„Ein Hund kann sich nur ohne Leine richtig ausleben.“
Solche oder ähnliche Gedanken sind tief in den Köpfen vieler Hundehalter verankert. Sie sind sich sicher, dass ein ständig angeleinter Vierbeiner nicht glücklich sein kann. Ihrer Ansicht nach muss er sich immer frei bewegen, toben, schnüffeln und mit anderen Hunden spielen können. Es gibt allerdings einige Gründe, weshalb dein Vierbeiner selten oder sogar nie ohne Leine laufen darf.
Welche das sind und dass dein Hund trotzdem glücklich sein kann, das erkläre ich dir in diesem Artikel.
Warum muss ein Hund an der Leine laufen?
Einen Hund zu halten, heißt Verantwortung zu übernehmen. Damit meine ich nicht bloß die Verantwortung deinem Vierbeiner gegenüber, sondern auch gegenüber anderen Menschen und Tieren. Indem du deinen Hund an der Leine führst, kannst ihn kontrollieren. Läuft er frei, ist das nur noch bedingt möglich. Auch wenn er noch so gut auf den Rückruf reagiert, bleibt immer ein Restrisiko bestehen. Schließlich handelt es sich bei einem Hund um ein Lebewesen, nicht um eine Maschine. Er kann gute und schlechte Tage haben. Er kann krank sein, sich erschrecken oder vor etwas Angst haben und dann anders reagieren, als du es von ihm erwartet hättest.

Manche Vierbeiner können aus einem der folgenden Gründe nicht oder nur selten ohne Leine laufen:
sie sind leidenschaftliche Jäger,
sie haben Angst vor Menschen, Hunden oder Geräuschen,
sie reagieren aggressiv auf Menschen, Artgenossen oder andere Tiere,
sie zählen zu den sogenannten Listenhunden,
sie sind noch sehr jung und damit untrainert
oder sie wurden erst neu in die Familie aufgenommen und daher nicht gut abrufbar
sie leiden unter einer Erkrankung.
In diesem Fall wäre es leichtsinnig bis hin zu gefährlich für deinen Hund und andere, ihn abzuleinen.
Trotzdem ist das Leben mit einem dauerhaft angeleinten Hund nicht immer einfach. Oft fehlt es anderen Hundebesitzern an Verständnis dafür. Mal lassen sie ihren Hund zu deinem angeleinten rennen. Ein anderes Mal halten sie dir einen Vortrag, dass du deinen Vierbeiner auch mal ableinen musst.
All das kann ganz schön anstrengend und frustrierend sein. Du brauchst dir aber kein schlechtes Gewissen einreden zu lassen. Nur weil ein Hund ohne Leine läuft, ist das kein Garant für seine Zufriedenheit.

Sind Hunde ohne Leine glücklicher?
Damit ein Hund ausgeglichen und glücklich ist, braucht es mehr als freies Laufen. Er braucht
... geistige und körperliche Auslastung
... ausreichend Ruhemöglichkeiten
... das Ausleben seiner hundlichen Bedürfnisse, zum Beispiel schnüffeln oder buddeln. (Zu den hündischen Grundbedürfnissen zählen auch genügend Fressen und ein Bedürfnis nach Sicherheit.)
Soziale Kontakte. Das müssen nicht zwangsläufig fremde Hunde oder Menschen sein. Für manche Hunde ist es vollkommen ausreichend, wenn sie die Zuwendung durch ihre Bezugspersonen bekommen.
Falls Hund immer an der Leine sein muss, brauchst du dich deswegen nicht schlecht fühlen. All diese Bedürfnisse lassen sich auch bei einem Hund erfüllen, der nicht abgeleint werden kann.
So fühlt sich dein Hund auch an der Leine wohl
Ob sich dein Hund angeleint wohl fühlt, fängt bei der Wahl der passenden Leine an. Mit einer Schleppleine hat dein Hund zum Beispiel einen viel größeren Bewegungsfreiraum als mit den gängigen 2- oder 3m-Führleinen zum Gassigehen. Er ist so aber trotzdem gesichert. Schleppleinen gibt es in unterschiedlichen Materialien und Längen. Sie sind dafür gedacht, auf dem Boden hinterher zu schleifen, daher der Name. So kann dein Vierbeiner auch mal etwas schneller rennen, wenn er daran Spaß hat oder am Wegesrand schnüffeln.

Lass ihn jedoch nicht an der Schleppleine unbeaufsichtigt oder zu wild mit anderen Hunden spielen. Denn die lange Leine kann sich im schlimmsten Fall um den Hals des anderen Hundes wickeln und so zu Verletzungen führen. Wenn dein Hund gerne mit Artgenossen spielt, kannst du dich bei einer Hundeschule oder einem Verein erkundigen, ob es dort eine eingezäunte Fläche gibt, die ihr nutzen könnt. In immer mehr Gemeinden werden auch eingezäunte Freilaufflächen für Hunde angeboten.
Neben dem Spiel mit Artgenossen gibt es unzählige Möglichkeiten, deinen Vierbeiner geistig auszulasten. Mit einfachen Mitteln kannst du auch eure Spaziergänge aufpeppen, indem du Suchspiele mit deinem Hund machst oder bereits bekannte Signale an ungewohnten Stellen abrufst. Und dann bleiben ja auch noch die unzähligen Möglichkeiten deinem Liebling Tricks beizubringen.
Damit dein Hund seinen hundlichen Bedürfnissen wie dem Schnüffeln nachgehen kann, solltest du ihm bei euren Spaziergängen ausreichend Zeit dafür einräumen und sie nicht allzu sehr durchstrukturieren.
Fazit
Du siehst, eine Leine (oder besser keine) ist nicht entscheidend, ob dein Hund in glückliches Leben führt. Dafür kommt es vielmehr auf das Befriedigen seiner hündischen Bedürfnisse an. Und diese kannst du bei einem angeleinten Hund genauso gut oder schlecht erfüllen wie bei einem immer frei laufenden. Für manche Hunde ist es sogar weitaus entspannter, wenn sie angeleint sind. Gerade Angsthunde können durch die Leine an Sicherheit gewinnen. Seinen Hund frei laufen zu lassen, ist mit viel Verantwortung verbunden. Ihn nicht abzuleinen, ganz genauso.
Wie sind Deine Erfahrungen?
Kann Dein Hund viel frei laufen oder gibt es Gründe, warum das eben nicht geht?
Wir freuen uns wie immer über jeden Kommentar!




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