Blinden- und Signalhunde

Ein blinder älterer Mann sitzt auf einer Bank mit seinem Labrador Retriever neben sich, der auf Grund seines geduldigen und gelehrigen Wesens hervorragend als Blindenhund eignet.
Ein starkes Team: Mensch und Blindenhund

Hilfe für beeinträchtige Menschen: Blinden- und Signalhunde

Kennst du das? Es klingelt an der Türe und dein Hund läuft hin und fängt an, wie verrückt zu bellen. Uns kostet das manchmal ganz schön Nerven. Es gibt aber Menschen, für die es wichtig ist, dass ihr Hund auf solche Geräusche reagiert. Gehörlose Menschen sind dankbar, wenn ihr Vierbeiner ihnen zeigt, dass jemand an der Tür ist. Und auch blinde Menschen sind froh, wenn ihr Hund ihnen dabei hilft, ihren Alltag zu bewältigen.

Hier kannst du nachlesen, was Assistenzhunde für blinde und gehörlose Menschen alles können, welche Rassen sich dafür besonders gut eignen und wie sie ausgebildet werden.

Nützliche vierbeinige Helfer im Alltag

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Stell dir einmal vor, du müsstest dein Leben in Schwärze oder Taubheit verbringen. Du siehst oder hörst nichts von dem, was dich umgibt. Würdest du dich immer in einer vertrauten Umgebung aufhalten, könntest du dich bestimmt trotzdem bald recht sicher bewegen.

Müsstest du aber deine vertraute Umgebung verlassen oder würdest in eine unvorhersehbare Situation geraten, wird es schnell schwierig. Deshalb benötigen Menschen, die nicht oder nicht gut sehen oder hören können, Hilfe, um am normalen gesellschaftlichen Alltagsleben teilhaben zu können.

Blindenhund in der Stadt
Blindenhunde ermöglichen ein weitgehend normales Alltagsleben

 

Hier kommen die Blinden- und Signalhunde ins Spiel. Blindenführhunde sind für blinde Menschen eine ausgezeichnete Hilfe, um sicher von A nach B zu kommen. Sie führen ihre Menschen sicher durch die Umwelt. Signalhunde, die auch als Gehörlosen-Begleithund oder im englischsprachigen Raum als Hearing Dog bezeichne werden, können für ihre Menschen wichtige akustische Signale erfassen und anzeigen.

Das kann ein Blindenhund

Blindenhunde gibt es schon länger als wir denken. Bereits aus dem 15 Jhd. sind schriftliche Quellen bekannt, die Blindenhunde im Dienste des Menschen erwähnen.

Die Ausbildung der Hunde beinhaltet einige grundsätzliche Aufgaben und Kommandos, die jeder Blindenhund kennen und können muss. Je nach den speziellen Bedürfnissen, die sein blinder Mensch hat, kann die Ausbildung aber individuell erweitert werden.

Schwerpunkte der Ausbildung zum Blindenführhund sind normalerweise:

  • Der Hund erkennt Hindernisse für seinen Menschen und umgeht diese (z. B. Passanten, Poller, Schranken) bzw. zeigt sie an (z. B. Treppenstufen, Bordsteine).
  • Er kann Bürgersteige, Treppen, Aufzüge, Türen, Ruhebänke finden und anzeigen.
  • Er erkennt Zebrastreifen und Ampeln und zeigt diese an.
  • Er findet Haltestellen und öffentliche Verkehrsmittel, hilft beim Ein- und Aussteigen und zeigt freie Sitzplätze an.
  • Er zeigt, wenn es sein muss, intelligenten Ungehorsam.

Der Blindenhund lernt in seiner Spezialausbildung zwischen 30 und 80 Kommandos für Vorgänge, die für seinen Menschen alleine schwierig oder gar gefährlich sein könnten.

Doch das Lernen endet nicht mit der Ausbildung. Ein Blindenführhund braucht lebenslanges Training, was bedeutet, dass sein Mensch viel mit ihm üben und wiederholen muss.

Blinder Mensch mit ihrem Blindenhund
Blindenhund in der Ausbildung

 

Der „intelligente Ungehorsam“

Der „intelligente Ungehorsam“ ist eine extrem wichtige Fähigkeit, die lebensrettend sein kann. Der Begriff bezeichnet die selbstständige Entscheidung des Blindenhundes, den Gehorsam zu verweigern, wenn durch Ausführung eines Kommandos Gefahr für seinen Halter entstehen würde. Gibt zum Beispiel der Hundebesitzer am Ufer eines Flusses das Kommando „Voran!“, dann erkennt der Hund die Gefahr, bleibt stehen und schiebt sich zwischen seinen Menschen und das Ufer. Diese Bewertung von Situationen ist eine der schwierigsten Lektionen eines Blindenführhundes, die er perfekt beherrschen muss.

In diesem kurzen Video bekommst du sehr eindrucksvoll gezeigt, wie Blindenhunde arbeiten.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=208&v=qBAulE4R0DA&feature=emb_logo

 

Wie wird aus einem Hund ein Blindenhund?

Die speziellen Aufgaben der Hunde erfordern eine gründliche Ausbildung. Da diese aufwendig und nicht preiswert ist, wird im Vorfeld genau abgeklärt, ob ein Hund sich dafür überhaupt eignet. Grundsätzlich muss er körperlich gesund und fit sein, außerdem wird sein Wesen geprüft. Nur friedfertige, lernfreudige, und konzentrationsstarke Junghunde kommen überhaupt infrage. Auch dürfen sie keinen großen Jagdtrieb aufweisen.

Der Weg zum Profi-Blindenhund

Erste Eignungstests können bei Blindenhunden bereits in einem Alter von acht Wochen durchgeführt werden. Die kleinen Blindenhund-Azubis kommen dann mit acht bis zehn Wochen für etwa ein Jahr in Patenfamilien, die mit erfahrenen Trainern zusammenarbeiten. Oder sie leben in speziellen Blindenhundeschulen. Hier werden die Hunde sozialisiert und auf positive Weise mit vielfältigen Eindrücken konfrontiert. So entwickeln sich wesensfeste, ausgeglichene Hunde.

Blindenhund in der Ausbildung
Ein Blindenhund lernt sein Leben lang.

 

Im Verlauf wird immer wieder überprüft, ob sie sich für eine Profi-Karriere als Blindenführhund eignen. Hat der Hund nach etwa 12 Monaten seine Lektionen gelernt, steht die Zusammenführung mit seinem Menschen an. Ein dreiwöchiger Intensivlehrgang legt die Basis für ein erfolgreiches Zusammenleben und wird mit einer sogenannten Gespann-Prüfung abgeschlossen.

Die optimale Größe für Blindenhunde liegt bei 50-65 cm Schulterhöhe. Bezüglich der eingesetzten Rassen gibt es keine grundsätzlichen Beschränkungen. Auch Mischlinge wären bei guter Eignung einsetzbar. Aufgrund ihres Wesens werden allgemein besonders gerne Retriever, Königspudel, Deutsche Schäferhunde, Riesenschnauzer und Airdale-Terrier eingesetzt und auch gezielt für ihren Einsatz gezüchtet.

Blindenhunde müssen „sehen lernen“

Hunde orientieren sich in ihrer Umwelt vorrangig über Gerüche und Geräusche. In der Blindenhunde-Ausbildung werden sie jedoch darauf trainiert, vor allem ihr räumliches Sehen einzusetzen. Das ist wichtig, wenn sie einen blinden Menschen führen sollen. Denn sie müssen zum Beispiel ein Hindernis für ihren Menschen klar erkennen lernen, selbst wenn es für sie gar keines ist. Die Hunde lernen deshalb in der Ausbildung, sich und ihren Menschen als eine Einheit zu betrachten.

Das kann ein Signalhund

Signalhunde ersetzen die Ohren ihrer Menschen. Sie hören wesentlich besser als wir, besonders im hochfrequenten Bereich. So nehmen sie Geräusche noch aus über 200 Metern Entfernung wahr, die wir schon nach 20 Metern nicht mehr hören. Außerdem verfügen sie über ein viermal besseres räumliches Hörvermögen, d. h. sie orten wesentlich einfacher die Richtung, aus der ein Geräusch kommt. Diese Fähigkeiten nutzt der Mensch beim Einsatz von Signalhunden. Damit die Hunde nicht in Dauer-Lauschstellung sein müssen, sind sie meist nur auf einige wichtige Signale trainiert. So kann es z.B. lebensrettend sein, wenn der Hund das Pfeifen eines Rauchmelders anzeigt.

Labrador hat Telefon in der Schnauze vor weißem Hintergrund
Nein, das Telefonat übernehmen kann der Signalhund nicht. Aber helfen, einen Telefonanruf zu erkennen.

 

Auch draußen gibt es viele Gefahrenmomente – besonders im Verkehr – die ein hörbehinderter Mensch nicht oder nur sehr zeitverzögert mitbekommt. Auch hier helfen Signalhunde ihren Menschen.

Wichtige Helfer im Alltag

Der Signalhund zeigt seinem Menschen ein Geräusch an, indem er ihn beispielsweise mit der Nase anstupst und ihn anschließend zur Quelle führt. Ebenso kann er verfahren, wenn seinem Besitzer unbemerkt etwas heruntergefallen ist.

„Sitz, Platz, komm!“ sind eher nicht im Vokabular eines Signalhundes zu finden. Denn sie werden häufig auf Sichtzeichen wie Handbewegungen oder Kopfhaltungen trainiert, manchmal auch auf besondere Hörzeichen. Diese werden meist in einer anderen Sprache geübt, damit ein arbeitender Hund nicht durch zufällig aufgeschnappte Wörter anderer Menschen verunsichert wird.

Ein Signalhund kann den Kontakt seines Halters mit anderen Menschen verbessern, denn die Arbeit des Hundes stößt in der Außenwelt oft auf Interesse. Außerdem ist es für alle Beteiligten einfacher, wenn der Halter mithilfe seines Hundes zeitnah reagiert, falls er zum Beispiel aus Entfernung gerufen wird.

Wie wird aus einem Hund ein Signalhund?

Erste Tests, ob ein Welpe sich zum Signalhund eignet, können schon 24 Stunden nach Geburt erfolgen, weitere Tests folgen in den nächsten Lebenswochen. Diese Tests sind wichtiger und aussagekräftiger als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse oder eine bestimmte Größe des Hundes. Die Hunde sollten friedfertig, lernfreudig, und konzentrationsstark sein. Auch dürfen sie keinen großen Jagdtrieb aufweisen.

Signalhund Voraussetzungen
Ein Signalhund muss sich gut konzentrieren können und gerne lernen.

 

Manche Trainer haben sich auf die Komplettausbildung von Signalhunden spezialisiert. Sie bilden den Hund fertig aus und verkaufen ihn dann an den zukünftigen Halter. Einige Hundeschulen bieten dagegen spezielle Lehrgänge für hörbehinderte Hundehalter an, die ihren Hund als Signalhund ausbilden möchten. Auch das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum bietet Begleitung bei der Selbstausbildung des Hundes an. Der Hund lebt dabei die ganze Zeit bei seinem Halter und beide lernen zusammen, wie man einen Signalhund einsetzt bzw. was ein Signalhund können muss.

Die Ausbildung zum Profi-Signalhund

Je nach Anforderungen des Halters, Intensität der Ausbildung und Alter des Hundes, dauert die Ausbildung zwischen 6 und 24 Monaten.

Dabei wird jedes wichtige Geräusch einzeln in vielen kleinen Unterschritten trainiert. Welche Signale im Lebensalltag eines Menschen besonders wichtig sind, kann sich individuell unterscheiden. Der Hund wird daher ganz genau auf die Bedürfnisse seines Menschen spezialisiert ausgebildet.

Anders als zum Beispiel in Österreich gibt es in Deutschland noch keine verpflichtende Prüfung zum Signalhund. Das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum bietet aber eine Abschlussprüfung an. Wird diese bestanden, so darf sich der Hund Assistenzhund nennen.

Wer bekommt überhaupt einen Blinden- oder Signalhund?

Wer einen Blindenhund beantragen möchte, muss einige Voraussetzungen erfüllen. Die Sehkraft muss unter 5 % liegen, was ein Augenarzt bescheinigen muss. Außerdem wird von diesem eine Verschreibung „für die Versorgung mit einem Blindenführhund“ benötigt und der Blinde muss körperlich fit sein. Seine Wohnung muss ausreichend Platz bieten und der Vermieter sowie andere beteiligte Personen müssen zustimmen.

Blindenhund hilft blindem Mann in der Stadt
Es ist nicht ganz einfach, einen Blindenhund zu bekommen.

 

In Deutschland besitzen nur etwa ein bis zwei Prozent der Blinden einen Blindenführhund. Die Wartezeit auf einen solchen beträgt rund drei Jahre.

Die Voraussetzung für einen Signalhund ist in erster Linie eine starke Einschränkung der Hörfähigkeit, die die Bewältigung des Alltags erschwert. Alle Familienmitglieder sollten mit einem Hund einverstanden und die Wohnung geeignet sein. Außerdem sollten keine gesundheitlichen Gründe wie eine Hundehaarallergie gegen die Hundehaltung sprechen. Als günstig gilt, wenn der Signalhund der einzige Hund im Haushalt ist, damit er nicht von anderen Hunden von seiner Aufgabe abgelenkt werden kann.

Was kostet so ein Assistenzhund?

Die Kosten für einen ausgebildeten Blindenführhund können bis zu 30.000 EUR erreichen. Die Krankenkasse muss diese übernehmen, manchmal ist auch die Berufsgenossenschaft zuständig. Dafür muss der Hund offiziell als „notwendiges Hilfsmittel“ mit Verschreibung des Augenarztes und einem Kostenvoranschlag einer Führhundeschule beantragt werden. In der Theorie kann sich der zukünftige Hundehalter die Ausbildungsstätte selbst aussuchen, jedoch sind die Krankenkassen angehalten, den günstigsten Anbieter auszuwählen. Das ist ein Problem, da es in Deutschland für die Ausbildung von Assistenzhunden noch keine Qualitätsstandards gibt.

Die Kosten für einen Signalhund müssen hingegen privat getragen werden müssen. Für eine etwa 1,5-jährige Ausbildung bei einem Trainer können Kosten zwischen 10.000 (bei Selbstausbildung mit einem Trainer) und 30.000 EUR erwartet werden.

 Fazit

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Assistenzhunde erleichtern als Ersatz einer wichtigen Sinneswahrnehmung den Alltag ihrer Menschen. Blinden- und Signalhunde sind die Experten auf diesem Gebiet und können für ihre Halter sogar eine lebensrettende Funktion haben. Auf jeden Fall erhöhen sie Aktionsradius und Selbstständigkeit ihrer Besitzer und bieten darüber hinaus eine vertrauensvolle Partnerschaft zu einem tierischen Gefährten. Ein Stück weit helfen sie sogar dabei, ihre Besitzer aus der Isolation zu holen, die eine Behinderung bedeuten kann.

 

Hast du schon einmal einen Blinden- oder Signalhund bei der Arbeit erlebt?

Berichte uns und unseren Lesern gerne davon, was dich dabei besonders beeindruckt hat.

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Bildcredit: (c) Ljupco Smokovski - Fotolia.com


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Über Anja 91 Artikel
Ich bin Anja, ausgebildete Hundephysiotherapeutin und lebe seit vielen Jahren mit den verschiedensten Tieren/Tierarten zusammen. Aktuell mit zwei Hunden, einer Katze und zwei griechischen Landschildkröten. Außerdem habe ich mehrere Jahre für den Tierschutz Wildtierbabies, insbesondere Vögel und einige Würfe verwaister Katzenbabies aufgezogen.

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