LPF-Assistenzhunde: Treue Begleiter am Rollstuhl

LPF-Assistenzhunde, Schäferhund, Diensthund mit dem Besitzer, dem Rollstuhlfahrer
LPF-Assistenzhunde leisten ihren Menschen wertvolle Dienste und verbessern so deren Mobilität und Lebensqualität

Hattest du schon mal einen gebrochenen Arm und musstest alles „mit links“ machen? War das einfach? Bestimmt nicht. Wie gut, wenn dir jemand zur Hand gehen konnte, oder? Es gibt viele Erkrankungen und Behinderungen, die die körperliche Beweglichkeit und somit den Alltag der stark einschränken. Betroffene Menschen sind dann auf Hilfe angewiesen.

Diese Hilfe können auch LPF-Hunde übernehmen. Sie bieten nicht nur Gesellschaft, sondern können ihren Menschen viele Aufgaben abnehmen und so den Alltag erleichtern. Hier kannst du lesen, was diese Hunde alles leisten.

 

LPF-Assistenzhunde – Helfer im Alltag

LPF-Hunde sind Hunde, die lebenspraktische Fertigkeiten ersetzen. Doch was steckt hinter dem sperrigen Begriff „lebenspraktische Fertigkeiten“? Im Grunde all die vielen kleinen Handgriffe, die jeder von uns tagtäglich ohne groß nachzudenken und ohne Mühe verrichtet: Ein Taschentuch vom Boden aufheben. Eine Tür öffnen. Einen Lichtschalter betätigen. Wir ziehen uns morgens an, schon das erfordert eine ganze Reihe von Bewegungen und Handgriffen.

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Es gibt Menschen, für die solche alltäglichen Bewegungen nicht so leicht oder komplett unmöglich sind. Viele angeborene oder erworbene Behinderungen wie Spina bifida oder Querschnittslähmung, zahlreiche (fortschreitende) Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose oder auch schlicht das Alter mit Verschleißerscheinungen können die Beweglichkeit und damit die Möglichkeit, sein Leben selbst zu gestalten, stark einschränken. Betroffene Menschen brauchen Hilfe beim Aufstehen, Anziehen, Einkaufen, Aufräumen, usw. Oft können sie außerdem ihre Wohnung nicht so einfach selbstständig verlassen.

Eine Seniorin im Rollstuhl mit LPF-Assistenzhund auf herbstlicher Wiese
Mit Assistenzhund verbessern sich die persönlichen Möglichkeiten eingeschränkter Menschen.

 

Diese Aufgaben kann ein LPF-Assistenzhund übernehmen

Ein geschulter LPF-Assistenzhund kann den Alltag erkrankter Menschen erleichtern. Er wird genau auf die Bedürfnisse seines Menschen hin ausgebildet. Wird diesem beim Gehen schon mal schwindelig? Der Hund weicht nicht von seiner Seite und stützt ihn, wenn nötig. Sitzt sein Mensch im Rollstuhl und kann sich nicht frei bewegen? Kein Problem – der Hund hebt heruntergefallene Gegenstände auf, zieht Socken aus, öffnet und schließt Türen, betätigt Lichtschalter. Dem Hundehalter geht es plötzlich nicht gut? Sein Hund kann den Notrufpiepser betätigen und den Rettungskräften die Türe öffnen. Es gibt, außer der Körperpflege, wohl kaum eine Aufgabe, die ein LPF-Hund nicht erlernen kann, um seinem Menschen das Leben leichter zu machen.

 

LPF-Hunde ermöglichen Sozialkontakte

Menschen mit sichtbarer Behinderung werden oft gemieden und kommen nicht so leicht in Kontakt mit anderen Menschen. Ein Begleithund zieht den Fokus sofort auf sich und berührt Passanten emotional. Der verantwortungsvolle Job als Assistenzhund löst außerdem oft Interesse aus. Menschen schauen dann nicht mehr mitleidig, sondern interessiert. Fragen vielleicht sogar nach. Dieses Erleben von Sozialkontakten kann für betroffene Menschen sehr wohltuend sein.

Ein LPF-Assistenzhund bietet also die Möglichkeit auf ein selbstständigeres Leben, mehr Mobilität und Kontakten im Alltag und entlastet damit auch Angehörige und Pflegepersonal.

 

Wie wird aus einem Hund ein LPF-Assistenzhund und was kostet das?

Ein LPF-Assistenzhund wird optimalerweise schon vom Welpenalter an ausgebildet. Je früher er dabei mit seinem zukünftigen Menschen zusammenkommt, desto besser ist dies für den Aufbau der Bindung und für das Erlernen spezieller Aufgaben. Die Versorgung und das Training des zukünftigen Profihelfers auf vier Pfoten sollte daher möglichst zusammen mit seinem künftigen Halter unter Anleitung eines Assistenzhundetrainers erfolgen. Manchmal braucht es dabei auch Unterstützung von dritten Personen, z. B. Familienangehörigen.

Ich kann Dir helfen! Ganz sicher :-)
Bis der Welpe ein LPF-Assistenzhundeprofi ist, dauert es ca. 2 Jahre. 

Übrigens: „Assistenzhundetrainer“ ist keine geschützte Bezeichnung. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen. Kann der Trainer Erfahrung oder gute Referenzen vorweisen? Oder hat er eine entsprechende Ausbildung in einem Institut absolviert, z. B. beim Schulungszentrum für Assistenzhunde. Wichtig ist auch, dass das Training positiv gestaltet wird. Dem vierbeinigen Helfer soll es schließlich Freude machen mit und für Menschen zu arbeiten, da haben grobe Trainingsmethoden und Bestrafungen in der Ausbildung nichts verloren!

 

Was lernt der Hund im Training?

Der Welpe lernt zunächst den üblichen Grundgehorsam zusammen mit einigen Kommandos, die auch in der späteren Arbeit von Nutzen sein können. Diese enthalten Befehle wie „Komm“, „Sitz“, „Platz“, „Stop“, „Steh“ oder „Warte“. Auch spielerisches Beibringen von „Bring“ und „Gib“ ist mit einem Welpen problemlos möglich.

Er lernt verschiedene Situationen wie Menschenansammlungen, Straßengeräusche, verschiedene Untergründe, Verkehrs- und Transportmittel kennen. Er übt auch, sich an Rollstuhl oder Krücken angepasst zu bewegen, beispielsweise immer an einer Seite zu bleiben, voran zu laufen oder zu folgen.

Wird der LPF-Hund vom Welpenalter an ausgebildet, können sich der Hundehalter und sein Trainer selbst ein Regelwerk für das Training erarbeiten, weil das Hundebaby noch „ein unbeschriebenes Blatt“ ist.

 

Kann auch der eigene Hund noch ausgebildet werden?

Auch erwachsene Hunde können noch ausgebildet werden – ein gut erzogener, älterer Hund bringt durchaus auch Vorteile mit sich.

Erkrankte Hundehalte wünschen sich häufig, dass ihr Liebling ihnen mit Fortschreiten der Erkrankung mehr Hilfsdienste erweisen kann. Die beiden haben meist bereits eine gute Bindung aneinander und der Hund kennt die gängigen Grundkommandos. Dann spricht nichts dagegen, zusammen mit einem Assistenzhundetrainer den eigenen Hund auszubilden.

Ein Mann hockt neben seinem Hund und umarmt ihn, dieser schnüffelt an dessen Gesicht
Auch erwachsene Hunde können zu Assistenzhunden ausgebildet werden.

 

Wie lange dauert die Ausbildung und wer zahlt das?

Im Allgemeinen dauert die Ausbildung eines Welpen bis zum fertigen LPF-Assistenzhund ca. 18-24 Monate. Wird ein erwachsener Hund ausgebildet, so kann sich die Dauer – je nach vorhandenem Trainingsstand des Hundes – verkürzen. Die Kosten können 20.000-30.000 EUR erreichen, die normalerweise nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Du kannst dort aber versuchen, eine Einzelfallentscheidung herbeizuführen.

Es gibt auch Stiftungen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Sponsoren und Spender zu suchen, um mehr Menschen mit Behinderung einen Assistenzhund ermöglichen zu können. Einige davon verlinke ich dir hier:

Hunde helfen Heilen Stiftung

Hunde für Handicaps

Peter Raum Stiftung

 

Welche Voraussetzungen muss ein Hund für diesen Job mitbringen?

Welpen, die zum LPF-Assistenzhund ausgebildet werden sollen, müssen körperlich gesund und psychisch stabil sein. Sie müssen frei von Skeletterkrankungen wie HD sein und dürfen weder Aggressionsbereitschaft noch einen hohen Jagdtrieb mitbringen.

Es gibt keine Rasseeinschränkungen, allerdings sollte ein Assistenzhund, von dem später körperlich anspruchsvolle Dienste wie Hilfe beim Aufstehen, Stützen bei Schwindel u. A. erwartet werden, mindestens mittelgroß sein. Deshalb erfreuen sich besonders Rassen wie  Retriever großer Beliebtheit, aber auch Australien Shepherds oder Designerrassen wie Doodles sind gut geeignet.

Charakterlich sollten die zukünftigen Helfer eher ruhig, aber nicht träge sein. Ein stabiles Nervenkostüm und dennoch eine gewisse Sensibilität werden benötigt, um Bedürfnisse des Halters zu erkennen und im Fall der Fälle auch die Initiative zu ergreifen, wenn beispielsweise ein Notruf abgesetzt werden muss. Offenheit für Neues und Freundlichkeit Menschen und anderen Tieren gegenüber sind ebenso wichtig. Es sollte dem Hund außerdem grundsätzlich Freude machen, mit Menschen zusammenzuarbeiten.

 

Welche Voraussetzungen musst du selbst erfüllen, wenn du einen LPF-Assistenzhund haben möchtest?

Wenn du unter einer körperlichen Beeinträchtigung leidest, die deinen Alltag stark einschränkt, Hunde magst und dir vorstellen kannst, deinen zukünftigen Helfer künftig 24 Stunden um dich zu haben, sind die Voraussetzungen für eine Zukunft mit Assistenzhund im Prinzip schon erfüllt.

Ein Hund beim Tierarzt schaut fröhlich in die Kamera, im Hintergrund die Tierärztin
Wichtig ist: Auch alle Bedürfnisse des vierbeinigen Helfers müssen erfüllt werden. 

Außerdem muss die Versorgung und Erfüllung der Bedürfnisse des Hundes jederzeit gewährleistet sein. Das bedeutet, du kannst dich komplett selbst um ihn kümmern, Spaziergänge, Fütterung, Spiel, Pflege und Tierarztbesuche erledigen und hast für den Notfall jemanden, der einspringen kann. Oder deine Familie/Mitbewohner/Pflegekräfte sind einverstanden und übernehmen, wenn nötig, die Versorgung deines Hundes. Wenn du unter einer fortschreitenden Erkrankung leidest, müssen Dritte zunehmend mehr mit eingebunden werden. Und dies etwa für die nächsten 15 Jahre. Das muss allen Beteiligten klar sein. Also überlege im Vorfeld gut, ob ein Hund eine Bereicherung oder doch eher eine Belastung für dein Leben darstellen würde.

 

Fazit

LPF-Assistenzhunde sind, nach den Blindenführhunden, die am zweithäufigsten vorkommenden Assistenzhunde und können eine großartige Bereicherung und Hilfe im Leben eines körperbehinderten Menschen darstellen. Sie übernehmen unzählige kleine, aber wichtige Aufgaben im Alltag.

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Außerdem wirken sie sich positiv auf das psychische Wohlbefinden ihres Halters und das soziale Miteinander in der Öffentlichkeit aus. Damit verbessern sie die Lebensqualität ihres Menschen enorm. Dieser muss im Gegenzug immer darauf achten, die Bedürfnisse seines treuen Helfers artgerecht zu erfüllen. Dann können beide ein wahres Dreamteam sein.

Kannst du dir vorstellen, dass ein Assistenzhund dein Leben bereichern würde?

Oder lebst sogar mit einem zusammen? Schildere uns doch mal, was für dich am allerwichtigsten dabei ist.

Wir und unsere Leser freuen uns immer über inspirierende Kommentare.


Bildcredit: (c) Wildstrawberry - depositphotos.com


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Über Anja 93 Artikel
Ich bin Anja, ausgebildete Hundephysiotherapeutin und lebe seit vielen Jahren mit den verschiedensten Tieren/Tierarten zusammen. Aktuell mit zwei Hunden, einer Katze und zwei griechischen Landschildkröten. Außerdem habe ich mehrere Jahre für den Tierschutz Wildtierbabies, insbesondere Vögel und einige Würfe verwaister Katzenbabies aufgezogen.

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