der Fall gehst du wie bei jedem Futterwechsel vor: Nach und nach wird das alte Hundefutter durch das neue ersetzt.

Vegetarisches Hundefutter – Die Lösung für Allergiker

Futtermittelunverträglichkeiten entwickeln sich meist gegen Proteine aus bestimmten Fleischquellen. Gerade für diese Hunde kann vegetarisches Futter ohne tierisches Eiweiß die Lösung sein. Hat sich also bei einer Ausschlussdiät herausgestellt, dass dein Hund auf bestimmte Inhaltsstoffe allergisch reagiert, bietet sich neben hypoallergenem Hundefutter auch die vegetarische Ernährung an.

Dunkler kleiner Hund frisst Gemüse. Beschriftung lautet: Das hypoallergene Hundefutter muss nicht nur Dir gefallen, sondern auch Deinem Hund schmecken.
Das hypoallergene Hundefutter muss nicht nur Dir gefallen, sondern auch Deinem Hund schmecken.

Gut für Hunde mit Verdauungsproblemen

Die fleischlose Fütterung kann für deinen Hund übrigens auch die Lösung sein, wenn er immer wieder mit Verdauungsproblemen wie Blähungen, Durchfall und Verstopfung zu tun hat und sich keine organische Ursache ermitteln lässt. Gerade für diese Hund gilt: Das Futter sollte aus so wenig Zutaten wie möglich bestehen, um das Risiko von Unverträglichkeiten bzw. Reaktionen zu reduzieren.

Was ist drin im vegetarischen Hundefutter

Vegetarisches und veganes Hundefutter ist das tierische Protein durch Eiweiß aus pflanzlichen Quellen ersetzt. Von entscheidender Bedeutung ist, dass die Proteine alle Aminosäuren enthält, die der Hund nicht selbst herstellen kann (essentielle Aminosäuren). Ob die am Ende vom Tier oder von der Pflanze stammen, ist weitgehend unerheblich.

Eiweiß und mehr – die Hauptbestandteile

Neben dem Eiweiß, das zum Beispiel wie bei VeggieDog von Green-Petfood aus Kartoffeln, Erbsen und roten Linsen stammt, enthält vegetarisches Hundefutter zum Beispiel:

  • (ungesättigte) Fettsäuren aus hochwertigen Pflanzenölen und Omega Fettsäuren
  • Eier und Milchprodukte
  • Faser- und Ballaststoffe
  • Kräuter und Früchte
  • Hefe
  • Algenmehl
  • Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe

Die Rezepturen unterscheiden sich je nach Hersteller und Marke. Teilweise gibt es das Hundefutter auch in Bio Qualität. Auf jeden Fall achten solltest du bei der Auswahl auf die Deklaration als Alleinfuttermittel.

Besonders wichtig: Die Mikronährstoffe

Genauso wie bei fleischhaltigem Futter müssen auch in den vegetarischen Varianten bestimmte, sogenannte Mikronährstoffe enthalten sein, damit der Hund fit und gesund bleibt. Dazu gehören:

Vitamin B12

Das Vitamin ist unverzichtbar für die Zell- und Blutbildung sowie zur Versorgung von Gehirn und Nervensystem. Dieses Vitamin ist vorwiegend in tierischen Lebensmitteln, vor allem in Innereien enthalten und muss in vegetarischem Futter entsprechend ergänzt werden.

Vitamin D

Dieses Vitamin sorgt für gesunde Knochen. Vitamin D, bzw. dessen Vorstufen sind in Innereien, Eigelb oder Butter enthalten und müssen vegetarischem oder veganem Hundefutter ebenfalls zugesetzt werden.

Jod

Jod sorgt dafür, dass die Schilddrüse ausreichend Hormone bildet. In natürlicher Form kommt Jod in Seefisch, Meeresfrüchten und Algen vor, eine Ergänzung der Nahrung ist also erforderlich.

L-Carnitin und Taurin

Mit diesen beiden Aminosäuren lassen sich altersbedingten Herzerkrankungen vorbeugen.

Auf die ernährungsphysiologischen Zusätze kommt es an

In gutem Hundefutter – ob mit oder ohne Fleisch – sind diese und einige weitere Nährstoffe in ausreichender Menge enthalten. Ein Blick auf die Angabe der Inhaltsstoffe und insbesondere auf die ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe sollte zu jedem Hundefutterkauf gehören.

Vegetarisch kochen für den Hund

Ebenso wie beim BARFEN musst du auch bei selbst zusammengestelltem vegetarischen Futter auf eine ausgewogene Mischung der Bestandteile achten. Ernährungsberater:innen und Ernährungsexperten sind gerade bei dieser Futtervariante eine gute Wahl, um das Futter perfekt zuzubereiten. Grundsätzlich gelten folgende Regeln:

  • Wähle eine Hauptproteinquelle aus, die dein Hund gut verträgt, etwa Kartoffeln.
  • Das Fett wird in Form von hochwertigen, kalt gepressten Ölen zugegeben. Gut geeignet sind Leinöl, Sonnenblumenöl oder Rapsöl.
  • Obst und Gemüse liefern wichtige Ballaststoffe und Vitamine.
  • Als zusätzliche Eiweiß- und Fettquelle kannst du Hüttenkäse, Buttermilch oder Ei hinzufügen.
  • Mineralstoffmischung und Jod, zum Beispiel aus Algenmehl

Hunde können rohes Obst und Gemüse nur schlecht verwerten. Deshalb solltest du die Zutaten kochen oder pürieren. Einige Lebensmittel, wie Kartoffeln, darf dein Hund nur in gekochtem Zustand fressen.

Umweltfreundliches Hundefutter von Green Petfood im Test
Umweltfreundliches Hundefutter von Green Petfood gibt es auf Insektenbasis oder vegetarisch.

Ist vegetarisches Hundefutter ökologisch nachhaltig?

Auch bei der Hundeernährung wird immer öfter nach Varianten und Alternativen geschaut. Nachhaltigkeit und Hund sind keine unvereinbaren Gegensätze. Vegetarisches Hundefutter ist ein Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Die Massentierhaltung hat starke negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima, sei es durch die gedüngten Futtermittel, den Ausstoß von Methan aus der Gülle und die Gülle an sich, die durch ihre Masse das Grundwasser überlastet. All dies vermeidest du, wenn du deinen Hund vegetarisch oder vegan ernährst.

Vertragen alle Hunde vegetarisches Hundefutter?

Bekommt ein Hund falsches, nicht bedarfsdeckendes Futter, zeigt sich das in vielen Fällen recht schnell: Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, ein stumpfes Fell oder schuppige Haut sind Anzeichen dafür, dass womöglich das Futter für deinen Hund nicht stimmt. Der Tierarzt oder eine Ernährungsberaterin kann dir an dieser Stelle weiterhelfen.

Mangelerscheinungen zeigen sich schnell!

In der Regel vertragen fast alle Hunde vegetarisches Hundefutter gut bis sehr gut. Wie bei allen Futterarten kann es aber natürlich auch hier zu Unverträglichkeiten gegen einzelne Inhaltsstoffe oder Mangelerscheinungen kommen, weil ein wichtiger Futterbestandteil – häufig im Bereich der Mineralstoffe fehlt oder auch überdosiert ist.

Bevor du also bei einer scheinbar negativen Reaktion auf das neue Futter das Handtuch wirfst, kannst du es vorerst mit einem Wechsel der Sorte oder der Zugabe von Nahrungsergänzungsmitteln versuchen. Erst wenn dein Hund auch auf mehrere Sorten mit Symptomen reagiert, solltest du wieder auf dein ursprüngliches Futter umstellen.

Vegetarische Ernährung – gut für Mensch, Hund und Umwelt

Mit einer vegetarischen oder veganen Ernährung können Hund wie Mensch ihren Bedarf sehr gut decken, wenn die Mischung stimmt. Es gibt also kaum oder sogar keine echten Nachteile, die gegen vegetarisches Hundefutter sprechen. Wie bei allem kannst du auch hier klein anfangen: Versuche es mit einem vegetarischen Tag für deinen Hund pro Monat oder pro Woche.

Verträgt und mag dein Hund das Futter, spricht nichts dagegen, diese Futterart auszuweiten und deinen Liebling schließlich nur noch ohne Fleisch zu ernähren. Die auf dem Markt befindlichen vegetarischen Nass- und Trockenfutter mit guter Zusammensetzung machen es einfach, deinen Hund ohne Fleisch zu ernähren und dabei die Umwelt zu schützen.

Hast Du Erfahrungen mit diesem Thema?

Kennst du noch weitere Tipps und Tricks?

Wir freuen uns über deine Erfahrungen und Anmerkungen!

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Autor dieses Beitrags: Stefanie Vogt

Stefanie Vogt ist Gründerin und Chefredakteurin des Haustiermagazins. Sie lebt seit über 11 Jahren mit Hunden zusammen und hatte davor 14 Jahre 3 Kater. Was als persönliche Leidenschaft begann, wurde zum Beruf: Stefanie studiert aktuell Tierpsychologie Hund und Katze mit praktischer Erweiterung Hundeverhaltensberatung an der ATN und steht kurz vor dem Abschluss als Hundetrainerin. Neben der Praxis hat sie unzählige Fachbücher zu Hundeverhalten, Ernährung und Tierhaltung gelesen. Alle Kaufempfehlungen auf haustiermagazin.com entstehen aus echtem Alltag mit ihren eigenen Tieren.

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